Momentaufnahme: Antisemitismus in Deutschland II

zuletzt aktualisiert: 31.01.2015

 

Eine neue, ehrliche, selbstkritische Antisemitismusdebatte tut dringend not, ohne blinde Flecken in Bezug auf die verschiedenen Facetten des aktuellen Judenhasses und ohne semantische Spitzfindigkeiten.

In der zurückliegenden Momentaufnahme: Antisemitismus in Deutschland I vom 31. Januar 2012 ist der Antisemitismus und Antiisraelismus, ehemals Randphänomen, als verbreitetes Phänomen des Mainstream und der Elite der heutigen Gesellschaft vorgestellt worden.

Zweieinhalb Jahre später, nachdem die Krokodilstränen auf die Ergebnisse der damaligen Studien getrocknet und die mahnenden Sonntags- und Gedenkreden verklungen sind, wurden nicht etwa ein sensiblerer Umgang, eine größere Wachsamkeit, pädagogische Konzepte oder Identifizierungs- und Abwehrstrategien innerhalb der Öffentlichkeit, der Redaktionsstuben, Parlamente oder in Schulen etabliert, sondern es scheint gar das Gegenteil der Fall.

Als seien die damaligen Studien und die damals strohfeuerartig entflammte Debatte eine Art „Anleitung zum politisch korrekten Antisemitismus“ gewesen, kaschiert als „Israelkritik für Fortgeschrittene“, brechen seither sämtliche Dämme des Erträglichen, plötzlich noch lauter allerdings übertönt von den Hassdemonstrationen des Sommeralbtraums 2014.

Denn von den Hass-Demonstrationen bis zu der grenzüberschreitenden Israel-Dämonisierung in Politik und Medien versteckt sich derzeit der blanke Antisemitismus, Antizionismus und Antiisraelismus – selbstentlastend jedoch als Kritik an der Operation Schutzlinie.

Losgelöst davon allerdings gibt es einige andere recht aktuelle Beiträge zur wieder in den Dornröschenschlaf versunkenen Antisemitismusdebatte, die durchaus wahrnehmenswert sind und in dieser Kollektion vorgestellt werden.
Verwiesen werden soll an dieser Stelle auch auf die Redebeiträge auf den Pro-Israel-Demonstrationen und Kundgebungen gegen Antisemitismus, die am Ende dieser Kollektion dokumentiert sind.
Alle in naher Zukunft herausgegebenen Studien, Umfragen und Debattenbeiträge werden dann im Laufe ihrer Publikation, sofern lesenswert, ebenfalls in dieser Kollektion eingearbeitet bzw. findet sich die erste von der FES vom 20.11.2014 in lesbar.

 

Einleitung

Anlass für diese Kollektion ist neben der europaweiten Entwicklung einer unter Unangenehme Wahrheit aufgestellten Übersicht der Hassgewalt der letzten Monate, durch die Juden und Synagogen in Paris, Brüssel, Oslo, Dänemark ermordet oder angegriffen werden, auch die gefährlicher werdende Stimmung in Deutschland – für Israelis, Israel-Unterstützer und Juden.

Ganz aktuell – November 2014 – reißt die Hassgewalt nicht ab:

Berlin – Touristin telefoniert auf Hebräisch und wird angegriffen

Antwerpen – Rabbiner auf offener Straße niedergestochen

Jüdischer Schülersprecher in Offenbach tritt werden antisemitischer Anfeindungen und Morddrohungen zurück

Hitlergruß an Landsberger Gymnasium – gar ein Hitler-Fanclub?

Feuerbombe auf kosheres Restaurant, Angriff auf jüdischen Jugendlichen in Paris

Israelischer Tourist in Berlin zusammengeschlagen

 

Und wie Gideon Boess zum Urteil der Generalstaatsanwaltschaft Koblenz schreibt, das entschieden hat, dass keine strafrechtlichen Konsequenzen zu fürchten hat, wer auf Demonstrationen zum Mord an Juden aufruft: „Vor das Gedenken hat Gott den Völkermord gesetzt. Deutschland hat sich in beiden Disziplinen vorbildliche Noten verdient. Kein Land gedenkt so gewissenhaft, mit so viel Ernst und Ausdauer. Und kein Land hat davor so gewissenhaft, mit so viel Ernst und Ausdauer Juden erschossen, erschlagen und vergast. Deutschland weiß, was Antisemitismus ist, sollte man meinen. Und trotzdem stellen sich deutsche Juristen heute an, als ob sie vom Judenhass noch nie etwas gehört haben. (…) In Mainz war genau das passiert, Demonstranten riefen neben „Tod Israel“ unter anderem auch „Juden raus“, weswegen es zu Strafanzeigen kam. Doch die Juristen wiesen darauf hin, dass „Kritik an einem ausländischen Staat“ nicht „unter den Straftatbestand der Volksverhetzung fällt“. Ist „Juden raus“ wirklich Kritik an einem ausländischen Staat?“

 

Ein erstes Urteil zur Volkverhetzung mit symbolischer Strafe folgte im Januar 2015, wie die Ruhrbarone dokumentieren:
„Am 18. Juli 2014 fand in Essen eine große Kundgebung gegen Israel statt. Zu der Kundgebung aufgerufen hatte “Solid”, die Jugendorganisation der Linkspartei. Angemeldet hatte Niema Movassat, Bundestagsabgeordneter der Linken. Nach dem Ende der Kundgebung kam es zu antisemitischen Ausschreitungen in der Essener Innenstadt. An der Kundgebung nahm auch Taylan C. aus Gelsenkirchen teil. Im Sommer 2014 hatte er verschiedene Demonstrationen gegen Israel organisiert, bei denen es auch Zwischenfälle gab (zum Beispiel in Gelsenkirchen und Hagen). Heute stand Taylan C. wegen einem Vorfall bei der Demonstration in Essen vor Gericht. Mit der Parole “Tod und Hass den Zionisten” stachelte er den Mob auf. Die Staatsanwaltschaft Essen sah darin einen Tatbestand der Volksverhetzung nach §130 des Strafgesetzbuches. Der Angeklagte, der sich selbst verteidigte, leugnete diese Aussage nicht und sah in ihr kein Problem. Im Gegenteil erklärte er, die Zionisten hätten einen schlechten Einfluss auf die Gesellschaft und er habe ihnen “Gottes Strafe”, den Tod, gewünscht.
Die Richterin am Essener Amtsgericht folgte der Forderung der Staatsanwaltschaft, und verurteilte Taylan C. zu einer dreimonatigen Haftstrafe, die zur Bewährung ausgesetzt wurde. Außerdem muss er eine Geldbuße in Höhe von 200€ zahlen.
Bemerkenswert am Urteil ist, dass Richterin Sastry die Parole gegen Zionisten als antisemitischen Code bewertete. Sie erklärte, im modernen Antisemitismus werde oft von Zionisten gesprochen, wenn Juden im Allgemein gemeint seien. Sollte sich diese Rechtsauffassung durchsetzen, brächen schlechte Zeiten für Antisemiten an. Am Ende der Verhandlung kündigte Taylan C. an, gegen das Urteil Widerspruch einzulegen. (…)“

 

Der antisemitische Mob schreit dieser Tage in Deutschland nun zwar nach Auflagen nicht mehr „Juden ins Gas“ sondern allgemeinverträglich „Israel vergasen“ und Anschläge auf nicht nur Synagogen sondern auf Juden sind in Europa Ausdrucksmittel der aufbordenden Hass-, Hetz- und Progromstimmung, die als überemonationale aber nachvollziehbare Israelkritik deklariert werden. Ralph Giordano weiss aufgrund eines fast hundertjährigen Lebens Auge in Auge mit den Facetten des Antisemitismus und seinen Abarten seit Israels Bestehen, wovon er spricht, wenn er anklagt Europa, Deine Heuchler!

Für die fällige Wiederaufnahme der Antisemitismusdebatte werden, neben mahnenden und verurteilenden Stellungnahmen und Aufrufen zuvorderst von Politik (AM Steinmeier: Antisemitismus ist Gift für jede demokratische Gesellschaft) und Medien, vor allem neue Umfragen und Statistiken, Studien und Analysen zum Antisemitismus und Antizionismus und Antiisraelismus in der Öffentlichkeit, in der Migrationsgesellschaft, in der Politik und den Medien, erhoben werden und zu erwarten sein.

Ebenso Anlass ist die Medienberichterstattung und der obligatorische Abmahnungsreflex der internationalen Gemeinschaft gegenüber Israel anlässlich und im weiteren Verlauf der Entwicklungen nach der Entführung und Ermordung von #EyalGiladNaftali und der Operation Schutzlinie. Um einen umfassenden Eindruck zu erhalten, bitte die entsprechenden ausführlichen Blogbeiträge mitsamt zahlreichen Beispielen konsultieren.

Demnach ist auch die ein oder andere Medienanalyse im Nachgang an diesen Sommer geboten, denn angesichts der Berichterstattung zur Operation Schutzlinie sind zu oft und zu weit die Grenzen des Akzeptierbaren überschritten worden.

Wie Botschafter Yakov Hadas-Handelsman im Nachgang an die Geschehnisse dieses Sommers in TheEuropean erläutert: Jeder kann Antisemit sein. Diese Erkenntnis basiert zugleich jedoch nicht auf den Zigtausenden Hassmails an die Botschaft Betreff: Judenhass

 

Deutschland steht gerade jetzt, kurz vor dem 50. Jubiläum der deutsch-israelischen diplomatischen Beziehungen, in der Verantwortung, ein Krisenmanagement zu entwickeln, um vorzubeugen, dass die bilateralen Beziehungen in Zukunft nicht durch die stetige und wachsende „Israelkritik“ sabotiert und zerstört werden, gegen die sie derzeit zumindest noch relativ immun zu sein scheinen. Obwohl bzw. trotzdem es eine Offene-Brief-Plage gibt.

Doch wie viele Jahre oder Wählergenerationen glaubt Deutschlands Staatsräson-Elite noch den Kopf in den Sand stecken zu können, bis sich für die bilateralen Beziehungen, für Juden in Deutschland und auch für Israel ein ausgesprochen gefährliches Klima ausgebreitet hat, nun, da es salonfähig ist, sich nicht nur gegen Israels Selbstverteidigungsrecht, sondern gleich gegen Israels Existenz auszusprechen?

 

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Was passiert im Sommeralbtraum 2014?

In Paris versuchte ein aufgebrachter Mob in eine mit rund 200 Menschen besetzte Synagoge einzudringen, ja sogar wird ein Jude auf offener Strasse gezielt überfallen, da er einer von 32 der auf einer Facebook mit voller Identität aufgelisteten Juden war, die als vogelfrei erklärt wurden. In Großbritannien steigen antisemitische Übergriffe im Juli um 500%, ein jüdisches Geschäftsfenster in London wird eingeschmissen, ein anderer Laden gestürmt und die koscheren Lebensmittel aus den Regalen gerissen. In Schweden wird eine Davidstern tragende Frau zusammengeschlagen und schwedische Juden bekommen Morddrohungen. In Bosnien im Fußballstadion wird Israel den Nazis gleichgestellt, in Genf demonstrieren Aktivisten vor einer Synagoge, schreiend „Jede Synagoge ist eine israelische Botschaft„. Marseille: Ein Kippa-Träger wird attackiert, in der Türkei will eine Zeitung Juden des Landes verweisen.

Und in Deutschland?

In Gelsenkirchen wurde eine Scheibe der Synagoge mit einem Gullideckel eingeschlagen, das Synagogendenkmal in Detmold wurde mit roter Farbe übergossen, die Synagoge in Dresden wurde mit den Worten „Stop killing people“ beschmiert, in Frankfurt a.M. schmierten Unbekannte an die Mauer der Synagoge im Baumweg „Tuck Juden“ (gemeint wurde: „Fuck Juden“) und aus einem Polizeilautsprecher schallte „Kindermörder Israel“, Gewalt- und Drohanrufe gegen jüdische Kindergärten in NRW, Fußballspiele mit israelischen Teams müssen wegen Übergriffen auf die Spieler abgebrochen werden. Und das ist nur ein Schnappschuss einer Woche im Juli 2014.

Sie zündeln. In vollem Bewußtsein: >> In Berlin skandieren Demonstranten: „Jude, Jude, feiges Schwein, komm heraus und kämpf‘ allein!“, in Essen gab es „Adolf-Hitler“-Sprechchöre, mit einem Hakenkreuz verzierte Israel-Fahnen und Plakate mit „Stoppt den Judenterror!“ und „Angeblich früher Opfer. Heute selber Täter“. Ja, da stand „angeblich!“! „Scheiß Jude, brenn“! Auch so eine Parole. In Gelsenkirchen: „Hamas, Hamas, Juden ins Gas!“ Für die Polizei war die Demo übrigens friedlich. In Mannheim hielt eine Demonstrantin ihre historische Erkenntnis hoch: „Hitler ist Vergangenheit, aber Israel ist Gegenwart“. In Frankfurt stellte die Polizei den Demonstranten ihren Lautsprecherwagen zur Verfügung. In Nürnberg wurden vermeintlich jüdische Geschäfte gestürmt. Dazu gab’s den landesweit sehr beliebten Wechselgesang von „Allah ist groß“ und „Kindermörder Israel“. Und überall weht die Fahne des Dschihad. Reicht schon? War noch nicht alles. Gegendemonstranten wurden angegriffen, zum Beispiel in Hannover, in Bremen wurde ein Journalist attackiert, einer, der sich dazwischen stellte, lag kurz darauf blutend auf dem Pflaster, und in Berlin musste die Polizei ein Touristenpaar aus Israel in Sicherheit bringen. Immer vorneweg: Testosteron gepeitschte junge Männer, verhetzt, aus jeder Pore dampfend vor Hass. Aber selbstredend demonstrieren sie nur für Frieden und Gerechtigkeit. Denn stets kommen die Aufrufe zu solchen Demonstrationen mit dem gleichen naiv-doofen Augenaufschlag daher. Wie jetzt der Bremer Aufruf. „Die Veranstalter sind ausdrücklich daran interessiert, dass Menschen aller Nationalitäten und Religionen an dieser Demonstration für den Frieden teilnehmen.“ Niedlich!<<, so Jochen Grabler im Radio Bremen.

