Streitfall Nakba und BtS: Israel-dämonisierende Ausstellungen?

Im Rahmen manchen überambitionierten Versuchs einer äquidistanten Vermittlung der Positionen „beider Seiten“ im israelisch-palästinensischen Konflikt, oder gar im Glauben, einen kritischen und bereichernden Beitrag zum Verständnis Nahosts zu leisten, wird vor allem auf derzeit zwei Ausstellungen zurückgegriffen, die jedoch alles andere als diskursförderlich sind. De facto sind sie sogar derart problematisch, dass, wer als Veranstalter eine faire Porträtierung der Konfliktparteien und -inhalte anstrebt, sich mit den Ausstellungen selbst jeder Ausgewogenheit und Glaubwürdigkeit beraubt.

Konkret: es touren europaweit die „Nakba-Ausstellung“ und die „Breaking the Silence“(BtS) -Ausstellung umher, eingeladen und beherbergt von zivilgesellschaftlichen, kirchlichen oder öffentlichen Akteuren, denen allerdings nicht allen unterstellt werden kann, die Besucher vorsätzlich durch ressentimentbeladene und manipulative Extremperspektiven gegen Israel aufbringen zu wollen. Dennoch ist es gerechtfertigt zu fragen, warum sich trotz der Kritiklage an den Ausstellungen weiterhin Unterstützer finden. Dieses „trotz der Kritiklage“ lässt leider befürchten, dass die Wirkung eben kein unbeabsichtigter Effekt ist.

In dieser Kollektion findet sich eine kritische Perspektive auf eben jene Ausstellungen, die man – ganz dem demokratischen Grundwert der Meinungsfreiheit verpflichtet – nicht verbieten sollte, ihrer extrem antiisraelischen Agenda und methodisch und inhaltlich belegbaren Unwahrhaftigkeit halber aber auch nicht unbedingt zeigen MUSS.
Und Alternativen.

 

Die „Nakba“-Ausstellung

Der Verein Flüchtlingskinder im Libanon e.V. hat in 2008 aus Anlass des 60. Jahres­tages der Nakba, der Flucht und Vertreibung der Palästinenser 1948, deren Erinnerung mit den gleichzeitigen Feiern zur Gründung des Staates Israel im Mai 1948 zusammenfällt, eine Wanderausstellung mit Begleitkatalog zu der Thematik erarbeitet. Bis heute wurde die Ausstellung in ca. 100 Orten in Deutschland und in mehr als 30 Orten in Österreich, der Schweiz, Frankreich, Luxemburg und England gezeigt. Dies und weiteres ist nachzulesen auf der Website der Ausstellung „Die Nakba – Flucht und Vertreibung der Palästinenser 1948“.

So weit, so gut. Es gibt niemanden, auch Israel nicht, der das Flüchtlingsproblem nicht ernst nehmen würde, ist es doch eine lange und unnötige Leidensgeschichte vieler Tausend Menschen und  eines der Kernthemen, über die sich Israel – neben den Themen Grenzen, Wasser, Jerusalem – in Verhandlungen mit den Palästinensern verständigen muss. Auch kann nicht stehen gelassen werden, dass das Thema nicht ausreichend Aufmerksamkeit durch die internationale Gemeinschaft erführe, hat die UN doch eigens die Agentur UNRWA gegründet, die sich exklusiv der palästinensischen Flüchtlinge annimmt und eher Teil des Problems statt der Lösung ist.

An zahlreichen Orten also besuchen viele Menschen eine Ausstellung, die zutiefst problematisch ist. Mancherorts gibt es Widerstand, Kritik oder gar massiven Protest, mancherorts wird ihr kurzfristig doch kein Platz eingeräumt, mancherorts will man sie gar nicht haben. Es gilt hier nicht zu verdeutlichen, dass die Ausstellung um jeden Preis verhindert werden soll. Nein, aber es ist wichtig zu verdeutlichen, dass in einer Demokratie auch das Recht besteht, ressentimentbeladene Propagandamachwerke wie die Nakba-Ausstellung nicht zu zeigen, wenn denn die Hintergründe und Argumente zur bestehenden Kritik nachvollzogen werden, wie in Köln geschehen:

 “ … Die Ausstellung bietet zwar eine Fülle wichtiger Informationen, die jedoch, weil sie nicht wirklich in die komplizierten politischen Verhältnisse der Geschichte des Nahen Ostens eingeordnet und in diesem Gesamtkontext gewichtet werden, leicht als einseitige Schuldzuweisungen an Israel und den Zionismus verstanden werden können. Damit wird die Ausstellung ihrem erklärten Bemühen, einen Beitrag zu Aussöhnung, Gerechtigkeit und Frieden in Israel/Palästina zu leisten, nicht gerecht. Der zukünftigen friedlichen Entwicklung in dieser Region ist damit nicht gedient.

Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: In der Diskussion um die Zukunft des Nahen Ostens soll und darf das Schicksal der palästinensischen Bevölkerung 1947/1948 weder beschönigt, ausgeblendet noch verschwiegen werden. Dieses Leid wird jedoch erst verstanden, wenn es in dem zu ihm gehörenden historischen Kontext präsentiert wird. Die Ausstellung ist lückenhaft: So fehlt jeder Hinweis auf die Verstrickung palästinensischer Führer mit dem Naziregime in Deutschland. Auch der massive und lebensbedrohliche Antisemitismus in vielen arabischen Ländern, der insbesondere nach 1948 zu einer gewalttätigen Vertreibung hunderttausender Juden aus ihren angestammten Heimatorten führte, wird nicht thematisiert. Und eine über die Beschreibung des Status quo hinaus gehende kritische Auseinandersetzung mit der Behandlung der palästinensischen Flüchtlinge durch die umliegenden Staaten bis heute sucht man ebenso vergeblich wie Hinweise auf palästinensischen Terrorismus, arabische Vernichtungsdrohungen und iranische Endlösungsrethorik.

Die Unterzeichnenden fürchten, dass die unvollständige und missverständliche Darstellung der Ausstellung antiisraelischen und möglicherweise auch antisemitischen Tendenzen Vorschub leistet. Es gibt einen Zusammenhang zwischen Antizionismus, einseitiger Israelkritik und antisemitischen Stereotypen“, so die Stellungnahme von zahlreichen öffentlichen und offiziellen Vertretern aus Köln.

 

Daher hier in Kürze die Kritikpunkte von dem Autor Tilman Tarach sowie von Dr. Jacoby in Der Mythos Nakba (S.33) zusammengestellt:

• Palästinenser werden in der Ausstellung ausschließlich als Opfer und Israelis/Zionisten ausschließlich als Täter dargestellt. In diesem Kontext verfälscht und verschweigt die Ausstellung historische Ereignisse wie zum Beispiel die Ablehnung des UN-Teilungsbeschlusses und den Angriff arabischer Staaten auf Israel anlässlich der Proklamation der Unabhängigkeit.

• Im Jahr 1948 wurden zwei Flüchtlingsprobleme geschaffen, wobei das der 1 Million jüdischen Flüchtlinge von der Weltgemeinschaft nicht einmal anerkannt wurde und von Israel durch Integration der vertriebenen Juden aus den arabischen Staaten nach der Staatsgründung Israels gelöst wurde. Die jüdischen Flüchtlinge nach 1948 kommen in der Ausstellung durchgängig nicht vor.

• Die politischen Führer der Palästinenser hatten vor der Gründung des Staates Israel alle Versuche einer friedlichen Einigung abgelehnt. Im Gegenteil: sie hatten dazu aufgerufen „Die Juden ins Meer zu treiben“.

• Die Ausstellung lässt vollkommen außer Acht, dass es bereits seit 1920 und bis weit in die späten 30er-Jahre judenfeindliche Pogrome arabischer Kräfte gab, die Ausdruck eines verbreiteten Antisemitismus in der arabischen Gesellschaft des Mandatsgebiets waren. Ganz zu schweigen von dem als Hitler-Verehrter bekannten Großmufti von Jerusalem.

• Es wird in den Tafeln der Ausstellung wiederholt behauptet, dass es vor der Gründung Israels eine palästinensische Nation gegeben habe, deren Land durch die Balfour-Erklärung von 1917 jüdischen Einwanderern versprochen worden sei.

• Haarsträubend auch die Quellenarbeit: Dass ein Anlass zur Flucht der Araber auch »Aufrufe seitens der arabischen Führer« waren, sei widerlegt, liest man auf Tafel 5. Im Ausstellungskatalog wird als Beleg dafür das von Michael Wolffsohn und Friedrich Schreiber verfasste Werk Nahost. Geschichte und Struktur des Konflikts genannt. Dort jedoch findet sich im Gegenteil der Satz »Lokale Führer rieten zur Flucht, die – bis zum arabischen Endsieg – nur von kurzer Dauer sein sollte.« Lediglich an entsprechende Radioaufrufe von höchster Stelle glauben die Autoren nicht.

• Sie macht die jüdischen Einwanderer und späteren Israelis pauschal zu Landräubern und unklar motivierten feindseligen Zerstörern und verbannt den Charakter Israels als Lebensversicherung der Juden in parenthetische Fußnoten.

• Die Ausstellung zeichnet ein Bild der arabischen Bevölkerung als in der Gesamtheit friedliche agrarische Gesellschaft, die von Horden jüdischer Terroristen und Soldaten unschuldig überfallen, beraubt und massakriert worden sei.

• Die Flüchtlinge, um deren Wohl besorgt zu sein die Ausstellung suggeriert, leben heute in Libanon, Syrien und Jordanien, zum Teil unter schwierigsten Bedingungen. Die Flüchtlinge und ihre Nachkommen, die als einzige Flüchtlingsgruppe der Welt den Status von Flüchtlingen erben, werden bis heute nicht in die aufnehmenden Gesellschaften integriert und als Faustpfand gegen Israel benutzt, anstatt dass ihnen ein gutes und würdiges Leben erlaubt und ermöglicht würde.

 • Die Ausstellung kreiert einseitiges Bild von denen, die pauschal als „Opfer des Zionismus“ dargestellt werden, und vom Staat Israel, dessen Gründung insgesamt als moralisch verwerfliches Unternehmen gekennzeichnet wird, als Katastrophe für die arabischen Menschen, die im Mandatsgebiet lebten, alleine dadurch, dass es den Staat Israel gibt.

• Die arabischen Staatsbürgerinnen und Staatsbürger Israels genießen alle bürgerlichen und demokratischen Rechte sowie kulturelle Autonomie. In vielen israelischen Städten hat sich ein Miteinander jüdischer, muslimischer und christlicher Bewohnerinnen und Bewohner entwickelt.

• Darüber hinaus arbeitet der Verein „Flüchtlingskinder im Libanon e. V.“, der die „Nakba“- Ausstellung erarbeitet hat, im Libanon mit der Partnerorganisation „The National Institution of Social Care and Vocational Training“ zusammen. Diese Organisation leugnet auf ihrer Website die Existenz des Staates Israel und hat die „Befreiung Palästinas“ und des „besetzten Jerusalems“ zum Ziel.

• Gaza, so heißt es in der Ausstellung, komme »einem großen Gefängnis gleich, dessen Land-, Luft- und Seegrenzen von Israel kontrolliert werden«. Ein Blick auf die Landkarte hätte indes gezeigt, dass der Gazastreifen eine weitere Landgrenze hat: zu Ägypten, das insoweit auch die Kontrolle ausübt. Zudem gibt es eine begründete Blockade, die ausschließlich der Terrorbekämpfung dient.

• Die allseitige Kritik wird von den Verfechtern der Ausstellung zum Anlass genommen, sämtliche Individuen, Gruppen und Institutionen, die sich gegen die Nakba-Ausstellung aussprechen (DGB Frankfurt, Dietrich-Bonhoeffer-Kirche in Tübingen, verschiedene Arbeitsgemeinschaften der DIG, Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit, Hochschule für Jüdische Studien in Heidelberg, VVN-BdA, Stadt Köln etc.) pauschal als diskussionsunwillig, querulantisch und aggressiv herabzusetzen.

 • Der Ausstellung ist in den letzten Jahren mehrfach aufgrund ihrer frappierenden Einseitigkeit und Dämonisierung Israels der Zugang zu öffentlichen Ausstellungsorten verwehrt worden.

• Auf der anderen Seite finden sich in der Liste der Unterstützer der Ausstellung allerhand Personen, die für ihre Einseitigkeit und tiefe Antipathie gegenüber dem Staat Israel weithin bekannt sind, z. B. Norman Paech, Annette Groth, Norbert Blüm, Johan Galtung und Günter Grass. Norman Paech und Annette Groth sind gemeinsam mit islamistischen und rechtsgerichteten Aktivisten auf der Mavi Marmara mitgefahren, auf dem Schiff, das nach explizitem Bruch internationalen Rechts von der israelischen Armee geentert wurde.

• Die Inszenierung der InitiatorInnen als TabubrecherInnen – zusammen mit der groben Geschichtsklitterung der Ausstellung auf inhaltlicher Ebene –, kann als typisches Element eines modernen Antizionismus verstanden werden , der sich als widerständig und aufmüpfig inszeniert („Man muss doch auch mal sagen dürfen …“), tatsächlich aber eben ein Ressentiment gegen den jüdischen Staat Israel bedient und schürt, das immer noch tief verwurzelt und weit verbreitet ist.

 

Was also deutlich ist: zahlreiche öffentliche Ausstellungsorte haben erkannt, dass im unterstützenswerten Bemühen, eine ausgewogene Sicht auf Nahost zu vermitteln, diese Ausstellung in jeder Hinsicht das falsche Mittel ist.
Mögen sie nicht die letzten sein, die, wenn sie schon versäumt haben, vor der Kooperation mit der Ausstellung ihre Agenda zu prüfen, zumindest anschließend die Entscheidung überdenken.