* Wir erleben eine Explosion an gewaltbereitem Judenhass (Welt)screen

* Auf Europas Straßen explodiert der Hass (BZ)

* Judenhasser lassen ihre Maske fallen (publikative)

* Antisemitismus auf pro-Gaza-Demos (taz)

* Hass und Hetze (FAZ)

* Die Antisemiten unter uns – Entzauberung der Politiker und muslimischen Verbände in Deutschland (Dogan)

* Die Dynamik des antisemitischen Ressentiments (JFDA)

 

“ (…) Linksextreme, Rechtsextreme und zum ersten Mal unübersehbar und unverdrängbar radikalisierte extremistische Muslime, skandieren wieder einmal „der Jude ist an allem schuld“. Die Gewaltbereitschaft und der Hass dieser radikalisierten Muslime ist erschreckend. Sie zu ignorieren oder gar zu rechtfertigen, fahrlässig.

Wehret den Anfängen? Welche Anfänge? Wir sind doch längst darüber hinaus. Wo aber sind die Demokraten, die sich das eingestehen? Stattdessen Sonntagsreden: „Wir solidarisieren uns mit unseren jüdischen Mitbürgern.“ Wieso eigentlich Mit-Bürger? Ich habe noch nie von den „katholischen Mit-Bürgern“ gehört.

Was bedeutet eigentlich diese Solidarisierung? Klingt gut. Aber wie ist es gemeint? Fühlen sich die, die sich mit den Juden solidarisieren, als wären auch sie angegriffen worden? Nur wenn dies so wäre, würde diese Solidarisierung ernst zu nehmend sein. Sie würde nämlich ausdrücken, dass es jeden von uns empört, wenn einer, welcher auch immer von uns, rassistisch beleidigt wird, weil damit alle beleidigt werden.

Bei einer Demonstration vor über 20 Jahren wurde der Slogan „Heute die, morgen du“ kreiert. Ist das die Haltung derjenigen, die sich wieder einmal mit der jüdischen Gemeinschaft solidarisieren? Und wenn das wirklich seit über fünf Jahrzehnten der Fall wäre, warum ist daraus so wenig Handlung entstanden? Die Sonntagsreden funktionieren nach wie vor. Aber was geschieht zwischen Montag und Samstag?

Noch so eine Betroffenheitsphrase: „Ich schäme mich für das, was in Deutschland durch Antisemiten geschieht.“ Kann mir mal jemand erklären, was ich mit dieser Aussage anfangen soll? Sollte es nicht eher heißen: „Ich schäme mich meinetwegen, weil ich Tag für Tag nicht genug tue, damit das, wofür ich mich zu schämen vorgebe, Rassismus, erst gar nicht salonfähig werden kann.“

Geht es nicht um den Ursprung von Gewalt? Und um unsere innere Abstumpfung, weil wir nicht reagieren, bis es zu einer gewalttätigen Eruption kommt, die dann alle wieder beschämt“, so Michel Friedman in Die Hetzer sind noch da, nichts ist gut.

 

Auszüge aus den Demonstrationen im Juli 2014

(Fotos: HC)

Düsseldorf: Linke und Rechtsextreme gegen Israel.
Frankfurt – Eine antiisraelische Demonstration von etwa 2.000 Menschen eskalierte, Fotos von der Demo von Honestly Concerned
Berlin – anti-israelische Demonstranten versuchen die Fanmeile am Brandenburger Tor zu stürmen Video
Dortmund – anti-israelische Demonstration mit 2.000 Teilnehmern, auch stadtbekannte Neonazis Video
Gelsenkirchen – „Juden ins Gas!“-Rufe auf der Antiisraeldemo
Bremen – Eskalation und Angriffe auf Pro-Israel-Demofm3
Bochum – antiisraelische Demo mit Parolen  –  Video
München – Video zur Hassdemo
Stuttgart – Ausschreitungen
Kassel – Bericht über die Bedrohungslage der Juden Kassels während und nach der Demo  & Blogbeitrag zur Hate-Parade
Berlin – Video zur Hassdemo, die versuchte die pro-Israel-Demo zu stürmen, Strafanzeige des AJC
Köln – Bericht zu den Attacken auf die pro-israelische Demo
Frankfurt – Bericht zu den Pro-Israel-Reden aber auch der antiisraelischen Gegendemo
Kiel – Bericht über Angriffe auf die Pro-Israel-Demo
Leipzig – Bericht „Scheiss Juden“
Duisburg: Bericht über die antisemitischen Angriffe auf die pro-Israel-Demo
Essen – vereitelter Anschlag auf die Alte Synagoge
Mainz – Strafanzeige wegen antisemitischer Volksverhetzung
Essen – Liveticker zu den Attacken der Pro-Hamas-Demonstranten gegen die Pro-Israel-Demonstranten  mit Video und Berichtfm1
Regensburg – Hetzmarsch gegen Israel
Köln – Bericht und Videos von den Anti-Israel-Demos
Göttingen – Jagdszenen in der Fußgängerzone
Flensburg – Antiisraelische Parolen auf Pro-Palästina-Demo
Mannheim – 4500 gegen Israel -> Augenzeugenbericht
Nürnberg – Demonstranten stürmen eine vermeintlich jüdische Fastfoodkette  -> Video eines Demonstranten
Berlin – Israelisches Paar wird auf Anti-Israel-Demo attackiert
Hannover – Israelfahnenträger wird angegriffenEin Bundestagsabgeordneter wird AugenzeugeDOKUMENTATION DER PRO-ISRAEL-DEMO
München – 5000 Pro-Palästina-Demonstrantenfm2
Tuttlingen – 1000 Demonstranten mit Bannern wie „Israel Terrorist“ oder „Israel: Die Kinder Hitlers“, schreien „Jude raus“. Angreiferstürmen auf Israelfahnenträger
Koblenz – „Erdogan sollte in Israel einmarschieren und alle Juden abschlachten“
Wuppertal – Molotovcocktail auf die Synagoge
Frankfurt – Morddrohungen gegen die jüdische Gemeinde
Hagen – Polizei übergibt Hass-Demonstranten das Megafon für „Kindermörder Israel“-Rufe
Berlin – Imam Bilal Ismail in der Berliner Al-Nur Moschee ruft am 18.7.2014 zum Mord an Zionisten auf

Und ein Fall für sich:  Berlin – Die jährliche Al-Quds-Demo zieht durch Berlin, an einer Pro-Israel-Demo vorbei. Es kommt zu Hassausbrüchen, Hetzparolen, aggressiven Zwischenfällen, die Polizei verhindert Schlimmeres.
-> Fotos: https://www.facebook.com/sstawski/media_set?set=a.10152279205373932.1073741852.541558931&type=1
-> Videos   http://www.youtube.com/watch?v=D68__3N2hTwhttp://www.youtube.com/watch?v=L_QhOBZABYQhttp://www.youtube.com/watch?v=D68__3N2hTw
–  Vera Lengsfeld zur Verharmlosung des Al-Quds-Tages

 

Wer sich fragt, ob es auf den pro-israelischen Demonstrationen, die stattfinden, ebenso hassverzerrt zugeht, der möge sich die Redebeiträge durchlesen oder ansehen, die dort gehalten werden, die Poster und Plakate begutachten und hören, was auch die Demonstranten selbst zu sagen haben: neben Friede für Israel steht Friede und Freiheit für das palästinensische Volk und auch alle Nachbarvölker an oberster Priorität der Demonstranten. Es geht bei den Demonstrationen nicht darum, Hass zu schüren, sondern darauf hinzuweisen, dass die Hamas ebenso wie andere Terrororganisationen die gesamte Region in Geiselhaft ihres Terrors nehmen und ihr eigenes Volk missbrauchen. Und Schlimmeres.
Redebeiträge auf der Pro-Israeldemo in Berlin am 11.7.
TV-Bericht zur Pro-Israeldemo in Düsseldorf am 25.7.Bericht zur Pro-Israel-Demo in Frankfurt am 17.7.

 

Außerdem dokumentierende Quellen zu den Anschlägen und Gewaltakten gegen Juden und Israelis im Juli 2014:

* Der Blog Tapfer im Nirgendwo gibt einen exemplarischen Einblick in die  zahlreichen Varianten der antiisraelischen und antisemitischen Übergriffe, Anschläge und Attacken gegen Juden und Israelis in Europa durch Muslime im Blogbeitrag Europa- Jetzt auch mit Pogrom.

 

* Liste der antisemitischen Übergriffe in Deutschland von der Amadeo-Antonio-Stiftung – Ausschnitt mit Vorfällen seit 10.7.2014, alle ganzjährigen Aufstellungen seit 2002 hier.

 

* Bestandsaufnahme zu „Hass auf Juden und Israel“ des Jüdischen Forums für Demokratie und gegen Antisemitismus im Juli 2014

 

* Eine Analyse zur Instrumentalisierung und antisemitischen Indoktrination von Kindern während der Demonstration “Stoppt das Massaker an palästinensischen Kindern, Frauen und Zivilisten in Gaza” von Laurence Kirmer, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin und Kirsten Tenhafen, Grundschulpädagogin und Vorstand Jüdisches Forum für Demokratie und gegen Antisemitismus e.V. (JFDA): Erziehung zum Hass

 

 

Unbelehrbar?

Der WDR kommentierte eine solche Israelhass-Veranstaltung mit folgenden Worten: „Es hat keine Anzeichen dafür gegeben, dass sich Extremisten unter diese Demonstration gemischt haben, also weder von islamistischen Seite auf der einen Seite, aber auch keine Rechtsextreme, die dann das ganze nutzen konnten als Plattform um ihren Hass aufs Judentum oder auf Israel kundzutun.“

Die Berichterstattung in der Süddeutschen Zeitung, für deren Lokalreporter nichts irgendwie Bedrohliches und Befremdliches zu berichten gab, wird von Achgut zu Recht als  Lumpenjournalismus bezeichnet.
Die von den Medien geschaffene, allgemeine aufgepeitschte Stimmungslage gegen Israel ist dieser Tage in allen Sozialen Netzwerken und Plattformen zu beobachten, den Talkbacks aller online-Kommentarspalten und sozialen Foren unübersehbar.

Und wenn ein Magazin wie der Fokus feststellt Der Judenhass ist wieder da – und Deutschland macht mit oder schaut einfach zu – dann ist nicht der treffende Kommentar das Haarsträubende, sondern die Kommentare darunter sind es. Dieser Herr schafft es, gleich 12 Falschbehauptungen aufzustellen.Bild 1181

Und für die Kampagne #Stimmeerheben am 25.7.  gegen Antisemitismus erntet die Bild einen massiven Shitstorm und der Hashtag wird auf Twitter auch von Rassisten, Antisemiten und Israelhassern missbraucht. Auch hierzu nimmt die Bild die deutlichst denkbare Stellung:
„Wir bei BILD und BILD.de wollen solche Menschen nicht. Wir wollen sie nicht als Leser, nicht als User, nicht als Facebook-Freunde, nicht als Twitter-Follower. Wir wollen mit ihnen nichts zu tun haben. Wir wollen ihr Geld nicht, ihre Klicks nicht, ihre Zeit nicht, ihre Aufmerksamkeit nicht.“

 

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Dürfen die das denn?

* Politiker verurteilen antisemitische Hetze (Morgenpost) – aber verbieten sie dennoch nicht!

stattdessen:

* Berliner Polizei kuscht vor Judenhassern (Tagesspiegel)

lediglich:

Jude Jude feiges Schwein soll verboten werden (Tagesspiegel) … die restlichen Parolen sind demnach weder demokratiefeindlich, verfassungsunvereinbar, öffentlichkeitsaufrührerisch, volksverhetzend noch beleidigend?

* Der hervorragende Kommentar des Tagesspiegel-Chefredakteurs Stephan Andreas Casdorff auf radio1 dazu: „Erschreckende Juristerei!“

Der Berliner RA Nathan Gelbart dazu:
„Unabhängig von der Frage, ob die öffentliche Skandierung bei einer Grossdemonstration „Jude Jude feiges Schwein“ Volksverhetzung im strafrechtlichen Sinne darstellt ( ich halte das für evident, Par. 130 Abs. 1 Nr. 1 StGB wie es evidenter nicht sein kann), ist es eine Beleidigung, die bei öffentlichem Interesse von Amts wegen und ohne Strafantrag eines Betroffenen zu verfolgen ist, Par. 194 StGB. Es sei denn, man verneint bei diesem Ausspruch in Deutschland ein öffentliches Interesse. Mal sehen, was die Vorprüfung der Damen und Herren Staatsanwälte diesmal hierzu ergibt.“

* Verschiedene Strafanzeigen u.a. des AJC BerlinFrankfurts Stadtkämmerer Uwe Becker  und von MdB a.D. Dr. h.c. Johannes Gerster wurden zum Straftatsbestand der Volksverhetzung auf Demonstrationen in Frankfurt und Mainz gestellt sowie zur Rede von Imam Bilal Ismail in der Berliner Al-Nur Moschee am 18.7.2014 hat das AJC Anzeige erstattet, der Staatsschutz ermittelt.

Das Problem war angeblich, bis weit in den Juli hinein, dass die Behörden sich nicht sicher waren, was denn nun antisemitisch sei. Dann kam etwas Bewegung ins Spiel, als der Al-Quds-Tag näher rückte und jedwede Beleidigung oder Bedrohung von Juden waren verboten. „Juden ins Gas“, Jude, Jude, feiges Schwein…“ etc. waren zuletzt als Auflage untersagt. „Israel ins Gas“, „Kindermörder Netanyahu“ etc blieben erlaubt.