 

Weitere Lesetips zur Nakba-Ausstellungskritik:

Aus dem Offenen Brief der Deutsch-Israelischen Gesellschaft Stuttgart an den Deutschen Evangelischen Kirchentag vom 12. April 2013: „Die Ausstellungsmacher scheuten sich auch nicht, Geschichten zu erfinden, wie die Stuttgarter Nachrichten vom 10.11.12 aufdeckten: >>In der Präsentation erzählt der fünf Jahre alte Mohammad aus dem Flüchtlingslager Al-Rashidiya im Südlibanon von Flucht und Vertreibung: „Mein Vater ist psychisch schwer krank und kann nicht arbeiten. Meine Eltern und wir sechs Kinder bekommen deshalb Lebensmittelpakete von der UNRWA“, sagt der Kleine. Unsere Zeitung wollte sich die Geschichte von Mohammad selbst erzählen lassen. Im Flüchtlingsdorf Al-Rashidiya unweit der Stadt Tyros erkannte keiner der Gesprächspartner den Jungen, der in der Ausstellung im roten Pullover lächelt.<<“

 

Stellungnahme der DIG München: „Diese Ausstellung mit ihrem geschichtsrevisionistischen Heimatvertriebenenkult ist weder ein Beitrag zur Friedenserziehung noch eine Hilfe für modern denkende Palästinenser. Wer die Minderheit der Juden im Nahen Osten als kollektive Verbrecherbande darstellt, präsentiert kein pädagogisches Konzept sondern legt den Grundstein für antisemitische Worte und Taten.“

 

Stellungnahme der DIG Bremen: Die Deutsch-Israelische Gesellschaft bedauert, dass eine solche Ausstellung in der Stadtbibliothek gezeigt wird. Sie wird in Bremen mit Begleitprogramm von der Gruppe organisiert, die 2011 vor Supermärkten zum Boykott israelischer Waren aufgerufen hat. SPD, CDU, Grüne und FDP haben damals diesen Boykottaufruf gemeinsam scharf verurteilt; die Initiatoren haben sich bis heute nie davon distanziert. Das allein hätte Grund genug sein sollen, sich an diesem Programm nicht zu beteiligen. Inhalt der Gegendarstellungs-Schautafeln der DIG BREMEN

 

 

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Die „Breaking the Silence“ (BtS)-Ausstellung

Gegründet im März 2004 ist BtS eine Gruppe von Soldaten gewesen, die in Hebron stationiert waren. Sie wollten angeblich zum innerisraelischen Dialog durch Einblicke in Handlungen von Soldaten in den Gebieten beitragen. Inzwischen ist es eine vor allem im Ausland aktive, von ausländischen Geldern finanzierte NGO, die anonym geführte Gespräche über vermeintliche Verbrechen im Namen der IDF protokollieren. Der SPIEGEL konnte sein Glück kaum fassen ob des gefundenen Fressens, dass die NGO BtS einen Bericht vorlegte, der alle gepflegten Bilder über willkürlich quälende, erniedrigende, mordende und vandalierende IDF-Soldaten, bestätigen zu schien. Parallel zu diesem Bericht gibt es auch eine Ausstellung, die derzeit in der Diskussion für die Stadt Köln ist, jedoch statt für 2015 für 2016 angesetzt wurde. Die Medien und diverse Kräfte in Köln unterstellen, Israel hätte die Ausstellung verhindert.

Zunächst daher sei festgehalten: verhindern will die Ausstellung keiner, auch wenn das im Fall von Köln behauptet wurde (SZ , KSTA ), Israels Botschaft unterstellend, die Stadt Köln in die Knie gezwungen zu haben, ihr gar ein Armutszeugnis ausstellend. Aber die Forderung und das Anliegen, die Sensibiliät zu schärfen, ob, wann, warum, in welchem Kontext die Ausstellung gezeigt werden solle, ist durchaus wichtig.
Dazu der israelische Botschafter Hadas-Handelsman im Interview:

„… Wir haben unsere Vorstellung über „Breaking the Silence“. Man darf dabei nicht vergessen, dass „Breaking the Silence“ eine israelische NGO ist und auch in Israel tätig ist. Das ist kein Problem. Das Problem mit der Ausstellung ist, dass sie nur einseitig die Probleme und Geschichte Israels vorstellt. Sie zeigen nur ein Teilbild Israels, und das ist leider schon eine Aussage. Wenn es Ungerechtigkeiten gibt, und leider gibt es sie wie in jedem Land, dann setzen wir uns damit auseinander. Vor zehn Jahren haben wir Gaza einseitig geräumt. Schimon Peres hatte zu dem Zeitpunkt gesagt, dass Gaza das „Singapur des Nahen Ostens“ werden könnte. Stattdessen hat es sich zu einem Drehkreuz des Terrorismus im Nahen Osten entwickelt. Knapp 20000 Raketen und Mörsergranaten wurden auf die israelische Zivilbevölkerung gefeuert. Und wenn wir reagieren, dann stellen wir sicher, mehr zu tun, als das Völkerrecht uns vorgibt, um unschuldige Oper zu vermeiden. „Breaking the Silence“ bezieht das nicht mit ein. Darüber hinaus, ist es auch möglich, sich in Israel zu beklagen. Wenn es Probleme gibt, kann man sich in Israel an eine Adresse wenden, und sich beschweren. Und das ist beispiellos in der demokratischen Welt, dass ein Staat sich immer wieder selbst in seinen Handlungen überprüft. …“

 

Interessant an der Causa BtS in Köln ist nicht nur, dass nicht nur vehement davon abgelenkt wird, dass die Ausstellung nicht verhindert sondern nur in einem anderen Themenkomplex als dem 50. deutsch-israelischen diplomatischen Jubiläum gezeigt werden sollte.

Interessant vor allem: es fragte wohl keiner, worin denn eigentlich die Kritik an der Ausstellung begründet liegt und ob sie nicht sogar gar gerechtfertigt sein könnte (#legitimeKritik).

 

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Was also ist das Problem mit „Breaking the Silence“?

 

Wie Anne Herzberg in Mouthpieces for Europe schreibt:

„… Ein signifikantes Problem ist, dass BtS Stammkunde mehrerer europäischer Regierungen ist. Mehr als 75% des Budgets der Organisation von 2010 EoZ-Poster_BtS– die letzten verfügbaren öffentlichen Dokumente – kam aus Geldquellen von Regierungen, unter dem Vorwand der Unterstützung von Menschenrechten und Demokratie.

Wie aber wiederholt von Vertretern von BtS betont wurde, „ist die politische Bedeutung der einzige Grund, das zu tun“. Innerhalb Israels ist die politische Agenda von BtS nicht illegitim, liegt aber am Rand. Aber Unterstützung durch Regierungen des Auslands für diese Agenda ist absurd.

Es ist unvorstellbar, dass irgendein europäisches Land eine Situation akzeptieren würde, in der eine andere demokratische Regierung Gelder für eine Organisation zur Verfügung stellt, deren oberstes Ziel darin beseht die bewaffneten Kräfte dieses Landes vor feindseligem Publikum zu demontieren.

Daher kann man sich kaum fragen, ob BtS ein genuiner Ausdruck israelischer Geisteshaltung ist oder ob seine Repräsentanten einfach als Sprachrohr von Europäern dienen. Wenn das Ziel „politisch“ ist, handelt es sich dann nicht um Subversion und Manipulation der israelischen Demokratie? Es ist gleichermaßen verstörend und beleidigend, dass europäische Offizielle für diese Fragen blind und taub zu sein scheinen.

Am schlimmsten ist: Die Spender aus Europa und des NIF bekommen für ihr Geld nichts. Wie NGO-Monitor dokumentiert hat, bestehen die Publikationen von BtS auf anekdotenhaften, anonymen und nicht verifizierbaren Darstellungen von Soldaten in untersten Diensträngen und basieren oft auf Hörensagen. Ein genaues Lesen ihrer „Zeugenaussagen“ zeigt, dass Fehlverhalten von der israelischen Armee bestraft wird, was eine der zentralen, politisierten Behauptungen von BtS aushöhlt.

Die Aktivitäten von BtS sind kontraproduktiv. Sie verstärken schlicht das Narrativ, bei dem die Israelis als einzige für den Konflikt verantwortlich und Palästinenser untadelige Opfer ohne Vertretung oder Verantwortung für die derzeitige Lage sind.

Wichtiger ist: BtS hat es geschafft die israelische Mainstream-Gesellschaft zu verprellen, während man gleichzeitig zum Publikum des Auslands abdriftete. BtS ist daher nichts außer einem Beispiel dafür, wie die Finanzierungspraktiken Europas und des NIF den Frieden nur noch schwerer erreichbar machen.“

 

 

Auch NGO-Monitors Recherchen zufolge ist BtS eine NGO, die behauptet, sich an ein israelisches Publikum zu wenden, doch wurde nun offen gelegt, dass umfangreiche europäische Finanzierung der Gruppe erlaubt, zahlreiche Veranstaltungen für internationales Publikum zu veranstalten. Diese Auslandsaktivitäten stehen in scharfem Widerspruch zum Auftrag der NGO „die israelische Öffentlichkeit den gewohnheitsmäßige Situationen des Alltagslebens in den besetzten Gebieten zu zeigen… die israelische Gesellschaft dazu zu drängen sich der Realität zu stellen, deren Schaffung sie ermöglicht hat“. Weiter zum übersetzten NGO-Beitrag zu den internationalen Aktivitäten von BtS auf heplev.

 

Insbesondere von NGO-Monitor ist BtS wie folgt genau untersucht worden:

•  As journalist Amos Harel noted in Ha’aretz (Gaza testimonies / Diverting the debate from the real issue, July 16, 2009):
“Breaking the Silence…has a clear political agenda, and can no longer be classed as a ‘human rights organization.’ Any organization whose website includes the claim by members to expose the ‘corruption which permeates the military system’ is not a neutral observer. The organization has a clear agenda: to expose the consequences of IDF troops serving in the West Bank and Gaza. This seems more of interest to its members than seeking justice for specific injustices.”

• In the introduction, BtS makes sweeping accusations based on anecdotal, anonymous, and unverifiable accounts of low-level soldiers.

• Only 30 of 183 testimonies could potentially be independently verified based on the details provided. (According to BtS, 101 individuals testified. It is unclear how many of them are responsible for multiple entries.)

• Responses to terror and legitimate security concerns are dismissed as pretenses to “punish, deter, or tighten control over the Palestinian population” and the “intimidation, instilling of fear, and indiscriminate punishment of the Palestinian population.”

• The incidents do not relate to decision-making in the army’s higher echelons, but rather refer entirely to allegations of low-level infractions. Many explicitly note that misconduct was opposed and punished by officers: “I have to point out that the officers were opposed to it, and they tried anyone who was involved in these things. There was a strong opposition.”

• Contrary to BtS’ claim that accusations of abuse are not discussed in Israeli society, alleged instances of Israeli army misconduct are widely reported in the Israeli media.

• Some of the testimonies suggest radical anti-Israel political motivations. One former soldier explained that he participates in “anti-Wall” demonstrations, and another referred to settlers as “the biggest Judeo-Nazis that I have met in my life.”

• The publishing of the compilation in English indicates that the intended audience for BtS’ distorted view is outside Israel. In the words of BtS’ Michael Manekin, “Really, the political significance is the only reason for doing it.” Most of the funding for BtS is provided by European governments.

 

In seinem Beitrag »Breaking the Silence«: Propaganda statt Aufklärung schreibt Alex Feuerherdt:

“ (…) In Israel gibt es schon länger Kritik an Breaking the Silence, nicht zuletzt deshalb, weil die Organisation sich beharrlich weigert, ihre Quellen offenzulegen. Die Äußerungen der Soldaten sind anonymisiert – um die Urheber nicht zu gefährden, wie BtS argumentiert. Anders sei es schlichtweg nicht möglich, an Aussagen zu kommen. Die Vereinigung beansprucht dabei das gleiche Recht auf Informantenschutz, wie es Journalisten zusteht. Allerdings ist sie gar nicht journalistisch tätig, sondern als politische Vereinigung aktiv. Hinzu kommt, dass israelische Behörden die Vorwürfe und Anschuldigungen von BtS nicht überprüfen können, wenn die Quellen anonym bleiben. Ein Gericht in Petah Tikva besteht deshalb darauf, die Identität eines Zeugen zu erfahren, der die Armee in einem BtS-Bericht beschuldigt, während der »Operation Protective Edge« im Gazastreifen vor zwei Jahren Kriegsverbrechen begangen zu haben.

Ein ausführlicher Beitrag in der israelischen Fernsehsendung HaMakor (»Die Quelle«), zu dem es in der Times of Israel eine längere Zusammenfassung gibt, erschüttert nun das höchste Gut, über das Breaking the Silence verfügt, nämlich die Glaubwürdigkeit – und das, obwohl die Autoren des Films mit dieser Organisation sympathisieren und daraus auch keinen Hehl machen. Wohl nicht zuletzt deshalb hatten sie ausnahmsweise Zugang zum Allerheiligsten von BtS bekommen, nämlich zu den Quellen. Zehn davon durften die Reporter nach dem Zufallsprinzip auswählen und überprüfen. Was sie herausfanden, wird in dem siebzigminütigen TV-Beitrag dargelegt – und ist für die Gruppierung ein schwerer Schlag: Zwei Zeugenaussagen erwiesen sich als rundweg falsch, zwei weitere stimmten nur teilweise – es fehlten entscheidende Details, zudem enthielten sie Übertreibungen oder irreführende Titel. Weitere vier Stellungnahmen konnten nicht verifiziert werden, obwohl HaMakor mit den Urhebern gesprochen hatte. Lediglich zwei Aussagen waren wahr und nicht irreführend.