 

* Vier Monate nach der antisemitischen Hetze mit provozierenden Plakaten und Holocaust-Parolen bleibt die Bilanz der Strafverfolger deutlich hinter den selbst gesteckten Zielen zurück: Von 49 Verfahren gegen Unbekannt wurden 45 eingestellt, weil die Täter nicht ermittelt werden konnten. Zwei davon sind noch nicht abgeschlossen. In zwei weiteren Fällen kamen die Behörden Verdächtigen auf die Spur, berichtete Staatsanwalt Rainer Kock auf Anfrage der NRZ.

 

* Die Generalstaatsanwaltschaft Koblenz hat entschieden, dass keine strafrechtlichen Konsequenzen zu fürchten hat, wer auf Demonstrationen zum Mord an Juden aufruft. In Mainz war genau das passiert, Demonstranten riefen neben „Tod Israel“ unter anderem auch „Juden raus“, weswegen es zu Strafanzeigen kam. Doch die Juristen wiesen darauf hin, dass „Kritik an einem ausländischen Staat“ nicht „unter den Straftatbestand der Volksverhetzung fällt“.

 

* So schafft man Antisemitismus juristisch ab (Die WELT, 15.10.2014):

In München findet Oktober 2014 vor der Pressekammer des Landgerichts ein Prozess satt, bei dem es wieder einmal darum geht, ob man jemand einen „Antisemiten“ nennen darf, im vorliegenden Fall gar einen „glühenden Antisemiten“. Beklagt ist die ehemals grüne Politikerin und Publizisten Jutta Ditfurth, die eben diesen Vorwurf gegen den Journalisten, Verleger und Polit-Aktivisten Jürgen Elsässer in einem Interview in der Sendung „Kulturzeit“ auf 3sat erhoben hat. Der sei ein „Antisemit“, ein „glühender“ dazu.

„Ein glühender Antisemit in Deutschland ist jemand“, erklärte die Presserichterin am Münchner Landgericht, „der mit Überzeugung sich antisemitisch äußert, mit einer Überzeugung, die das Dritte Reich nicht verurteilt und ist nicht losgelöst von 1933-45 zu betrachten, vor dem Hintergrund der Geschichte“.

Das heißt: Der Maßstab für Antisemitismus ist das Dritte Reich, es ist der Holocaust, es sind sechs Millionen tote Juden. Das ist der Lackmustest für Antisemiten „vor dem Hintergrund der Geschichte“.

Und das ist so logisch, als würde man nur einen Gangbang als Vergewaltigung gelten lassen.

Wenn diese Definition Schule macht, wird man das Antisemitismus-Problem auf eine sehr elegante Weise entsorgt haben. Kein Antisemit ist so blöd, sich mit dem Antisemitismus der Nazis zu identifizieren. Er distanziert sich von der NS-Kamarilla, um anschließend umso fröhlicher zu verkünden, die Israelis würden den Palästinensern das Gleiche antun, was die Nazis den Juden angetan haben.

Die vorläufige Ansicht der Münchner Presserichterin könnte der erste amtliche Schritt zur Abschaffung des Antisemitismus in Deutschland sein.

Übrig bleiben dann nur noch Antisemiten, die wie ein Lagerfeuer gemütlich vor sich hin glühen.

 

* Neonaziverdacht in bayerischer Justiz: Der rechte Herr Richter

Bayerns Justizministerium ist alarmiert: Ein Amtsrichter in Franken steht im Verdacht, eine bewegte Karriere in einer Neonazi-Band gehabt zu haben. In Songs schwadronierte er offenbar auch von der Vernichtung Israels.

 

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Alles, was nicht „den Juden“ beleidigt oder bedroht, sondern nur Israel, ist doch nicht antisemitisch?

 

* Wie das BgAKassel formuliert:
„Schon der von Bundespräsident Joachim Gauck zitierte Satz: „Ich möchte alle Menschen auffordern, ihre Stimme zu erheben, wenn es einen neuen Antisemitismus gibt, der sich auf den Straßen brüstet.“ ist Ausdruck eines intellektuellen Offenbarungseids. Man soll gegen Antisemitismus die Stimme erheben, wenn er sich auf den Straßen brüstet – aha! Wenn er sich in den Zeitungen der ehrenwerten Zivilgesellschaft (Süddeutsche Zeitung, Spiegel usw.) oder in denen der linken Protest- oder Friedenshanseln (Freitag, Junge Welt u.ä.) artikuliert, dann kann man schweigen. Aus Gauck spricht es heraus, wie die Mehrheitsgesellschaft denkt: Man soll die Stimme erheben, wenn es einen neuen sich brüstenden Antisemitismus gibt, weil er möglicherweise das Ansehen Deutschlands beschmutzt, der alte jedoch ist keiner Rede wert. Der alte Antisemitismus einiger Reporter der hiesigen Lokalpresse, eines Günther Grass, der eines Martin Schulz, eines Martin Walsers et al., der, der in der Süddeutschen Zeitung und im Hirn eines Jakob Augstein west, der Antisemitismus der im Gewande der “Israelkritik” oder als Antizionismus daher kommt und dem doch mehr als die Hälfte der Bundesbürger beipflichten können, gegen diesen die Stimme erheben? Nein, dass ist nicht nötig, man ist doch tolerant und man wird doch Israel noch kritisieren dürfen.“

 

* Gerd Buurmann erläutert in seinem Blogbeitrag Antisemitismus war gestern unmissverständlich, dass eben doch antisemitisch ist, was heute Antizionismus ist:

„Einer der bekanntestes Einpeitscher des Antijudaismus war Martin Luther. In seiner Abhandlung “Über die Jüden und ihre Lügen” erklärte er:

„Die Juden sind ein solch verzweifeltes, durchböstes, durchgiftetes Ding, dass sie 1400 Jahre unsere Plage, Pestilenz und alles Unglück gewesen sind und noch sind. Summa, wir haben rechte Teufel an ihnen.“

In seinem „Handbuch über die Judenfrage“ fordert er:

„Ich will meinen treuen Rat geben. Erstlich, dass man ihre Synagoge oder Schule mit Feuer anstecke, und was nicht verbrennen will, mit Erde überhäufe und beschütte, dass kein Mensch einen Stein oder Schlacke davon sehe ewiglich …“

Mit der Aufklärung nahm der christliche Antijudaismus ab. An seiner Stelle jedoch nahm der Antisemitismus den Platz des Judenhasses ein. Antisemiten erklärten Juden zu einer minderwertigen Rasse nannten Juden Kindermörder, verfolgten und ermordeten sie und griffen ihre Synagogen an. (…)

Antijudaismus ist der Hass auf das Judentum als Religion. Antisemitismus ist der Hass auf das Judentum als vermeintliche Rasse. Antizionismus ist der Hass auf das Judentum als Nation. Ob nun aber Antijudaismus, Antisemitismus oder Antizionismus, in allen drei Fällen ist die Definition von Judenhass gleich. (…)

Der Antizionismus blendet das alles aus. Für den Antizionisten ist Israel ein ewiger Besatzer und Schuld am Krieg.

Diese neue Form des Judenhasses wird in Deutschland so fahrlässig unterschätzt wie einst der Antisemitismus in Deutschland unterschätzt wurde. (…)“

 

In Die Deutschen und ihr Lieblingskrieg fasst es Georg Diez so zusammen:

„Der bürgerliche, der muslimische, der offene und versteckte Antisemitismus dieser Tage in vielen Ländern Europas und gerade auch in Deutschland verstärkt die Angst und Aggression und verhindert Frieden.

Ein Beispiel: Es sterben viele Kinder in Konflikten weltweit, das ist dramatisch und traurig. Doch nur im Fall von Israel wird so etwas wie Absicht unterstellt, als bombardiere die israelische Armee besonders gern Schulen – was dann ja auch zum antisemitischen Klischee vom jüdischen Kindermörder passt.

So lange es Hass auf Juden gibt, wird es keinen Frieden geben.“

 

 

F&A – Der Nahostkonflikt, Antisemitismus und der Holocaust

Unter dieser Überschrift hat die Gedenk- und Bildungsstätte Yad Vashem eine Reihe von Fragen und Antworten formuliert, die sich mit Bezugnahmen auf die Shoah im Rahmen der Diskussionen um die aktuelle Operation gegen die Hamas im Gazastreifen beschäftigt.
Der Text in englischer Sprache versucht, folgende Fragen zu beantworten und zugleich bestimmte Behauptungen und Anklagen zu entkräften: Kann man die aktuelle israelische Militäroperation gegen die Hamas mit dem Holocaust vergleichen? Was ist Völkermord und warum handelt es sich bei den gegenwärtigen Ereignissen im Gazastreifen nicht um Völkermord? Kann der Gazastreifen als „Vernichtungslager“ oder „Todeslager“ bezeichnet werden? Kann der Gazastreifen als „Ghetto“ bezeichnet werden? Ist jede Kritik an Israel antisemitisch?
Zur online-Version der F&A von Yad Vashem

 

Passend dazu hielt am Mittwoch, 20. August, Minister Lapid die Gedenkstätte Gleis 17 im Bahnhof Grunewald im Süden Berlins und hielt dort die folgende Rede, die den Bogen des Antisemitismus des frühen 20. Jahrhunderts zu dem von heute schlägt:

„Die Shoah stellt uns alle vor dieselbe Frage: Was hätte ich getan?
Was hätte ich getan, wenn ich als Jüdin oder Jude 1933 in Berlin gelebt hätte, als Hitler an die Macht kam? Wäre ich geflohen? Hätte ich mein Haus oder mein Geschäft verkauft? Meine Kinder mitten im Schuljahr von der Schule genommen? Oder hätte ich mir gesagt: es wird vorbeigehen, das ist nur ein vorübergehender Wahn, Hitler sagt all diese Dinge nur, weil er Politiker ist und eine Wahl gewinnen will. Ja, er ist ein Antisemit, aber wer ist das nicht? Wir haben Schlimmeres durchlebt als das. Besser, wir warten ab und halten uns still. Es wird vorbeigehen.
(…)
Hier an diesem Ort möchte ich in aller Deutlichkeit sagen, dass die Führer der Hamas, eine anti-westliche und antisemitische Terrororganisation sich nicht sicher fühlen können, solange sie weiter unschuldige Zivilisten angreifen. Wie es jede europäische Regierung täte und wie es die USA mit Osama Bin Laden getan haben, so werden auch wir jeden einzelnen Führer der Hamas verfolgen.

Das ist das Böse, mit dem wir alle konfrontiert sind, und Israel steht in vorderster Reihe. Europa sollte wissen, dass diese Leute zu euch kommen werden, wenn wir sie nicht aufhalten. Wir müssen alles tun, um Leid und den Tod Unschuldiger zu verhindern, aber wir stehen hier am richtigen Ort, um der ganzen Welt zuzurufen: wir werden nie wieder in die Züge steigen. Wir werden uns vor dem totalen Bösen schützen.“

 

 

Weiter empfehlenswert dazu:

 

* Auch wenn Jeder weiss, dass Antizionismus nichts mit Antisemitismus zu tun hat  lese man Antizionisten in eigenen Worten

 

* Und warum werden Hassseiten wie „Tod den Zionisten“ und „Tod Israel“ auf Facebook nicht gelöscht?

 

* Die tiefere Dimension des Judenhasses (FR), der aktuell auf den Straßen Europas herrscht, versucht Anetta Kahane, Amadeo-Antonio-Stiftung zu erklären.

 

* Interview mit Islamwissenschaftlerin über Antisemitismus: „Israel bietet sich als Feindbild an“

 

* Dummstellen hat Methode –  „Nein, dieser Antisemitismus lässt sich gerade nicht als der „konstante Bodensatz in der Gesellschaft“, wie ihn Wolfgang Benz nennt, beschreiben.“  (FAZ, 25.7.)

 

* Israelkritik oder Antisemitismus? Kriterien für eine Unterscheidung – von Samuel Salzborn

Wer sich mit dem Thema Antisemitismus auseinandersetzt, für den muss es in den regelmäßig wiederkehrenden öffentlichen Debatten seltsam anmuten, dass gebetsmühlenartig wiederholt wird, nicht jede Kritik an Israel sei antisemitisch.
Entlarvend daran ist nämlich zunächst, dass dies noch nie ernsthaft behauptet worden wäre — und dass man mit Sigmund Freud insofern darauf hinweisen muss, dass die (präventive) Verneinung mehr über den Sprecher und seine unbewussten Affekte aussagt als über den Inhalt.[01] Denn: Wenn jemand etwas ohne Grund und Aufforderung von sich weist, dann verweist dies auf unbewusste Affekte bei der betreffenden Person, die gegen eine Wirklichkeit rebellieren, wie sie lediglich nur in der eigenen psychischen Phantasie existiert: Eine Rebellion gegen ein Sprechverbot also, das nur als Tabuphantasie, nicht aber real existiert.

Denn Fakt ist: Über kaum ein anderes Land der Welt wird in deutschsprachigen Medien so umfangreich, so intensiv und so kritisch berichtet wie über Israel. Und, mehr noch: Fast keiner dieser Berichte führt zu der Kritik, antisemitisch zu sein. Denn, und das ist auch bereits wichtig für die Debatte: Antisemitismus ist nicht, wie ebenfalls oft insistiert wird, ein (ungerechtfertigter) „Vorwurf’, sondern wenn Äußerungen zu Israel als antisemitisch klassifiziert werden, dann handelt es sich dabei in der Regel um eine Kritik an antisemitischen Positionen. Wer diese entkräften will, müsste also argumentieren, warum die eigene Position nicht antisemitisch ist — und nicht Kritik zum „Vorwurf verniedlichen und damit relativieren.