Hinnehmen muss Breaking the Silence auch, dass sich die Behauptung der Vereinigung, es sei noch nie eine der von ihr vorgelegten Zeugenaussagen konkret bestritten worden, als unhaltbar erwiesen hat. Denn eine der zehn überprüften Stellungnahmen stammte vom PR-Koordinator der Gruppe, Nadav Weiman. Er hatte ausgesagt, im Zuge eines Einsatzes der israelischen Armee im Westjordanland Zeuge geworden zu sein, wie sein Zugführer Dor Hadad eine palästinensische Familie während einer Hausräumung in deren eigenem Badezimmer einsperren ließ. Dem widersprach Hadad allerdings entschieden: »Das hat mit der Wirklichkeit rein gar nichts zu tun. Es gibt einen festen Grundsatz, nach dem wir wirklich niemals eine Familie in ein Badezimmer stecken würden.«

Falsch ist dem Beitrag von HaMakor zufolge auch, dass jeder Vorfall, über den Breaking the Silence berichtet, zuvor von wenigstens zwei Zeugen unabhängig voneinander bestätigt worden ist. In mehreren der überprüften Aussagen konnten die Reporter jedenfalls keine solche Bestätigung finden. Raviv Drucker, ein linker Journalist und Mitbegründer von HaMakor, zeigte sich in dem Filmbeitrag dann auch enttäuscht vom dürftigen Niveau der Untersuchungen von BtS. Die Chefin von Breaking the Silence, Yuli Novak, rechtfertigte sich: »Wir sind keine Ermittlungsbehörde und behaupten auch nicht, eine zu sein«, sagte er. Wenn man allerdings bedenkt, dass die Berichte von BtS mit der Zustimmung dieser Organisation von vielen internationalen Untersuchungsinstanzen verwendet werden – beispielsweise von den Vereinten Nationen für den Goldstone- und den Schabas-Bericht –, dann mutet diese Äußerung doch reichlich fragwürdig an. (…)“

 

Audiatur-Online stellt mit Matti Friedman einen weiteren BtS-Experten vor, hier Auszüge aus:
Breaking the Silence – „Propaganda für den internationalen Konsum“

(…) Friedman, das ist erwähnenswert, rechnet sich selbst der politischen Linken zu. Doch er gehört nicht zu denjenigen, die von Selbsthass und Nihilismus getrieben sind; er will Israel verbessern, nicht zerstören. Das unterscheidet ihn von linken NGOs wie Breaking the Silence.

Als Friedman am 5. Mai auf seiner Facebookseite einen Kommentar zum neuen BtS-Bericht schrieb, wurde dieser schnell Hunderte Male geteilt. „Breaking the Silence wird als Organisation israelischer Veteranen dargestellt, die versuchen, Israelis zu zeigen, wie der Dienst in den besetzten Gebieten ist, um so eine politische Wirkung innerhalb der israelischen Gesellschaft zu erreichen“, schreibt Friedman. „Das war [Breaking the Silence] vor langer Zeit, und hatte damals eine wichtige Aufgabe. Heute aber ist es etwas anderes. Heute ist es, wie B’Tselem und andere, eine Gruppe, die zum grossen Teil mit europäischem Geld finanziert wird und vor allem dazu dient, internationale Reporter mit den reisserischen Beispielen israelischer Vergehen zu versorgen, nach denen sie lechzen. Sie sprechen nicht zu Israelis, sondern beuten stattdessen die einzigartig redselige und transparente Natur der Israelis aus, um diese zu verleumden.“

Die Geschäftsidee von Breaking the Silence – das als Erklärung für alle, die von dieser Organisation noch nicht gehört haben – besteht im Sammeln anonymer Zitate israelischer Soldaten (vor allem solche, in denen sich Soldaten in einer Weise über die israelische Armee äussern, die Israels Feinde für ihre Kriegspropaganda nutzen können). Friedman hält schon diese Vorgehensweise für falsch:

„Krieg ist schrecklich. Die Leute kommen zurück und sind erschüttert von dem, was sie gesehen und getan haben. Manche Beobachter sind verlässlich, andere nicht. Einige der Vorkommnisse haben sich zweifellos wie beschrieben zugetragen. Andere nicht. Infanteristen, die am Ende der Befehlskette stehen, verstehen oft nicht, was sie sehen, oder die Gründe für das, was sie tun – ich spreche hier aus Erfahrung. Dinge, die für einen Gefreiten, einen Unteroffizier oder Leutnant keinen Sinn ergeben, ergeben manchmal (keineswegs immer) mehr Sinn, wenn man in der Befehlskette ein paar Stufen höher steht. Junge Soldaten verstehen das meist nicht – ganz sicher nicht in dem Augenblick selbst und unmittelbar danach.“

So könne beispielsweise der Befehl, das Feuer zu eröffnen, einem Soldaten als „zu aggressiv“ erscheinen, weil er nicht weiss, wo er sich gerade befindet.

„Wenn du alle Informationen darüber hättest – und die hat ein Soldat nie –, würdest du vielleicht verstehen, warum. Ein Ziel, welches aus Gründen beschossen wird, die dir unbekannt sind, kann aus gutem Grund beschossen werden. Oder auch nicht. Du weisst es nicht, und in vielen Fällen (nicht in allen) ist es ein Irrtum zu glauben, du kenntest die Gründe.“ Aus derartigen „Zeugenaussagen“ allgemeine Schlussfolgerungen über die Praktiken des israelischen Militärs zu ziehen, sei „unverantwortlich“, so Friedman. (…)

Die Frage, die sich jeder stellt, der hört, dass jemand Anklage gegen eine kriegführende Partei erhebt, lautet: Welche Verbrechen hat sie begangen? Ausgerechnet in diesem Punkt hat Breaking the Silence wenig zu bieten. Friedman:

“Wir stossen auf gutes Benehmen, schlechtes Benehmen, und zwei oder drei Fälle, die nach einer strafrechtlichen Ermittlung verlangen. Einer davon, wo ein Soldat erzählt, wie er mit seinem Panzer ohne jeden Grund auf zivile Fahrzeuge und einen Fahrradfahrer schiesst, sollte eine lange Gefängnisstrafe nach sich ziehen – wenn er denn wahr ist. Dieser Vorfall kommt mir nämlich unglaubwürdiger vor als jeder der anderen; nicht, weil ich daran zweifle, dass ein Teenager-Soldat zu gedankenloser Grausamkeit fähig ist, sondern weil es unwahrscheinlich ist, dass ein Panzerschütze mehrere Granaten und Maschinengewehrsalven auf ein leichtes Ziel abfeuern und dieses jedes Mal verfehlen kann, wie er behauptet. Selbst in diesem Fall also wird nicht davon berichtet, dass jemand getötet wurde. Tatsächlich gibt es in dem gesamten Bericht keine Vergewaltigungen, Massaker oder irgendetwas Ähnliches, oder auch nur einen einzigen Fall, bei dem ein Zivilist unter Umständen erschossen wurde, die nicht entweder als berechtigt verteidigt werden können oder als ein legitimer Irrtum auf einem Schlachtfeld, wo selbst eine Grossmutter ein Selbstmordbomber sein könnte (wie es 2006 schon passiert ist).“

Friedmans Fazit: „Die Aktivisten von Breaking the Silence sind keine Journalisten, und ihr Report beabsichtigt nicht zu erklären, sondern zu schockieren. Er ist Propaganda.“ Zeitungen verkaufen ihren Lesern diese Propaganda als Fakten, obwohl erkennbar ist, dass sie nicht einmal journalistischen Mindeststandards genügt.

Friedman kritisiert etwa die dubios zu nennenden anonymen Quellen: „Als Reporter könntest du es dir nicht erlauben, rein anonyme Aussagen zu veröffentlichen, die du gesammelt hast; aber es gehört zu den Eigenheiten des Israel-Journalismus, dass es einem erlaubt ist, anonymes Material zu benutzen, das eine politische NGO für dich zusammengestellt hat.“ Auch am Wissen über Fakten und die korrekten Begriffe hapere es, so Friedman: „Die Begriffe Mörser und Artillerie werden verwechselt (im israelischen Militär sind dies zwei Waffengattungen, die von unterschiedlichen Einheiten benutzt werden), ebenso Zug und Division. Einer der Redakteure glaubt, ein M16-Gewehr sei eine Waffe, die auf einen Panzer montiert wird.“

Statt der in Aussicht gestellten brisanten Fakten gibt es effekthascherische Überschriften: „Nachdem der Bericht versprochen hat, das Geheimnis der in Gaza getöteten Zivilisten zu lüften – in Form systematischer israelischer Verbrechen –, und nachdem, mit dieser Absicht im Kopf, aus viel längeren Interviews die am stärksten inkriminierenden Passagen ausgewählt wurden, bleibt der Bericht die Einlösung des Versprechens schuldig. Das ist vielleicht der Grund, warum die Aktivistenredakteure von Breaking the Silence die Leser nicht ihr eigenes Urteil fällen lassen wollten, sondern sich statt dessen bemüssigt fühlten, eine hitzige Einleitung voranzustellen, in der sie ankündigen, dass ihr Bericht das wahre Gesicht der Gazaoperation ,blossstelle’ – nämlich die ,verstörende’ und ,beispiellose’ Gewalt, die das israelische Militär gegen Zivilisten eingesetzt haben soll. Das ist wohl auch der Grund, warum über jeder Aussage eine Schlagzeile steht wie: ,Wenn du jemanden in Gaza erschiesst, ist das cool, keine grosse Sache’ oder: ,Die Typen waren schiesswütig, total verrückt’.“

Hart geht Friedman mit Journalisten ins Gericht, die auf solch dünner Faktenbasis moralische Urteile fällen: „Um eine Story zu haben, suggerieren die Journalisten, dass Israels Gefechtsregeln in Gaza ,locker’ gewesen seien, ohne sie mit denen irgendeiner anderen Armee zu vergleichen; gleichfalls wird gesagt, die Zahl der zivilen Opfer sei ,hoch’ gewesen, auch hier wieder ohne sie mit irgendeinem anderen Konflikt zu vergleichen.“ Ein Journalist der „Washington Post“ habe zwar pflichtschuldig bemerkt, dass die Behauptungen von Breaking the Silence „unmöglich zu überprüfen“ seien – und damit ein Lippenbekenntnis zu journalistischen Verhaltenskodizes abgelegt –, sie dann aber doch wie die reine Wahrheit behandelt, so Friedman.

Er glaubt nicht, dass die israelischen Soldaten, die die Kommentare gaben, wussten, mit wem sie es zu tun hatten, und wofür ihre Zitate benutzt werden würden. „Ich kann sie nicht fragen, weil keiner von ihnen namentlich genannt wird. Aber als jemand, der viele Soldaten kennt, die im Krieg waren, als jemand, der selbst als Soldat im Krieg war, der immer noch als Soldat in einer Reserveeinheit dient, und der sowohl als Soldat als auch als Zivilist Kritik an der Armee gehört und geäussert hat, bin ich bereit, darauf zu wetten, dass die Antwort in den meisten Fällen nein lautet: Diese Soldaten haben nicht völlig begriffen, mit wem sie geredet oder bei was sie mitgewirkt haben.“

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Wer bezahlt BtS?

Vor allem Europa.  Und internationale NGOs. Und auch Deutschland, und zwar mit Mitteln des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) durch MISEREOR, wie der Bericht von NGO-Monitor belegt:

• MISEREOR is the aid framework of the Catholic Church in Germany, and a member of CIDSE, a network of Catholic aid organizations. The organization claims to “work with a host of domestic partners to provide assistance against poverty and political suppression.”

• MISEREOR’s 2012 annual budget was €182.7 million, of which Germany’s Federal Ministry for Economic Cooperation and Development (BMZ) granted €113.8 million.

• Government advocacy is a central goal of Misereor. The organization “aims to influence public opinion and policymaking. Political education, the exchange of experiences and networking are key elements of this work. This is how Misereor helps enable its partners and the beneficiaries to overcome structural injustices … appeal[ing] to the consciences of the powerful in Europe.”

• Misereor supported and promoted Breaking the Silence’s (BtS) “Testimonies of a crew” exhibit in Berlin. BtS has been active in promoting war crimes charges against Israel after the 2009 Gaza war, despite the fact that the charges were based on anonymous and unverifiable hearsay “testimonies.” BtS has also encountered criticism for its international exhibitions such as the Misereor-sponsored exhibit; critics argue that BtS abandons its stated mission of changing Israeli society from within by focusing on international lobbying and advocacy.

• MISEROR sponsored BtS as follows in the years 2010, 2011 and 2012: NIS 157,017 (2012), NIS 245,713 (2011), NIS 119,868 (2010)

 

Breaking the Silence wird darüber hinaus von weiteren Organisationen finanziert. Zu den wichtigen Spendern gehören die Königliche norwegische Botschaft, die Europäische Union, mehrere europäische katholische Organisationen, darunter die flämische Broderiljk Delen, George Soros Open Society und eine Reihe Organisationen, die vom linksextremen New Israel Fund finanziert werden.
Hier die gesamte Funding-Übersicht.

 

Donor 2013 2014
European Union 422,566 134,959
Misereor (Germany) 333,139 105,546
Broederlijk Delen (Belgium) 270,024 150,667
Norwegian Embassy 248,823 165,150
AECID (Spain) 177,660 117,416
ICCO (Netherlands) 147,325
Dan Church Aid (Denmark) 125,594 87,941
Human Rights and International Law Secretariat (joint funding from Sweden, Switzerland, Denmark and the Netherlands) 137,040
Medico International (Germany) 50,673
CCFD (France) 47,258
SIVMO (Netherlands) 46,924
Sigrid Rausing Trust (UK) 157,150
Foundation for Middle East Peace 36,185
Open Society Institute 135,740
Rockefeller Brothers Fund 155,980
New Israel Fund 72, 025

 

 

“ (…) Kaum hinterfragt worden ist bislang zudem, warum Breaking the Silence entgegen dem eigenen Anspruch, den israelischen Diskurs zu beeinflussen, in erheblichem Maßeaußerhalb des Landes unterwegs und aktiv ist. »Weil die israelische Besatzung keine interne israelische Angelegenheit ist«, sagt BtS dazu. Tatsache ist allerdings auch, dass zwei der vier Gründer die Gruppe nur wenige Monate nach deren Entstehung im Jahr 2004 wieder verließen – ihnen gefiel die Hinwendung zu einem nichtisraelischen Publikum nicht. »Wenn man im Ausland spricht, geht das mit Geld von dort einher«, sagte einer von ihnen zu den Reportern von HaMakor. Es gebe einen Zusammenhang zwischen den internationalen Aktivitäten von BtS und den steigenden Einnahmen – und damit auch eine Abhängigkeit von den Finanziers.