Wer sich mit dem Thema Antisemitismus auseinandersetzt, weiß auch, dass die Unterscheidung zwischen Antisemitismus und Israelkritik eine im Prinzip ganz einfache und gänzlich unproblematische ist — denn nur wer wieder und wieder nach Leitplanken suchen muss, um seine eigenen Stellungahmen zu Israel gegen Antisemitismus (präventiv) in alle Richtungen abzusichern, ahnt unbewusst, dass es sich offenbar eben nicht um Israelkritik, sondern um antisemitische Ressentiments handelt und folglich auch nur nach einer Absolution gestrebt wird, die die sozialwissenschaftliche Antisemitismusforschung freilich nicht erteilen kann. Denn: Wer sich antisemitisch äußert, muss auch als Antisemit benannt werden — das ist nicht nur wissenschaftlich geboten, im Sinne einer klaren und eindeutigen Analyse, sondern auch politisch erforderlich, weil Antisemitismus sich nicht erst in Taten, sondern gleichermaßen in Worten ausdrückt. (…)

 

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Dem Sorgenkind „Medien“ auf die Finger geschaut

 

In den Medien findet sich mal wieder verzerrende Einseitigkeit, Faktenignoranz und öffentliche Meinungsbildmanipulation durch mutwillig diskreditierende  Informationsselektion, antisemitische Stereotypreproduktion 2.0, trügerische Komplexitätsreduktion, niederträchtiger Doppelstandard und maximal unredliche Dämonisierung Israels at its best… von Pressekodex weit und breit nichts zu erkennen.
Deidre Berger, Direktorin des AJC Berlin, bringt es in ihrem Artikel Judenfeindschaft ist Mainstream auf den Punkt:
… Kaum ist die Nachricht von der Ermordung bekannt geworden, haben führende europäische Politiker Israel gemahnt, sich zurückzuhalten. Anstatt Israel zu belehren, wie man mit Terrorismus umgeht, würde es sich lohnen, wenn europäische Politiker sich mehr Gedanken über die brisante Sicherheitslage für Juden in Europa selbst machen würden. …

 

Es ist hinzuzufügen, dass sich die Journalisten – ebenso wie Bildredakteure, Ressortleiter und Chefredaktionen – ebenso die Frage stellen sollten, inwiefern sie mit dem von ihnen vorsätzlich geschaffenen tendenziösen, dämonisierenden und diskreditierenden Israelbild dazu beitragen, dass althergebrachte antisemitische Regungen gepaart mit Hass, Wut, Missverständnis, Empathielosigkeit und Schadenfreude zu Gewalt und Anschlägen führen.

 

Es ist also keine Überraschung, dass die überwiegend propalästinensische Berichterstattung in deutschen Medien problematisch ist, doch neu ist, dass sie in die – eigene – Kritik gerät, wenn auch nur marginal.

Hier eine selbstkritische Zusammenstellung der Analysen, Statements und Realitäten zur Berichterstattung rund um die Militäroperation: “Großteil der Medien berichtet voreingenommen” in der WELT vom 22.7. von Ulrich Clauß:

“Artikelüberschriften sind oft propagandistisch – gegen Israel ausgerichtet.” Das sei einer der Gründe, “warum es zu antijüdischen Aggressionen auf deutschen Straßen gekommen ist”, analysiert beispielsweise der Sprachwissenschaftler Anatol Stefanowitsch, Professor an der Freien Universität Berlin. (…) Besonders kritische Wahrnehmung fand auch ein Interview des ARD-”Morgenmagazins” mit Jürgen Todenhöfer, der – praktisch ohne kritische Zwischenfrage durch die Moderation – sehr einseitig mit der israelischen Politik ins Gericht gegangen war.

“Mir ist unbegreiflich, wie verantwortungsvolle und seriöse Medien Ihnen ein Forum bieten können, um Ihre Anschauungen zu verbreiten, die offensichtlich jeden Bezug zur Realität verloren haben”, beklagte sich daraufhin in einem offenen Brief die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München, Charlotte Knobloch, und bezeichnete Todenhöfer als “beseelt von islamistischem Gedankengut” .

Ein als “Nahostexperte” bezeichneter Jürgen Todenhöfer spricht von einem “Rachekrieg” Israels und bedient damit uralte antisemitische Klischees, findet auch AJC-Direktorin Deidre Berger.

Kritisiert werden auch Teile der Berichterstattung des ZDF, in dessen Sendungen immer wieder vor allem die israelische Seite in ihrem gewaltsamen Vorgehen gezeigt werde. Sätze wie “Die israelische Kriegsmaschinerie kommt in Fahrt”, von “Heute-Journal”-Moderator Klaus Kleber in der Halbzeitpause des WM-Spiels Deutschland–Brasilien, werden dafür als Beleg angeführt.

 

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Nur ein paar Beispiele zur Darstellung von Israels Reaktion auf die massive Intensivierung des Raketenhagels von Gaza bis Tel Aviv und Jerusalem


„Medien aktivieren antiisraelische Einstellungen“

Im Juli wurden auf mehreren Demonstrationen in Deutschland antisemitische Parolen gerufen. Neu sind diese Sprüche nicht, erklärt die Linguistin und Antisemitismusforscherin Monika Schwarz-Friesel von der TU Berlin im Interview – und mahnt die Verantwortung der Medien an:

” (…) Große Teile der Presse versagen in diesem Bereich. Es gibt eine sehr einseitige Berichterstattung in Bezug auf Israel, zum Teil auch in seriösen Medien wie der ARD oder dem ZDF. Da ist ganz klar eine pro-palästinensische Tendenz zu erkennen mit extrem hohem Emotionspotenzial: Einzelschicksale von Palästinensern werden der militärischen Macht Israels gegenüber gestellt. Das löst natürlich starke Gefühle aus und reaktiviert auch antiisraelische Einstellungen.

Dass es zu wenig Kritik an Israel gebe, ist ein unhaltbares Klischee. Ich habe in Studien die Berichterstattung über verschiedene Konflikte analysiert. In allen Stichproben wird im deutschen Diskurs kein Land so kritisiert, so scharf, einseitig und realitätsverzerrt dargestellt wie Israel. Mit so einer Berichterstattung fördern Journalisten antisemitische Gedanken. (…)

Auch gebildete Journalisten sprechen von einem „Rachekrieg Israels“. Das ist ein sehr altes Stereotyp. Da sieht man, dass auch Bildung nicht vor Antisemitismus schützt. (…)”

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Michael Wolffsohn, sonst sehr zurückhaltend, wenn es um Antisemitismus-Zuordnungen geht, empfindet Erschrecken in seinem Artikel Kritik oder Antisemitismus: Warum hassen so viele Deutsche Israel?:
Schon am ersten Kriegstag fiel mir das bei einem bekannten TV-Nachrichten-Moderator auf. Selbst dieser stets feinbetuchte Mann, der sein distinguiertes Image gerne pflegt, leitete den seiner Einführung folgenden Korrespondentenbericht mit einer Israel gegenüber geradezu hasserfüllten Mimik ein. Ich zuckte regelrecht zusammen, denn diese Gestik, diese Körpersprache, sagte mehr über seine Haltung aus, als jedes seiner kritischen Worte.  ( … )
Seit Jahrzehnten analysiere und kommentiere ich unter anderem die deutsch-israelischen Beziehungen. Ich weiß, warum Deutsche Israels Politik kritisch beäugen. Ich kann das oft auch nachvollziehen und verstehen, nicht selten sogar zustimmen. Nicht verstehen, nicht nachvollziehen kann ich die Unausgewogenheit der deutschen Kritik gegenüber der Demokratie Israels im Vergleich zu der milden Beurteilung von Diktaturen, ja von brutalen Diktaturen. Nicht verstehen, nicht nachvollziehen kann ich den deutschen Israelhass. Der deutsche Israelhass ist total disproportional und irrational. Ist der Israelhass inzwischen so heftig, dass auch ich vielleicht den Begriff „Antisemitismus“ verwenden müsste?

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Sonja Vogel in Böses, böses Israel: Liebhaber der simplen Welterklärung hatten es in den letzten Tagen sehr schön. Aus Zeitung, Hörfunk und TV konnten die Landsleute erfahren, wie simpel der „Nahostkonflikt“ doch ist.

 

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Für die medienkritischen Blogger war in diesem Sommer 24/7-Recherche und -Arbeit angesagt, viele Sommersonnenstunden mussten vor dem Computer verbracht werden, doch ohne ihre Unermüdlichkeit bliebe der gesamte perfide Medienmüll unbenannt und unkommentiert.

* Sprachlog: Israel und die Hamas im Spiegel deutscher Schlagzeilen

Die Presseberichte der letzten Tage aus Israel und dem Gazastreifen haben viele Menschen in meinen sozialen Netzwerken als unausgewogen empfunden: viele waren der Ansicht, die deutsche Presse berichte nicht angemessen über den sogenannten „Nahost-Konflikt“ sondern bewerte die israelische Seite übermäßig negativ und interessiere sich hauptsächlich für Angriffe Israels auf Ziele im Gazastreifen, aber nicht für Angriffe der Hamas auf Israel. Da mir dieser Vorwurf im Zusammenhang mit der Israel-Berichterstattung nicht zum ersten Mal begegnet, habe mich gefragt, ob dieser Eindruck stimmt, oder ob er das Ergebnis selektiver Wahrnehmung ist – die wenigsten von uns analysieren ja systematisch die Berichterstattung tagesaktueller Ereignisse, und die eigene Perspektive kann sich deshalb ja leicht zu einem falschen Gesamteindruck verfestigen. …

 

* Spirit of Entebbe fasst unter dem Beitrag Wer greift hier wen an? die Schlagzeilen vom 15.7., der Tag an dem die Hamas die von Israel akzeptierte Waffenruhe ignorierte, an dem jedoch die Medien titelten, Israel greife Gaza dennoch an, so zusammen: Eines ist jedenfalls klar: Mit seriösem Journalismus haben solche Vorfälle nichts zu tun. Hier ist auch (nicht nur) Schludrigkeit ursächlich, sondern hier hat der Wahnsinn Methode. Nicht erst seit heute, aber an solchen Beispielen lässt er sich besonders deutlich festmachen. Wenn es um Israel geht, pfeift der Großteil der Journaille auf jegliche Fairness. Wie schäbig.

 

Zum WDR – Die Juden sind unser Unglück

 

Zum ZDF – Klebriges in der Halbzeit

 

Nahostfehldarstellungen: Einseitige Berichterstattung

 

Noch blöder als die Hamas erlaubt

 

Auch die verwendeten Bilder in den Medien folgen einem Gebot der einseitigen Verzerrung. ZEIT online bringt eine Fotostrecke mit dem verheißungsvollen Titel „Betende Soldaten, fliehende Zivilisten“ – 14 Agenturbilder sind es insgesamt, die eindeutig einseitig sind. (SoE)

 

Auch die Omnipräsenz der verschiedenen „Experten“ unterstützt die Methode der konsequenten Fehlinformation und Verzerrung – darunter Dauergäste in Talkshows wie Jürgen Todenhöfer, auch Demagoge des Mainstreams genannt, oder Michael Lüders.

 

Überschriften entlarven unsere Qualitätsjournaille

 

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Aber auch schon im Juni, als die drei israelischen Jugendlichen Eyal, Gilad und Naftali entführt und ermordet wurden, zeigten sich die Medien von ihrer kalten, unempathischen und fast schadenfrohen Seite:

 

Wie Ulrich Sahm in seiner Analyse nach dem Fund der ermordeten Entführten korrekt beschreibt:
…Das israelische Kabinett hat wegen interner Meinungsverschiedenheiten noch keine „Strafmaßnahmen“ festgelegt. Schlagzeilen wie „Israel startet Vergeltungsangriffe für tote Teenager“ sind verfrüht.
Die Bombenangriffe im Gazastreifen haben mit dem dreifachen Mord nichts zu tun. Seit der „Operation Wolkensäule“ im November 2012 ist es stehende Politik, auf jeden Raketenbeschuss aus Gaza mit einem Bombenangriff auf Raketenstellungen oder Waffenlager zu antworten. Israel nennen das „Abschreckung“. Seit zwei Wochen verstärkte sich der Raketenbeschuss. …

 

Henryk M. Broder fasst in dem Artikel  In Israel sind offenbar immer die Opfer schuld die aktuelle deutsche mediale und öffentliche Haltung zur Ermordung der israelischen Teenager hervorragend zusammen:
… Egal, ob es sich um Raketenangriffe oder Entführungen handelt, sie sind immer die logische, fast zwingende Konsequenz der israelischen Politik – also selbst verschuldet. Sogar dann, wenn drei israelische Jugendliche spurlos verschwinden, fragen die Reporter und Kommentatoren nicht “Wer war’s?”, sondern “Was hatten die drei dort zu suchen?”
So eine Haltung zeugt nicht nur von einer herzlosen Ignoranz, sondern auch von einer Mentalität, die tief in der Geschichte verwurzelt ist und in den Köpfen und Herzen weiterspukt.
Wobei sich der moderne Antisemitismus vom klassischen vor allem dadurch unterscheidet, dass er die Judenfrage – mitsamt ihrer potenziellen Lösung – aus Europa in den Nahen Osten verlegt hat. Ansonsten recycelt er sein Repertoire: Die Juden sind nicht nur am Judenhass schuld, den es ohne sie nicht gäbe, sie instrumentalisieren ihn auch schamlos für ihre Zwecke. Alles wie gehabt. …

 

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Blogger haben auch in dieser Zeit den Medien  genau auf die Finger geschaut:

* Die Unfähigkeit Juden als Opfer zu sehen
* Dann lasst es einfach ganz sein
* Schuld am Nahostkonflikt
* Was ist da los? Die Medienmeute
* Selektive Berichterstattung
* Die kaltherzige Frau K.
* Der Gipfel des Zynismus auf SPON und Tagesschau
* Hau den Bibi

 

Insgesamt ist die Rolle der Medien eine bestürzend einseitige, wie in mehreren Kollektionen dieses Blogs nachzulesen ist.

Aber zu einem eigenen Blog, Suedwatch, hat es bis dato nur eine Zeitung in Deutschland gebracht, da sie überdurchschnittlich obsessiv, verzerrend, dämonisierend und wiederholt ohne ethische Standards gegen Israel arbeitet.

 

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Aktuelle Beiträge zur Antisemitismusdebatte

Judenfeindschaft im 21 JH

Losgelöst von den Geschehnissen in Israel im Juni und Juli 2014 sowie den Hassdemonstrationen in Deutschland im Juli 2014 gibt es einige aktuelle und Beiträge zur Antisemitismusdebatte, die durchaus wahrnehmenswert sind und im Folgenden dargestellt werden.

Für die wahrscheinlich nach der Sommerpause erst beginnende Antisemitismusdebatte werden Umfragen und Statistiken erhoben, Studien und Analysen des Antisemitismus und Antizionismus und Antiisraelismus in der Öffentlichkeit, in der Migrationsgesellschaft, in der Politik und den Medien, erhoben werden. Diese werden dann im Laufe ihrer Publikation, sofern lesenswert, ebenfalls in dieser Kollektion eingearbeitet.

 

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Die Worte entlarven

Die Sprache der Judenfeindschaft im 21. Jahrhundert

Die Sprach- und Kognitionswissenschaftlerin Monika Schwarz-Friesel und der Historiker Jehuda Reinharz haben anhand einer datenreichen Untersuchung das wohl derzeitige Standardwerk des aktuellen judenfeindlichen Sprachgebrauchs verfasst. Die detaillierte Analyse der diversen Manifestationsformen von direktem und indirektem Verbal-Antisemitismus zeigt, welche geistigen Konzepte und emotionalen Ressentiments judeophoben Einstellungen zugrundeliegen. Diese äußern sich in uralten Klischees und Verschwörungstheorien ebenso wie in neuen, israelbezogenen Stereotypen. Die Studie zeigt, wie Juden als Juden verbal ausgegrenzt und beleidigt, belehrt, ermahnt und bedroht werden, und dass judenfeindliche Äußerungen von vielen Menschen artikuliert werden, als hätte es den Holocaust und seine intensive Aufarbeitung nie gegeben. Rezensionen

Prof. Schwarz-Friesel spricht in einem Spiegelinterview zur aktuellen Situation von einer Flut des Antisemitismus.

 

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Studien

Prompt wurden im Januar 2015 allein drei Studien vorgelegt:

Bertelsmann-Studie: Deutsche blicken skeptisch auf Israel
“50 Jahre nach Aufnahme der diplomatischen Beziehungen haben 36 Prozent der Deutschen eine gute Meinung, 48 Prozent hingegen haben eine schlechte Meinung über Israel. Unter den 18- bis 29-Jährigen sind es sogar 54 Prozent. Deutlich ablehnend ist die Haltung zur israelischen Regierung. 62 Prozent der Deutschen bewerten sie negativ.” Download hier

 

Die TU mit dem ZfA hat eine Studie zum Thema Antisemitismus vorgelegt, hier zum Download, die Zahlen der AAS und des JFDA  sprechen für sich.

Demgegenüber steht die KAS-Studie: Das Heilige Land und die Deutschen mit dem Ergebnis, dass Israelis Deutschland mehr als positiv sehen.
Die Jüdische Allgemeine Zeitung nennt es Unerwiderte Liebe…

Weitere Studien gibt es unter lesbar.

 

Fazit: der Zusammenhang zwischen dem grassierenden Antisemitismus aus allen Richtungen und Israelhass ist nicht mehr von der Hand zu weisen.

 

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„Man wird doch noch mal sagen dürfen …“ Antisemitismus in Hoch- und Populärkultur – von Lena Gorelik

Ausschnitte aus Das Parlament, Antisemitismus-Beilage Aus Politik und Zeitgeschichte, Nr. 28-30 vom 07.07.2014

Wandelbarkeit des Antisemitismus
Von seiner Wandelbarkeit Gebrauch machend, verändert sich der Antisemitismus, passt sich den jeweiligen politischen Gesellschaftsformen, aktuellen Sprachcodes und der jeweils diskutierten Themen an, nimmt Strukturen an, mit denen er sich am besten tarnen kann – als das, was er niemals ist: Gesellschaftskritik beispielsweise, eine einzelne Meinungsäußerung, ein Ausdruck der Angst oder ein konstruktiver Beitrag zu einer politischen Debatte. Kurzum, er macht das, was Antisemiten den Juden seit jeher vorwerfen: sich heimtückisch anpassen, um sich dann, gemeinerweise, von hinten anzuschleichen. (…)

Unter dem Schutzmantel des Tabubruchs
Seit einigen Jahren lässt sich eine Entwicklung beobachten, die nicht nur antisemitische, sondern auch rassistische, nationalistische und fremdenfeindliche Einstellungen betrifft: Es scheint, als würden sie sich an die Oberfläche kämpfen, aus dem Privaten in die Öffentlichkeit ausbrechen wollen unter dem Schutzmantel des Tabubruchs und der Meinungsfreiheit. Gut erkennbar an dem einleitenden Satz: „Man wird doch noch mal sagen dürfen …“ Oder auch, perfider noch, weil dieser postuliert, dass man ahnungslos und interessiert wie ein kleines Kind nur die Welt verstehen wolle: „Man wird doch noch mal fragen dürfen …“ Dieses auftrumpfende „Man-wird-doch-noch-mal …“ legt sich aber nicht wirklich kritisch mit dem Zeitgeist, mit dem Mainstream an, sondern profiliert sich an Vorurteilen, an Randgruppen, an denjenigen, die aus anderen Ländern kommen, anders aussehen, anders beten, anders leben, ihre Kinder anders zeugen, andere sexuelle Neigungen haben als die Mehrheit der Gesellschaft. Denn was anders – oder vermeintlich anders – ist, so scheint es manchmal, ist hierzulande nicht akzeptabel. (…)

„Was gesagt werden muss“
Es geht um die Wortwahl, es geht um die Art der Argumentation, es geht um eine ganz dünne Linie zwischen berechtigter und notwendiger Kritik an der Politik eines Landes und der Vermischung der Politik eines Landes mit Eigenschaften, die den in diesem Land lebenden Menschen zugeschrieben werden. Diese dünne Linie zu übertreten, ist ein Schritt Richtung Antisemitismus. (…) Bei Literaturnobelpreisträgern, Journalisten und Publizisten, die, so möchte man annehmen, das Wort und das Spiel mit Worten lieben und auch beherrschen, darf man erwarten, dass sie sich genau, und zwar ganz genau, überlegen, mit welchen Begriffen sie, erst recht bei brisanten Themen, um sich werfen. Auch hier gibt es eine dünne Linie zwischen Begriffen, die akzeptabel sind, und jenen, die den Eigenschaftszuschreibungen zuzurechnen sind, die den Antisemitismus kennzeichnen, wenn sie die Juden (und hierfür muss vorab der Staat Israel mit dem jüdischen Volk gleichgesetzt werden) als machthungrig, gefährlich, hinterhältig, zerstörerisch, verschwörerisch, nachtragend oder geldgierig beschreiben. Dazwischen, auf der ganz dünnen Linie, stehen all jene Begriffe und Bilder, die nicht per se antisemitisch sind, aber jederzeit so aufgeladen, interpretiert und aufgenommen werden können.

Provokation oder Naivität?
Spricht man von deutschen Massenmedien und Antisemitismus, kommt man nicht umhin, die „Süddeutsche Zeitung“ zu erwähnen, die nicht nur mit der Veröffentlichung des Grass-Gedichts für Aufsehen sorgte. Antisemitische Klischees tauchten auch an anderer Stelle auf und zwar in solch eindeutiger und klassischer Weise, dass man sich nicht sicher sein kann, ob man den Urheber für unverschämt provokant oder gnadenlos naiv halten darf. (…)
Man fragt sich, was schlimmer ist: der beabsichtigte oder der unbeabsichtigte Antisemitismus? Der, mit dem man gespielt hat, weil man überprüfen wollte, wo die Grenzen liegen, ob sie sich verschoben haben, in acht Monaten, in den vergangenen Jahren? Oder der, den man selbst nicht bemerkt, weil die Stereotype so sehr zum eigenen Weltverständnis gehören, dass man sie gar nicht mehr in Frage stellt?

Gemisch aus Wut, Angst und Stereotypen
Wenn es darum geht, vermeintliche Tabus zu brechen, endlich mal etwas sagen zu dürfen, was man angeblich nicht mehr sagen durfte, vermischen sich Themen, Argumente und auch Stereotype, bis alles dem einzigen „Man wird doch noch mal sagen dürfen“-Gefühl untergeordnet wird und Phänomene wie Antisemitismus, Homophobie und Islamhass, Frauenfeindlichkeit, Rassenkunde und Eugenik als salonfähig rekonstruiert werden. Dieses Gemisch aus Wut, Angst und Stereotypen, in dem sie ungefiltert und teils ungeteilt voneinander landen, äußert sich zum Beispiel in Phänomenen wie jenen, die sich als neue „Montagsdemonstrationen“ oder „Montags-Mahnwachen für den Frieden“ bezeichnen. (…)

Im Internet, auf Schulhöfen, in der Musik, in Fanbussen
(…) Das Internet, insbesondere soziale Netzwerke wie Facebook, trägt immer mehr zur Verbreitung von antisemitischen Ressentiments und offenen Bekenntnissen wie zum Beispiel „Nur ein toter Jude ist ein guter Jude“ bei.
Dass sich „Schimpfwörter“ wie „Du Jude!“, das auf derselben Stufe wie „Du Opfer!“ steht, immer stärker auf Schulhöfen etablieren, ist nicht zuletzt auch dem Umgang so mancher Idole der betreffenden Jugendlichen mit dem Thema Judentum zu verdanken. An erster Stelle zu nennen ist da der immer wieder in die Schlagzeilen wiederkehrende Rapper Bushido, der unter anderem als Profilbild bei Twitter eine stilisierte Landkarte gewählt hatte, die das Staatsgebiet Israels in den palästinensischen Farben mit dem Schriftzug „Free Palestine“, somit den Nahen Osten ohne Israel zeigte. (…)
In den vergangenen Jahren hat eine umfassende Verbreitung vom RechtsRock außerhalb der rechtsextremen Szene, insbesondere auf Schulhöfen, zu einer Bekanntmachung bestimmter Stereotype, Codes, Zeichensprachen und Chiffren beigetragen, die zuvor nur im einschlägigen Milieu bekannt waren. Jugendliche neigen dazu, diese zu übernehmen, ohne sie infrage zu stellen und auch ohne sich selbst einer rechtsextremen Orientierung zuzuordnen. Antisemitische Inhalte tauchen aber auch bei Musikgruppen auf, die nicht per se dem rechten Milieu zugerechnet werden können. Als Beispiel hierfür sei die Dark-Metal-Band „Inquisition“ zu nennen, unter deren Musikstücken sich beispielsweise auch das Lied „Crush the Jewish Prophet“ findet.
Antisemitische Vorstellungen finden selbstverständlich auch durch Bücher den Weg in die Köpfe von Jugendlichen und Schülern, die die Argumentationen und Denkstrukturen des Gelesenen häufig einfach übernehmen. So beispielsweise aus dem Jugendroman „Palästina – Träume zwischen den Fronten“ der Italienerin Randy Ghazy, der den Nahost-Konflikt einseitig aus palästinensischer Sicht darstellt und darin mit antisemitischen Stereotypen wie der Ritualmordlegende und der Vorstellung von der jüdischen Rachsucht spielt. Nun hat eine Schriftstellerin selbstverständlich das Recht, jeden Konflikt dieser Welt einseitig darzustellen; vorsichtig sein sollten hingegen die zahlreichen Bildungsportale, die diesen Roman für Jugendliche ab 12 Jahren, die sich für den Nahost-Konflikt interessieren, als Lektüre empfehlen.
Auch in Teilen der Fußballkultur scheinen Antisemitismus und Rassismus zum Alltag zu gehören und von Fans kaum infrage gestellt zu werden. Sätze wie „Juden gehören in die Gaskammer“, „Auschwitz ist wieder da“ und „Synagogen müssen brennen“ sind bei Wettkämpfen in der Regionalliga zu hören; der Journalist Florian Schubert beschreibt, wie er bei einer Fahrt zu einem Auswärtsspiel der deutschen Nationalmannschaft bereits im Bus die Frage gehört habe: „Wer hebt die Hand zum Deutschen Gruß?“, und dass „Schimpfwörter“ wie „Kanake“ und „Neger“ zum allgemeinen Sprachgebrauch gehörten.

Fazit
Theodor W. Adorno sagte einst, der Antisemitismus sei eine Wahnidee, ein „Gerücht über die Juden“. 21 Antisemitismus ist ein Gefühl und ein Problem, das sich niemals erledigt haben wird, weil er zum europäischen Kulturerbe gehört. Weil es ein Gefühl ist, das aufsteigen und sich beruhigen kann, wie Gefühle das eben an sich haben. Weil das Gefühl nur in Ausnahmefällen mit tatsächlichen Ereignissen oder real gekannten Menschen zu tun hat, sondern vielmehr mit dem, was Ereignisse und Menschen in einem auslösen. (…).“

 

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Der Antisemitismus der Elite

Beitrag von Deutschlandfunk: Es gibt einen intellektuellen Antisemitismus, der nicht mit der Bemerkung „Man wird doch noch Kritik an der Politik des Staates Israel äußern dürfen“ abgetan ist. Zwischen berechtigte Kritik mischt sich dabei zuweilen auch dumpfer Judenhass – und das zunehmend bei Intellektuellen, wie ein Symposium an der TU Berlin zeigt.