Dieser Zusammenhang lässt sich in Zahlen ausdrücken: Laut NGO Monitor – diese Organisation wertet die Daten der zuständigen israelischen Registrierungsstelle für Non-Profit-Organisationen regelmäßig aus – stammen 65 Prozent der Zuwendungen, die Breaking the Silence zwischen 2012 und 2014 erhalten hat, aus Europa, das heißt, von europäischen Regierungen oder von Organisationen, die mindestens teilweise vom Staat finanziert werden. Zwischen 2012 und 2015 überwies beispielsweise die Europäische Union zusammengerechnet rund 270.000 Euro an BtS, von der norwegischen Regierung gab es in diesem Zeitraum etwa 130.000 Euro, vom deutschen katholischen Hilfswerk Misereor 225.000 Euro. Für ein Projekt mit dem bodenlosen Titel »Erziehung zum Wechsel: Menschenrechtserziehung in der israelischen Gesellschaft«, das von 2015 bis 2017 laufen soll, hat die EU zudem weitere 236.000 Euro bewilligt. Insgesamt belaufen sich die Einnahmen, die Breaking the Silencezwischen 2012 und 2016 auf direktem oder indirektem Weg von ausländischen Regierungen erhalten hat, auf über 1,5 Millionen Euro.

Mit diesen üppigen Geldern wird eine Organisation finanziert, der es keineswegs nur um eine Kritik der israelischen Politik gegenüber den Palästinensern zu tun ist, sondern die den jüdischen Staat dämonisiert und dabei nicht nur zweifelhafte Zeugenaussagen präsentiert, sondern selbst vor mancher Räuberpistole nicht zurückschreckt. So behauptete beispielsweise Yehuda Shaul, einer der führenden Köpfe von BtS, dass Siedler das Trinkwasser einer palästinensischen Ortschaft im Westjordanland mit Kadavern von Hühnern vergiftet hätten, weshalb die Bevölkerung für mehrere Jahre evakuiert worden sei und erst kürzlich habe zurückkehren können. An der Geschichte stimmt nachweislich nichts, was arabische und palästinensische Medien allerdings nicht davon abhielt, sie aufzugreifen und zu verbreiteten. Das palästinensische Außenministerium entwickelte sie sogar weiter und behauptete im Juni dieses Jahres in einem Kommuniqué, es gebe einen Rabbi namens Shlomo Melamed, der dem Rat der Rabbiner im Westjordanland vorstehe und den Siedlern die Erlaubnis gegeben habe, das palästinensische Trinkwasser zu vergiften.

Das wiederum nahm Mahmud Abbas zum Anlass, zu sagen: »Bestimmte Rabbis in Israel haben ihre Regierung sehr klar dazu aufgefordert, unser Wasser zu vergiften, um Palästinenser zu töten. Ist das nicht eine eindeutige Anstiftung zum Massenmord gegen das palästinensische Volk?« Diese Sätze – mit denen er die alte antisemitische Legende von den brunnenvergiftenden Juden wiederkäute – sprach der Präsident der Palästinensischen Autonomiebehörde Ende Juni vor dem Europäischen Parlament. Dafür erntete er von den Abgeordneten nicht etwa deutliche Kritik, sondern im Gegenteil viel Applaus. Mehr noch: Der Präsident des EU-Parlaments, Martin Schulz,twitterte anschließend sogar, er habe Abbas‘ Ansprache »inspiring« gefunden, also »anregend«. Breaking the Silence bestritt zwar, an der Lüge beteiligt gewesen zu sein. Doch wenn man bedenkt, wie sie zustande gekommen ist, kann man die Organisation vom Vorwurf der Mitschuld nicht freisprechen.

In seinem Beitrag für die Times of Israel über den HaMakor-Film schreibt Matan Katzman, Breaking the Silence müsse dringend an seinen Untersuchungen und seiner Glaubwürdigkeit arbeiten, wenn die Öffentlichkeit die von dieser Vereinigung vorgelegten Zeugenaussagen und Berichte ernst nehmen solle. »Bis es so weit ist, sollten die Veröffentlichungen von BtS als das bezeichnet werden, was sie sind: Propaganda.« Dass auch die »Israelkritiker« in Europa zu dieser Einsicht gelangen – und dass es Konsequenzen hinsichtlich der Finanzierung aus Europa gibt –, darf man gleichwohl bezweifeln. Und das, obwohl die Beweislage seit dem Filmbeitrag vonHaMakor eindeutiger ist denn je.“, so Alex Feuerherdt in seinem Beitrag »Breaking the Silence«: Propaganda statt Aufklärung.

 

 

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Breaking the Silence – Weitere Artikel:

 

 

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Alternativen?

 

Gibt es denn eigentlich ein Äquivalent – wie etwa Hamas-Aussteiger, die über die Gräueltaten der Hamas berichten?
Wohl kaum, wären diese wohl längst nicht mehr am Leben oder repräsentierten ohnehin eine Terrororganisation, deren Raison d’etre eben diese Gräueltaten gegen Zivilisten sind.

Und gibt es Gegenbeispiele, die die BtS-Aussagen entwerten? Ja!

Ein Beispiel einer Zeugenaussage von „Breaking the Silence“

oder Beispiele aus der Initiative unter dem Hashtag #האמת_שלי (Hebräisch für #My_Truth / #meine_Wahrheit)

1: Soldat beschreibt, wie unmoralisch die Hamas ist
2: Ein weiterer IDF-Soldat äußert sich
3: Noch ein IDF-Soldat äußert sich
4: Matan Katzman

 

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Causa BtS in Köln

Es gilt auch für BtS: Ja, klar darf man die Ausstellung zeigen, aber man MUSS nicht!

Joining the Choir (Alex Feuerherdt)

Köln erbricht sich (Tapfer im Nirgendwo)

Ausstellung passt nicht zum Jubiläum In Köln soll ausgerechnet zur Würdigung der deutsch-israelischen Beziehungen die Zahal angeprangert werden – von Abraham Lehrer

„Gerade in Deutschland hätte man sensibler sein können“Israelischer Botschafter Hadas-Handelsman zu „Breaking the Silence“

 

 

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Und dann war da ja noch…

Die „Kölner Klagemauer“

War es eine Ausstellung? Eine Galerie? Ein Info-Stand? Eine Demo? Eine Installation? Gar Kunst? Nach was sieht es denn aus?