„Dumpfer Judenhass – das ist eigentlich ein Phänomen der Unterschichten oder der rechtsextremen Organisationen, wird oft kolportiert. Doch was ist mit Sätzen wie: „Ich bin es leid, dass den Deutschen immer noch der Holocaust vorgehalten wird“ oder „Israel führt einen Vernichtungskrieg gegen Palästina“? – Zwischen 30 und 50 Prozent der Deutschen stimmen in Umfragen solchen Sätzen zu – unter ihnen zunehmend Hochgebildete und wohlsituierte Bürger.
„Die zeichnen sich dadurch aus, dass sie selbst ihren Antisemitismus vehement leugnen. Die sagen, ich bin ein Humanist, und ich schreibe nur, weil ich mich um den Weltfrieden sorge. Und wenn sie dann aber Israel angreifen, sehr massiv angreifen, dann sieht man, dass bewusst oder unbewusst auf ganz extreme judenfeindliche alte Stereotype zurückgreifen.“

Die Linguistin Monika Schwarz-Friesel hat über zehn Jahre hinweg die Zuschriften ausgewertet, die der Zentralrat der Juden in Deutschland und die israelische Botschaft täglich erhalten. Über die Hälfte dieser Schreiben stammen aus der Feder von Professoren, Ärzten, Lehrern. „Die Legitimationsbasis all Ihrer Verbrechen ist wohl die zionistische Idee, ein auserwähltes Volk zu sein“, schreibt etwa ein Jura-Professor aus Leipzig, der sich selbst als verantwortungsbewussten Bürger beschreibt. Ein Arzt echauffiert sich aus rein medizinischer Sicht über die „grausame und ekelhafte Tätigkeit der jüdischen Beschneidung, die verantwortlich sei für „die vielen Erkrankungen, die bevorzugt jüdische Menschen befallen“. Frei nach dem Motto, das müsse man doch mal sagen dürfen, schließlich sei man doch frei von jedem Antisemitismusverdacht, werden alte antisemitische Argumentationsmuster kolportiert.
„Weltverschwörungstheorien, die alte Idee, ein auserwähltes Volk zu sein, wird oft reaktiviert, oder ganz, ganz oft finden wir Gleichsetzungen von Juden und Israelis, also das alte Konzept, dass Juden, auch deutsche Juden, doch eigentlich viel besser in Israel aufgehoben seien.“

Antisemitismus unter Intellektuellen – verwundern dürfe das nicht, betont Schwarz-Friesel. Ein Blick in die weit zurückreichende Geschichte der Judenfeindschaft belege, dass Antisemitismus schon immer aus der gebildeten Mitte, von den Schreibpulten der Gelehrten kam. Die moderne Variante finde sich zum Einen in der Neuen Rechten – die sich bewusst distanziere von der NS-Zeit, den Holocaust nicht leugne, aber versuche, seine Bedeutung zu relativieren. Den Juden wird eine „Mitschuld“ an der Judenfeindlichkeit gegeben, statt des Begriffs der „Rasse“ werde von Ethnonationalität gesprochen. Auf der anderen Seite aber ist der Antisemitismus aber auch verstärkt in der Linken und unter Liberalen verbreitet. Seit den 60er Jahren arbeite sich ein linksgetönter Antisemitismus an Israel ab, erläuterte der Politikwissenschaftler Martin Kloke.
„Vor 1967 wurden vielfach gerade in linken Kreisen Juden idealisiert, es gab Bühnenstücke, jeder Jude war ein Nathan der Weise, makellos aus den Konzentrationslagern zurückgekehrt und diese Projektion hat sich dann in ihr Gegenteil verkehrt, das ist so ähnlich wie bei enttäuschter Liebe und dann plötzlich schlägt diese Bewunderung in einen ebenso unkritischen Hass und Abneigung über.“
In aktuellen öffentlichen Debatten legten die Wissenschaftler dar, werde nicht der Antisemitismus, sondern der Antisemitismus-Vorwurf skandalisiert. Dabei sei der Vorwurf des Kritik-Tabus längst widerlegt. Kaum ein Land wird in Deutschland heftiger und unverblümter kritisiert als Israel.
„Wenn ich an Kolumnen von Marion Gräfin Dönhoff denke, aus den späten 40er Jahren, da hat sie mit großer Selbstverständlichkeit Israel kritisiert, und nicht nur das, sie hat Israel auch in die Nähe des NS-Regimes gerückt.“

Verbale Belästigung
Fast 70 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges müsse es doch für Deutsche möglich sein, unverkrampft Kritik an den Juden und Israel äußern zu können, die Zeiten des moralischen Maulkorbs müsse endlich vorbei sein, wird oft argumentiert. Normalität? Rabbiner Daniel Alter, Antisemitismus-Referent der Jüdischen Gemeinde Berlin, wurde vor zwei Jahren auf offener Straße vor den Augen seiner kleinen Tochter schwer verprügelt.

„Es ist Normalität des jüdischen Lebens in Deutschland, dass wenn sich jemand von uns outet in der Öffentlichkeit, dass er zumindest das Risiko verbaler Belästigung eingeht. Das ist zur Zeit Normalität jüdischen Lebens in der Bundesrepublik Deutschland.“

 

 

Und dann gibt es noch dieses Phänomen, nicht selten in der Elite zu finden:

Warum die Deutschen Israels Linke so lieben

„Für die ach so kultivierten Israel-Skeptiker in Deutschland ist die Selbstkritik der Israelis ein willkommenes Fressen. Sie wird lustvoll umgedeutet und für die eigenen Ressentiments missbraucht“, so Marko Martin.

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Die Rückkehr des christlichen Antisemitismus – von Melanie Phillips

Ausschnitte der deutschen Zusammenfassung von Audiatur, bzw. des vollständigen Texts im englischen Original im Commentary Magazine vom 1. Juni 2014)

Supersessionismus. Es ist stadtbekannt, dass viele Kirchen innerhalb der protestantischen Welt dem Staat Israel gegenüber zutiefst feindlich eingestellt sind und Palästinenser zu Opfern israelischer Unterdrückung machen. Weniger bekannt hingegen ist, dass dieser Animus zunehmend nicht durch Politik, sondern durch Theologie genährt wird. Das ist umso bemerkenswerter, als dass Millionen evangelikaler Christen zu den leidenschaftlichsten Unterstützern von Israel in Amerika und anderenorts gehören. (…)

Ersatztheologie. 2009 veröffentlichte eine Gruppe christlicher Palästinenser das Kairos Dokument – ein Manifest, das Israel mit dem Apartheidsregime Südafrikas vergleicht und vorgibt, dass die jüdische Souveränität ein Affront gegen Gottes Plan für die Menschheit sei. Diesmal basiert die Argumentation auf dem säkularen Menschenrechtsbegriff.Mit zunehmendem Masse drängen diese Behauptungen in Kirchen im Westen vor, deren Feindseligkeit Israel gegenüber seit langem durch ihre Beziehungen zu Kirchen in arabischen Ländern angefeuert wurde. Diese Feindseligkeit wurde stark von dem 1948 gegründeten Weltkirchenrat (Ökumenischer Rat der Kirchen ÖRK) beeinflusst. Der ÖRK hat insbesondere auf progressive Kirchen im Westen Einfluss, die sich der Fürsprache für die Armen und Enteigneten dieser Welt verschreiben und somit dessen Narrativ über Israel aufgenommen haben. (…)

Christliche Palästinenser. Aus zwei Gründen haben progressive protestantische Kirchen einen antiisraelischen Narrativ angenommen. Erstens aufgrund des Verlustes ihrer Basis. Einst standen Kirchen an vorderster Front bei Sozialreformen in Amerika und Grossbritannien – heute sehen sie ihren Einfluss in ihren Kirchengemeinden schwinden. Der Einsatz für die „armen und unterdrückten“ Palästinenser scheint eine bedeutende Rolle im nationalen Diskurs anzubieten.Zweitens drängt der Glaube unter progressivem Klerus in den Hintergrund. Mit zunehmendem Masse unwillig oder einfach nicht fähig, die wörtliche Wahrheit der Bibel zu predigen, haben sie sich selbst zu Kämpfern für die Armen und Unterdrückten gemacht. (…)

Revisionistische Islamisierung der Anglikanischen Kirche. Hand in Hand mit dem christlichen Palästinensismus ging die stetige Islamisierung der Anglikanischen Kirche einher. Zusehens unter Nichtbeachtung ihrer jüdischen Wurzeln hat die Kirche stattdessen die Hand dem Islam entgegengestreckt. (…)

 

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Judenhass in der deutschen Politiklandschaft

Gibt es in deutschen Parteien einen judenfeindlichen Bodensatz? Forscher sehen vor allem bei der Linken Probleme. Das Verhältnis der Partei zu Israel-Feinden wie der Hamas sei „latent doppelbödig“.

Viele Jahre lang saß Werner Mroz (CDU) im Rat der Stadt Seesen im Harz. Sein Mandat legte der Kommunalpolitiker nun nieder, sein Parteibuch gab er zurück, wie die örtliche CDU mitteilte. Mroz kam mit diesem Schritt einem Ausschlussverfahren zuvor. „Juden sind Scheiße“, hatte er kürzlich auf seiner Facebook-Seite geschrieben. Mroz bedauere seinen Kommentar, er sei kein Judenhasser, sagte er der „Goslarschen Zeitung“. Der niedersächsische CDU-Generalsekretär Ulf Thiele sagte: „Judenfeindlichkeit und Antisemitismus haben in unserer Gesellschaft keinen Platz. In der CDU haben sie gar nichts zu suchen.“

Zu einer „Friedensdemonstration für Nahost“ rief am vergangenen Wochenende die Jugendorganisation der nordrhein-westfälischen Linken in Essen auf. Teilnehmer der Protestaktion suchten die Konfrontation mit Demonstranten gegen Antisemitismus. Flaschen und andere Gegenstände flogen. Die Polizei verhinderte eine Eskalation, nahm einige Demonstranten fest, gegen die nun ermittelt wird – wegen Körperverletzung und Verstößen gegen das Waffengesetz. Mit einer Erklärung wiesen führende Köpfe der Linken derlei Hassattacken zurück. „Friedensdemos, auf denen Hass gegenüber Jüdinnen und Juden skandiert wird, sind weder Friedensdemos noch links“, schrieben sie: „Als Linke distanzieren wir uns gemeinsam und ausdrücklich von jeder Form des Antisemitismus.“

Der CDU-Ratsherr aus dem niedersächsischen Seesen und einige Aktivisten der nordrhein-westfälischen Linken – treten sie in diesen Tagen nur zufällig zutage? Oder gibt es einen judenfeindlichen Bodensatz in der Politik? Derlei Äußerungen sind in allen politischen Lagern zu finden, so jedenfalls bilanziert es der jüngst erschienene Band über „Antisemitismus in den deutschen Parteien“ (herausgegeben von Dana Ionescu und Samuel Salzborn, Nomos Verlag). Diverse Politikwissenschaftler aus dem Umfeld des renommierten Parteienforschers Franz Walter von der Universität Göttingen haben sich mit derlei Tendenzen befasst.

 Das Verhältnis der LINKE zu den Israelfeinden

Antisemitische Ausfälle werden dabei in den vergangenen Jahren – neben der offen antisemitischen NPD – vor allem bei der Partei Die Linke diagnostiziert. Doch auch der FDP – insbesondere mit Blick auf Jürgen Möllemann – und den anderen demokratischen Parteien widmen sich die Forscher. Die Linke sei die Nachfolgepartei der SED, der Staatspartei der DDR, die „jahrzehntelang Partei für die arabisch-palästinensische Sache“ ergriff, schreibt Martin Kloke – bis hin zur Organisation von Trainingsprogrammen für palästinensische Terroristen.

„Hochproblematisch und hochemotionalisiert“ sei die Haltung ihrer Partei zu Israel, sagt auch die frühere Linke-Vizevorsitzende Halina Wawczyniak. Die parteinahe Zeitung „Neues Deutschland“ und noch mehr die radikalisierte „Junge Welt“ fühlten sich dem israelfeindlichen Erbe der DDR „nach wie vor verpflichtet“, analysiert Kloke. Das Verhältnis der Linken zu islamistischen und antisemitischen Israelfeinden (Hamas, Hisbollah, Iran) sei „latent doppelbödig beziehungsweise manifest ungeklärt“.

Einige Beispiele: Der Linke-Außenpolitiker Norman Paech nannte „Palästina“ das „Guantánamo der arabischen Welt“. Im Jahre 2008 lösten elf Abgeordnete der Linken einen Eklat aus, als sie einer Abstimmung im Bundestag zu einer Resolution gegen Antisemitismus bewusst fernblieben. Als Israels Präsident Schimon Peres am 27. Januar 2010, dem Holocaust-Gedenktag, seine Rede im Plenum beendete, erhoben sich alle Parlamentarier – mit Ausnahme von drei Linken, unter ihnen die heutige Vizevorsitzende Sahra Wagenknecht. Mehrere Linke-Politiker nahmen im Mai 2010 an einer Aktion einer sogenannten Gaza-Hilfsflotte teil. „Real existierende und sattsam dokumentierte Antisemitismus-Vorfälle in der Linken werden noch immer flügelübergreifend tabuisiert oder bestenfalls reaktiv bagatellisiert“, resümiert der Autor.

Möllemann beschwörte Verschwörungstheorien

In der FDP führten die antisemitischen Reflexe ihres stellvertretenden Vorsitzenden Jürgen Möllemann vor Jahren zu offenem internen Widerspruch. In der FDP habe es „mehr oder weniger ausgeprägte antisemitische, erinnerungsabwehrende und antiisraelische Tendenzen“ gegeben, schreiben Teresa Nentwig und Franz Walter. Im April 2002 nahm Möllemann den früheren Grünen-Abgeordneten Jamal Karsli in seine Fraktion im Landtag von Nordrhein-Westfalen auf; Karsli hatte Israels Politik als „Staatsterror“ bezeichnet.

Im Mai 2002 warf Möllemann dem Vizechef des Zentralrats der Juden, Michel Friedman, vor, „mit seiner intoleranten und gehässigen Art“ Antisemitismus zu schüren. Das waren perfide Parolen, die sein neuer Freund Karsli noch steigerte. „Der Einfluss der zionistischen Lobby ist sehr groß. Sie hat den größten Teil der Medienmacht in der Welt inne und kann jede auch noch so bedeutende Persönlichkeit kleinkriegen“, sagte er – ausgerechnet – der rechtsradikalen „Jungen Freiheit“.

Führende Parteifreunde protestierten, Hildegard Hamm-Brücher verließ aus Protest die FDP. Möllemann provozierte weiter, bediente Verschwörungstheorien. Im Wahlkampf-Sommer 2002 ließ er acht Millionen Flugblätter („Klartext. Mut. Möllemann“) verteilen, auf denen er Friedman und Israels Präsidenten Ariel Sharon als friedensunwillige Kriegshetzer angriff. Ein halbes Jahr später verließ Möllemann die Partei.

Merkel zwang Hohmann zum Verlassen der CDU

Auf braune Wurzeln bei den Grünen unmittelbar nach deren Gründung, etwa in Person des Ökobauers Baldur Springmann, verweist die Hildesheimer Politikwissenschaftlerin Saskia Richter. Ein Ort für antisemitische Positionen aber seien die Grünen mitnichten.

Das gilt gewiss auch für CDU, CSU und SPD. Die CDU-Vorsitzende Angela Merkel sorgte etwa dafür, dass der christdemokratische Bundestagsabgeordnete Martin Hohmann seine Fraktion verlassen musste, nachdem er 2003 von „den Juden“ als ein „Tätervolk“ gesprochen hatte.

Bei der SPD erkennt Sebastian Voigt allenfalls – zeitweise – bei Teilen der Jusos antisemitische Tendenzen. Der frühere Bundeskanzler und SPD-Vorsitzende Willy Brandt hatte hingegen einst festgestellt: „Für uns Deutsche gibt es gegenüber Israel keine Neutralität des Herzens.“

 

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Die lange Tradition des grünen Antizionismus

Die Grünen haben nicht nur pädophile Leichen im Keller, sie werden auch regelmäßig von ihrer antizionistischen Geschichte eingeholt. Das beweist ihr neuer Kennzeichnungs-Vorstoß israelischer Produkte.

 

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Ein fatales Bündnis

Welche Wurzeln hat der aktuelle Antisemitismus? von Volker Weiß, 7.8.14, ZEIT

“ (…) Während jedoch Israel routinemäßig als „faschistisch“ dämonisiert wird, findet seitens der Linken weltweit kaum eine ernsthafte Debatte zur politischen Einordnung des Islamismus statt. Dabei täte diese not, denn bei genauerem Hinsehen droht eine hässliche Erkenntnis: Der Islamismus, wie ihn sowohl Hamas in Gaza als auch das iranische Regime als Initiator des Al-Kuds-Tages „zur Befreiung Jerusalems“ vertritt, ist eher eine muslimische Spielart des Rechtsextremismus. Er blickt auf eine ähnliche Entwicklung zurück wie der Faschismus: An seiner Wiege stand ein in der Moderne krisenhaft gewordener Konservatismus. (…)

 

 

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Die Linken werden den Juden nie verzeihen – von Sibylle Berg

Auschnitt der Kolumne Fragen Sie Frau Sybille auf S.P.O.N vom 5.7.2014

„Irgendwie systemkritische und linke Europäer lieben Opfer. Die Juden waren in der Vergangenheit sehr oft Opfer. Wenn sie sich heute wehren, kann das der moralisch gute Europäer einfach nicht ertragen.
Die Logik von sogenannten Linken ist mithin schwer nachzuvollziehen.
„Israel provoziert dritte Intifada“: Was will uns die seit Jahren in der Demokratie Israel angenehm lebende „taz“-Journalistin Susanne Knaul mit dieser Überschrift sagen? Dass Jüdischsein per se schon eine Zumutung und Provokation sondergleichen ist? Die Mehrheit der Berichterstattung und mit ihr der kritischen Leser (vergleiche z.B. hier) ist sich wieder einig. Und weiter an der Tagesordnung. Die Linke, falls es so etwas heute noch gibt, oder sagen wir besser, die gut lebenden systemkritischen Bürgerinnen und Bürger, werden den Juden nie verzeihen, dass sie keine Opfer mehr sein wollen.

Der systemkritische, gut verdienende Europäer liebt Opfer. Sie haben so eine Aura von bewaffnetem Kampf und Abenteuer. Die Palästinenser, die PLO, die roten Brigaden, Sie wissen schon. Gegen den Kapitalisten, den da oben, den Feind, gegen Amerika, das uns die verdammte Demokratie gebracht hat. Die Solidarität der oft gut verdienenden, aber aus irgendwelchen Gründen frustrierten System- oder Kapitalismusgegner mit dem, den sie für den Verlierer des kapitalistischen Kampfes halten, überdauert selbst die Erkenntnis, dass im Wettkampf – und zwar um was auch immer – derjenige verliert, der Gleichberechtigung und Demokratie ignoriert.

Dass Wohlstand Bildung voraussetzt, Menschenrechte, Meinungs- und Pressefreiheit – ach, scheiß der Hund drauf, lallt der loyale Linke, und schreibt schnell noch einen Hetzeintrag in ein Forum. Dass der Großteil des aktuellen Bullshits auf der Welt im Moment von islamischen Fundamentalisten ausgeht – egal. Die Israelis, die Juden, die Amerikaner, die alte Leier, der Wahnsinn. Der sich von Generation zu Generation zu vererben scheint.

Keiner weiß mehr genau, warum seine Eltern irgendwann mal links waren. Was sie wollten, wer Marx war (Jude), was er so wollte. Übernommen wird nur der rigide Stumpfsinn, der ideologische Restmüll, der aus Mündern und Hirnen kommt, die in einem Kopf sind, dessen Körper sich mit amerikanischen Kapitalistenprodukten vollhängt.“ (…)

 

 

Mehr:

Cicero-Dossier zum Antisemitismus der Linken

Studie 2011: Antisemitismus in der LinkenLars Rensmann: Wir Israelkritiker  – zum linken Antisemitismus (2010)

Anm. der Red. zu so manchem der MdBs der LINKE:

Inge Höger, MdB LINKE, ist meistgebuchte MdB auf den Hassdemos, die „Kindermörder Israel“,  „Palästina bis zum Sieg“ und weit und breit kein Wort von Frieden verlauten lassen (Video von der Demo am 26.7.) macht auch auf ihrer Facebookseite kein Halt vor Diffamierung, indem sie Fotos und Informationen je nur bruchstückhaft und aus dem Kontext gerissen als Angklage gegen Israels und der Israelis „abgrundtiefer Schlechtigkeit und Bosheit“ zu verwenden.

Gregor Gysi, MdB, LINKE hat sich nach einem unsäglichen Facebookpost, in dem ihn eine Horde antisemitischster Kommentatoren feierte,  eine unter Kollegen formulierte saftige Replik eingefangen.

Mit auf der Flotilla im Mai 2010: Anne Groth, Inge Höger, Norman Paech, LINKE

 

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Die humanitäre Maske fällt

Manfred Gerstenfeld, Vorsitzender des Präsidiums des Jerusalem Center for Public Affairs

Antisemitismus hat mannigfache Erscheinungsformen und kommt immer wieder in neuem Gewand daher, heute vor allem als Antizionismus. Im Interview spricht Manfred Gerstenfeld, Vorsitzender des Präsidiums des Jerusalem Center for Public Affairs, mit Stefan Frank über den Israelhass vieler Europäer:

(…)

Wie kann man den Antisemitismus überhaupt bekämpfen?

Man kann etwas bewirken durch Erziehung. Es gibt Studien an Schulen in Amsterdam, wo durch Erziehung unter Muslimen die Einstellung geändert wurde. Man kann sogar sagen: bedeutend geändert – nicht bei den meisten, aber bei einzelnen.

Nur Lehrer können also den Antisemitismus eindämmen?

Nein, auch die Zeitungen könnten das, dieselben Zeitungen, die heute den Antisemitismus verbreiten. Es ist so ähnlich wie mit der Prostitution: Sie existiert schon sehr lange, und es ist nie gelungen, sie zu verhindern. Zumindest aber liegen in den europäischen Metropolen die Bordelle nicht an den größten Plätzen der Innenstädte. So ist es mit dem Antisemitismus: Man kann mit ihm leben, solange er nicht zu stark wird. Wenn er zu stark wird, kommt es zu einem zweiten Holocaust, und ich schließe nicht aus, dass es dazu kommen wird, denn es gibt heute in Teilen der arabischen und muslimischen Gesellschaften Leute, die einen zweiten Holocaust propagieren. Der nächste Holocaust – wenn er geschieht – wird nicht von den Europäern verübt werden, aber ein Teil von ihnen wird Hilfsarbeiten dazu geleistet haben.

Durch die falsche Berichterstattung der Medien?

Ja, aber solche Hilfsarbeiten leisten natürlich auch einige Regierungen, NGOs, Akademiker und Gewerkschaften. Es gibt dabei einen Unterschied zwischen der Situation im Postmodernismus und den 1930er Jahren. Hitler war wie ein großer Schornstein, der den Dreck über die ganze Welt verbreitet hat. Heute kommt dieser nicht mehr aus einem einzigen Schornstein, sondern von Millionen Menschen, von denen jeder ein wenig Schmutz verbreitet, und sie alle zusammen sehr viel.

(…)

 

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Der Kampf gegen muslimischen Antisemitismus in der Pädagogik

Wertschätzung ist in der Pädagogik unerlässlich

Der Pädagoge Mirko Niehoff im Interview mit dem Tagesspiegel:
Wer massiv ideologisiert wurde, der ist für Bildungsarbeit meist verloren. Aber das sind die allerwenigsten, eher gebraucht man antisemitische Versatzstücke. Um es klar zu sagen: Es gibt kein antisemitisches muslimisches Kollektiv. Allerdings sollte Islamismusprävention ausgebaut werden. Judenfeindschaft ist ein integraler Bestandteil der islamistischen Ideologie, und die dringt über das Internet immer stärker in die Lebenswelt der Jugendlichen ein. Aber auch hier darf nicht stigmatisiert und ethnisiert werden. Genau da setzt islamistische Propaganda in Deutschland immer wieder an – an der Ausgrenzung und Nichtanerkennung, die junge Muslime erfahren. Anerkennung, Orientierung, Halt und Sinn sind Grundbedürfnisse von Menschen, gerade von jungen.

 

 

„Der Hass ist völlig außer Kontrolle“

Antisemitismus und Verschwörungstheorien gehören in manchen muslimischen Familien zur Erziehung, sagt der Palästinenser und Pädagoge Ahmad Mansour, der in Berlin gegen die Radikalisierung von Muslimen kämpft, sagt:

Es ist wichtig, dass das Dritte Reich im Unterricht thematisiert wird. Allerdings sind das deutsch-deutsche Konzepte, die die Jugendlichen mit muslimischem Hintergrund nicht erreichen. Ihre antisemitische Haltung hat mit Verschwörungstheorien zu tun, mit der einseitigen Betrachtung des Nahostkonfliktes. Auch islamistische Tendenzen spielen eine Rolle. Es ist wichtig, einen Blick darauf zu werfen. Themen wie der Nahostkonflikt sollten deswegen unbedingt in der Schule behandelt werden. Es gibt Materialien, die das Thema differenziert darstellen. Gleichzeitig muss den Schülern Raum gegeben werden, offen über ihre Vorurteile zu sprechen, um sie nach und nach abzubauen.

 

Die Schriftstellerin und Menschenrechts-Aktivistin Serap Cileli stammt aus der Türkei. Sie wurde mit 15 Jahren zwangsverheiratet, floh aber. Sie gründete den Verein „peri“, der Mädchen hilft, die von Ehrenmord bedroht sind. 2005 war sie eine der jüngsten Trägerinnen des Bundesverdienstkreuzes. Sie erklärt das Schweigen der Mehrheit der friedlichen Muslime in „Das hässliche Gesicht der >Religion des Friedens<„

Wo ist der humanistische und friedliche Aufschrei der muslimischen Verbände? Wo ist ihre Solidarität, die sie selbst oft allzu gerne einfordern?

Das Schweigen gehört zum System. Die Juden und Israel sind das Lieblingsfeindbild einer großen muslimischen Masse. Ihr Antisemitismus ist ein Lebensgefühl, eine Ideologie und das Ziel für ihren Hass und ihre Wut, das Sinnbild für all das Leid in der muslimischen Welt. Sie brauchen den Schmerz, denn es ist ein Teil der muslimisch-arabischen Kultur das Leid ins Extreme zu verkehren und dramatisch, bis hin zur Selbstzerstörung, zu leben. (…)

Deutschland sitzt heute auf einem riesigen Pulverfass, das jederzeit in die Luft fliegen kann. Erst vor vier Jahren erforschte das Kriminologische Forschungsinstitut Niedersachsen die Gewaltbereitschaft unter Jugendlichen in Abhängigkeit von ihrer Konfession. Das Ergebnis: Jugendliche aus muslimischen Zuwandererfamilien sind deutlich gewaltbereiter als Migranten aller anderen Konfessionen. Und welche Konsequenzen ziehen wir daraus? Keine!

Wir müssen gemeinsam gegen jegliche Formen von Menschenfeindlichkeit ankämpfen. Wir dürfen nicht unsere Objektivität verlieren, sobald der Rassismus keinen deutschen Namen trägt. Auch ein Muslim kann ein Rassist sein und gehört dafür sanktioniert. Bleiben Sie kritisch! Bleiben Sie fair!

 

 

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 Weitere interessante Links zu Artikeln zum Thema:

* Baustein zur nicht-rassistischen Bildungsarbeit: „Die Deutschen werden den Juden Auschwitz niemals verzeihen“. Ein Erklärungsversuch der verschiedenen Formen des Antisemitismus

 

Was ist sekundärer Antisemitismus?
Ein Florilegium mit Hinweisen auf weiterführende Analysen von Claudia Globisch und Samuel Salzborn
Von Jan Süselbeck

 

* Lars Rensmann – Wie kann das sein?: >Es ist unfassbar, dass es immer noch Judenhass in Deutschland gibt und er sogar zunimmt. Ein Erklärungsversuch aus Sicht der Antisemitismusforschung<

 

* Benjamin Weinthal – Warum Antizionismus moderner Antisemitismus ist.