Was sich dort tatsächlich täglich abspielte beschrieb am Besten der Tapfere Schauspieler und Blogger Geerd Buurman im Nirgendwo, der seit ihres Bestehens versuchte, gegen die Installation vorzugehen.

Inzwischen ist Walter Herrmann gestorben und mit ihm die Klagemauer, zumindest die Kölner – aber auch Amsterdam hat solch eine Demo-Installation des Israelhasses.

 

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Israel-Ausstellungen?

Gibt es auch Israel-Ausstellungen, die diesen Hass-Schauen ein Gegengewicht anbieten? Beziehungsweise – warum gibt es keine?

Man könnte es sich einfach machen und eine Ausstellung zum Thema „Die Kinder der Hamas“ kreieren, indem man eine einfache Google-Bilder-Suche „Hamas Kinder“ vornimmt und die Bilder großflächig aufzieht. Sagt das dem Betrachter nicht schon alles darüber, wer Israels Gegenüber ist? Wer tatsächlich die Zukunft der palästinensischen Kinder auf dem Gewissen hat?

Man könnte es sich einfach machen und eine Ausstellung zu den vertriebenen jüdischen Flüchtlingen aus arabischen Ländern konzipieren (Google-Bilder-Suche „Forgotten Jewish refugees“).
Die darin relevanten Fragen könnten sein, weshalb die internationale Gemeinschaft diese weder anerkennt, noch für sie eine UN-Agentur exklusiv gegründet wurde, sich der Flüchtlingsstatus nicht ewig vererbt und wo die Kompensationen für den Verlust der Flüchtlinge bleiben. Das jüdische Flüchtlingsproblem aus arabischen Staaten interessiert aber niemanden.

Oder wie wäre es damit als Ausstellung: „Selbstmordattentate gegen Israel“? Nein? Zu offensichtlich, weshalb Israel vielleicht doch das Recht und die Pflicht hat, sich zu wehren? Ganz zu schweigen von der vielfältigen Rolle der IDF in einem sich verteidigenden Rechtsstaat – wer will das schon wissen.

Also. Diese Ausstellungen könnte es geben, gibt es aber nicht. Die israelische oder wie auch immer pro-israelische Seite zeigt nunmal nicht mit dem Finger auf die Feinde Israels, der Öffentlichkeit sämtliche Verbrechen, Gräueltaten und Verfehlungen der Nachbarn mit Ausstellungen unter die Nase reibend, sondern bemüht sich in erster Hinsicht darum, Israel überhaupt erstmal dem Zuschauer nahezubringen, in all seinen Facetten der Gesellschaft, des Landes, der Architektur, der Kultur und Geschichte.

Das steht im Kontrast zu den o.g. Ausstellungen: Dem Betrachter wird in den Ausstellungen ein von jedem Kontext befreites und verzerrtes und unwahres Schreckensbild eines enthemmten mörderischen Staates namens Israel präsentiert. Kommt hinzu, dass die Initiatoren und Veranstalter der teils wochenlang gezeigten Ausstellungen weder die Intention eines tatsächlichen und ausgewogenen Diskurses haben, noch ausreichend Raum für abweichende Darstellungen einräumen.

Bleibt: Israel sitzt auf der Anklagebank ohne die Möglichkeit zur maßgeschneiderten Replik auf jeden einzelnen Vorwurf, schon gar nicht plakativ auf Ausstellungspanels gezogen. Ausstellungen, die sich mit diesen spezifischen oder anderen Konfliktthemen beschäftigen, sucht man vergebens. Alles was es gibt, sind diese Gegendarstellungs-Schautafeln der DIG BREMEN zur Nakba-Ausstellung, Diskurs anbietend, doch nicht notwendiger Weise gehört werdend.

 

 

Ausstellungen „Israel beyond the conflict“

Was es aber gibt, völlig ungeeignet, einen Gegenpol zu „Nakba“ und „BtS“ darzustellen, sind Ausstellungen zu Israel, die Erwartungen des Zuschauers nur gerecht werden, wenn er etwas anderes über Israel erfahren möchte als das so gern verbreitete Bild des meuchelmordenden Juden:

Die Ausstellung des KKL: Geschichte des Grünen Israel

Die Ausstellung „Frauen in der IDF“

Die Ausstellungen Insight: Micha Bar-Am’s Israel, 60 Jahre Pressefotografie aus Israel – Paul Goldman und David Rubinger, Boris Carmi – Fotografien aus Israel

Die Ausstellungen der israelischen Botschaft zu Land, Leute, Kibbutz, Architektur, Mashav u.a…

Die Ausstellung „Israel. Normalität eines Landes“

Die Ausstellung Rudi Weissenstein: Ihr glücklichen Augen“ (Video)

Die Ausstellung Israelis und Deutsche 

 

Fehlen welche?

Veröffentlicht am Juni 19, 2015, in Antisemitismus, Delegitimierung Israels, Israelkritik, NGOs, Palästinenser. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 5 Kommentare.

  1. Zwar gibt es schon Artikel und Broschüren zur NAKBA-Ausstellung, doch sind sie entweder nur in Englisch verfasst oder eher etwas für historisch besonders versierte Zeitgenossen. Der E-Mail-Verkehr mit einem der führenden Befürworter, ja Wegbereiter der Ausstellung drängte mich schließlich dazu, dem Lügengebäude, welches er mit seinen pro-palästinensischen Freunden nun sogar schon im Straßburger EU-Parlament und zuletzt sogar der UNO aufgerichtet hatte, diese kritische Bewertung gegenüber zu stellen.

    http://www.joachim-kretschmann.de/app/download/8108096484/K%C3%B6nnen+Tapeten+l%C3%BCgen.pdf?t=1433432162

  2. Diese Ausstellung fördert künftige Terroranschläge an jüdischen Zivilisten in Israel und im Ausland. Durch den Verrat und durch die Lügen der BtS fühlen sich palästinensische Araber ermutigt Juden und Israelis anzugreifen. Mitschuldig ist auch die jüdische Palästinenserlobby, die in der Schweiz von einer üblen Gruppe von Tinnefjuden unterstützt wird, unter der Führung von einem unbedarften, Omega-Männchen, dem bewährten Hofjuden der antisemitischen Medico. Sogar der NIF Schweiz hat sich entblödet für diese anti-israelische Gruppe von Verrätern zu werben, pfui.

    In Deutschland ist es eine Gruppe von krankhaft selbsthassenden „Juden“, „European Jews for a Just Peace“, im Dienste des palästinensischen Terrors.

    Dass Deutschland gegenüber dieser verlogenen und krankhaft selbsthassenden Juden und Israelis einknickt ist für mich ein Rätsel. Es sind nur wenige Dutzend Israelis. Ich hoffe, sie werden für ihre Verleumdungen und Lügen zur Verantwortung gezogen.

  1. Pingback: Stoff für’s Hirn | abseits vom mainstream - heplev

  2. Pingback: Breaking the Silence: Faktencheck « Ampelmännchen und Todesschüsse

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