„Zugunsten europäischer Staatsoberhäupter –der deutschen Kanzlerin Angela Merkel und des französischen Staatspräsidenten Fancois Hollande− muss gesagt werden, dass diese in ihren Ländern Verurteilungen des modernen Antisemitismus veröffentlicht haben.
Doch Deutschland und andere europäische Staaten zeigten, welche Kluft zwischen ihrer offiziellen Rhetorik und ihrem Handeln besteht, als sie sich letzte Woche bei einer entscheidenden Abstimmung im Menschenrechtsrat der UNO (UNHRC) enthielten. Die UNHRC-Abstimmung sonderte Israel − wegen seiner Verteidigungsmaßnahmen gegen die von der EU als Terrorgruppe eingestufte Hamas− für eine Untersuchung wegen Kriegsverbrechen aus. Kommentatoren hielten die UNHRC-Maßnahme für antisemitisch.
Kann sich Europa in Sachen Menschenrechte regenerieren und zeigen, dass seine Demokratien im 21. Jahrhundert reifen können? Der Lackmustest zeigt sich darin, wie Europa mit Israel verfährt.“

 

* Alan Dershowitz: Ist die Aussonderung Israels durch Boykott Antisemitismus?

„Es gibt diejenigen, die argumentieren, dass die BDS-Bewegung (Boykott, Desinvestition und Sanktionen) gegen Israel nicht antisemitisch sein kann, weil sie sich gegen einen Staat und nicht gegen Personen richtet. Aber indem Israel als der Jude unter den Nationen behandelt wird – ausgesondert, um ihn zu verurteilen, während andere Länder weitaus schlimmer sind, egal welchen Massstab man anlegt -– so erweitern Befürworter von BDS lediglich die Idee des Antisemitismus über das Individuum hinaus auf den Nationalstaat des jüdischen Volkes. Als die Nazis „jüdische Physik”, „jüdische Kunst” und die „Geschäftsmethoden der Juden” verurteilten, haben sie ebenfalls behauptet, dass sie sich auf jüdische Institutionen und nicht auf jüdische Menschen konzentrierten. Diese Rechtfertigung funktioniert nicht. Den Juden unter den Völkern genau so zu behandeln, wie der klassische Antisemitismus das jüdische Volk behandelt hat, ist schlichtweg eine neue Adaption der ältesten Vorurteile.“

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RÜCKBLICK

Seit Beginn der Operation Schutzlinie fanden bundesweite friedliche Solidaritätsveranstaltungen für Israel statt. Diesen standen nicht selten gewaltbereite antisemitische, antiisraelische Hass- und Hetz-Demonstrationen von Islamisten oder zumindest Islamisten-Sympathisanten, Neonazis und Linksextremen, ideologischen Pro-Palästina-Aktivisten, radikalen Friedensdemonstranten und dem ein oder anderen wirklich besorgten Bürger gegenüber. Nicht selten kam es zu verbalen und gewalttätigen Angriffemn auf Mitglieder und Institutionen von jüdischen Gemeinden oder gegen Menschen mit „provozierenden Symbolen“, sei es eine Kipa, ein Kettenanhänger oder ein Israelfähnchen.
Wie in der JAZ am 7.8. zu lesen ist, erfahren jedoch einige der angegriffenen Jüdischen Gemeinden auch Solidarität.

Die Anti-Israel- und Hass-Demo-Spirale scheint derzeit an der Oberfläche deeskaliert, nicht zuletzt wegen zweier sehr großer Kundgebungen, zuletzt die des Zentralrats der Juden in Deutschland, bei der Bundeskanzlerin Merkel sprach. Eine Dokumentation der Pro-Israel-Events weiter unten.

Mehr zum Thema und Dokumentation der Fülle der Hass- und Hetz-Demos gegen Israel im Blogbeitrag Momentaufnahme Antisemitismus in Deutschland II

 

Dokumentation diverser Pro-Israel-Veranstaltungen diesen Sommers:

 

Stehauf

BERLIN   Sonntag, 14.9.2014   Brandenburger Tor : Kundgebung: Steh auf! Nie wieder Judenhass!

Der Aufruf des Zentralrats der Juden in Deutschland: http://www.zentralratdjuden.de/de/article/4928.steh-auf-nieder-wieder-judenhass-kundgebung-des-zentralrats-der-juden-am-brandenburger-tor.html

Den Aufruf des DIG-Präsidenten Reinhold Robbe: http://www.deutsch-israelische-gesellschaft.de/bund/im-fokus/showme/steh-auf-nie-wieder-judenhass

 

Die Reden:

Dr. Dieter Graumann Video + Text

BK Angela Merkel Video  + Text

EKD-Vorsitzender Dr. Nikolaus Schneider Text

WJC-Präsident Ronald S. Lauder Text

 

Aus den Medien:

Der beste Kommentar von allen: Kein Aufstand der Anständigen / Von Kirsten Serup-Bilfeldt
http://www.deutschlandradiokultur.de/kommentar-kein-aufstand-der-anstaendigen.1278.de.html?dram%3Aarticle_id=297393

ansonsten…:

http://www.welt.de/politik/deutschland/article132237119/Merkel-Juden-sind-in-Deutschland-zu-Hause.html

http://www.stern.de/politik/deutschland/kundgebung-gegen-antisemitismus-merkel-juedisches-leben-ist-teil-unserer-identitaet-und-kultur-2138117.html#utm_source=standard&utm_medium=rss-feed&utm_campaign=alle

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/antisemitismus-merkel-bei-demonstration-gegen-judenhass-a-991559.html

http://www.juedische-allgemeine.de/article/view/id/20225

http://www.juedische-allgemeine.de/article/view/id/20224

http://www.heute.de/kundgebung-am-brandenburger-tor-mehr-courage-gegen-judenhass-gefordert-34971916.html

http://www.tagesschau.de/inland/antisemitismus-106.html

http://www.zeit.de/politik/deutschland/2014-09/demonstration-antisemitismus-berlin

http://www.focus.de/politik/deutschland/zeichen-gegen-antisemitismus-angela-merkel-das-juedische-leben-gehoert-zu-uns_id_41325

http://www.n-tv.de/politik/Merkel-setzt-Zeichen-gegen-Antisemitismus-article13604991.html

http://www.sueddeutsche.de/politik/kundgebung-gegen-antisemitismus-aufstehen-gegen-einen-albtraum-1.2128606

http://www.bild.de/regional/berlin/anouschka-renzi/darum-schicke-ich-mein-kind-auf-eine-juedische-schule-37652250.bild.html

http://www.bz-berlin.de/berlin/jm-direktor-peter-schaefer-ueber-antisemitismus

http://www.welt.de/debatte/kommentare/article132249640/Judenhass-in-Deutschland-Nicht-mit-uns.html

http://www.welt.de/print/wams/nrw/article132224375/Unheilige-Allianz.html

http://www.deutschlandradiokultur.de/berlin-demonstration-gegen-antisemitismus.1079.de.html?dram:article_id=297353

http://www.deutschlandfunk.de/kundgebung-in-berlin-juedisches-leben-gehoert-zu-uns.1818.de.html?dram:article_id=297520

http://www.faz.net/aktuell/politik/berlin-tausende-demonstrieren-gegen-antisemitismus-13153301.html

http://www.bz-berlin.de/berlin/das-judentum-gehoert-zu-deutschland

http://www.tagesspiegel.de/politik/vor-demonstration-gegen-antisemitismus-in-berlin-charlotte-knobloch-dieser-judenhass-belastet-mich-sehr/10696454.html

http://www.bild.de/politik/inland/demonstrationen/juedisches-leben-gehoert-zu-uns-37664094.bild.html

Anetta Kahane kommentierte:
Aufstehen ok, aber was kommt jetzt; wieder hinsetzen?

Hier gibt es viele Fotos, weitere Links und auch internationale Medienberichte.

 

 

 

Grossdemo Frankfurt 31.8.

FRANKFURT    Sonntag, 31.8.2014    um 15:00 Uhr    auf dem RÖMER

KUNDGEBUNG:  STIMME ERHEBEN! NIE WIEDER JUDENHASS!

Medienberichte Deutschland und International
Hessenschau  + HR online  + Jüdische Allgemeine  +  Israelnetz  + Journal Frankfurt  + Welt  + Frankfurter Rundschau  + FNP  + Regio-Melder  + Blu-News  + O2elf  + Hamburger Abendblatt  + Jspacenews  +  Tamurt  +  JTA  +  Haaretz   +  Times of Israel

Reden (Videos)
Botschafter Hadas-Handelsman   +   Volker Beck MdB  +  Deidre Berger, AJC
Reden (Texte)
Botschafter Hadas-Handelsman   +  Uwe Becker, Stadtkämmerer  +   Reinhold Robbe, DIG President   +  Mathias Küntzel   +   Deidre Berger, AJC (Speech in Englisch hier)

Fotos
https://www.flickr.com/photos/queer-kopf/sets/72157646704024648/
https://www.facebook.com/media/set/?set=oa.771965996187020&type=1
Musikbeiträge
Yael Deckelbaum   +    Hadassa Yeshorun

 

 

KÖLN     Samstag, 6.9.2014   15.00 Uhr   Uni Mensa

Demonstration: Es gibt kein Menschenrecht auf Israelkritik     –     REDEBEITRÄGE

 

 

BERLIN   Donnerstag, 11. Juli 2014    16.00 Uhr    Wittenbergplatz Berlin

Solidarität mit Israel! Gegen antisemitischen und islamistischen Terror!   –   REDEBEITRÄGE

 

 

GANZ DEUTSCHLAND    17. Juli    International Day of Solidarity with Israel

 

 

BERLIN   Freitag, 25. Juli   13.00 Uhr   George-Grosz-Platz

Protestkundgebung: Für einen freien und demokratischen Nahen Osten! Gegen den islamistischen Quds-Tag – Solidarität mit Israel! – mitsamt Redebeiträgen

 

 

Sonstige Positionen zu den Hassdemonstrationen im Sommer 2014 in Deutschland

* Der Botschafter des Staates Israel, Yakov Hadas-Handelsman zeigt sich in seinem Berliner-Zeitung-Gastkommentar entsetzt:
(…) Selbstverständlich hat in einer Demokratie jeder das Recht, seine Meinung frei zu äußern. Es steht auch jedem frei, für oder gegen Israel zu demonstrieren. Doch dabei sollten immer die demokratischen Grundregeln eingehalten werden. Es ist unerträglich und zudem gesetzeswidrig, wenn bei Demonstrationen in Deutschland öffentlich gegen Israelis und Juden gehetzt wird und Gewalt angewendet wird.
Mit Entsetzen verfolge ich, wie in den vergangenen Tagen Aktionen gegen Solidaritätsveranstaltungen für Israel und pro-palästinensische Kundgebungen in ganz Deutschland missbraucht werden, um eine Kultur des Hasses und der Gewalt in die öffentliche deutsche Debatte zu importieren. Ich denke, dass diese Entwicklung jedem deutschen Demokraten Sorge bereiten sollte. (…) (22.7.)

* Der Zentralrat der Juden in Deutschland verurteilt die Hetze und Gewalt auf das Schärfste:
(…) Aber die neuen Ausbrüche in Deutschland haben mit Gaza doch im Grunde gar nichts zu tun. Denn: Was hat es denn mit Gaza zu tun, wenn Synagogen hier beschmiert und angegriffen, jüdische Menschen bedroht werden und vollkommen entfesselte Menschenmengen auf den Straßen den Juden lauthals wünschen, „vergast“, „verbrannt“ und „geschlachtet“ zu werden? Kann man denn noch ekelhafter und bösartiger sein? Was ist das anderes als ganz  gemeiner Judenhass? (…) (21.7.)

*  Antisemitismus und Antizionismus entgegentreten! Erklärung des Bundesvorstands des Jungen Forums DIG anlässlich der jüngsten antisemitischen Ausschreitungen in Deutschland (22.7.)
„Kritik an der Politik des Staates Israel ist legitim und Ausdruck lebendiger demokratischen Praxis, wie sie in Israel selbst gelebt wird.  Was wir derzeit erleben ist dagegen Ausdruck puren Menschenhasses. (…) Darüber hinaus sind gesellschaftliche Antworten nötig: Zivilgesellschaftliche Akteure, die sich in Bildungsprojekten gegen Antisemitismus und Antizionismus einsetzen, etwa die Kreuzberger Initiative gegen Antisemitismus, müssen endlich auch finanziell unterstützt werden: Ideelle Förderungen sind nur Lippenbekenntnisse!“

* Der Journalist Ulf Poschardt sieht es ähnlich:
(…) So weit darf es in Deutschland nicht kommen. Das verbietet unsere Geschichte. Es ist dieselbe Geschichte, die verdeutlicht, dass die Verfasstheit unserer freien und offenen Gesellschaft durch niemanden infrage gestellt werden darf. Die Wehrhaftigkeit unserer Demokratie ist jetzt gefragt. Antisemitische Sprechchöre sind ebenso wenig hinzunehmen wie körperliche Einschüchterung da, wo es zum reflektierten Dialog nicht reicht. Selbstverständlich kann man gegen die israelische Politik demonstrieren. Wenn dabei aber die feinen Grenzen unserer Zivilisationsstandards überschritten werden, muss eine liberale Gesellschaft den Feinden der Toleranz mit Härte und Konsequenz begegnen. Leider ist es jetzt so weit. (…)

* Stephan Kramer: „Das ist eine Bankrotterklärung von Polizei und Politik“

* Volker Beck, innenpolitischer Sprecher, erklärt: „Politik, Medien, Religionsgemeinschaften und Polizei müssen sich der grassierenden Welle des Antismetismus der
letzten Tage energischer entgegenstellen! Kirchen und muslimische Verbände sind jetzt aufgerufen, gemeinsam den Antisemitismus in Deutschland zurückzuweisen
und sich vor die Juden in Deutschland zu stellen. Wir können uns hier weder Lethargie noch Unaufmerksamkeit leisten.“

* Hier steht ein bisschen was zu Henkel und Stegner drin, hier was zu den Grünen, hier auch, auch Klaus Lederer von der Linken verurteilt den antisemitischen Hass
* Am Nachmittag des 22. Juli dann ereilt Europa diese Nachricht:

Die Außenminister Deutschlands, Frank-Walter Steinmeier, Frankreichs, Laurent Fabius, und Italiens, Federica Mogherini, erklärten heute (22.07.) in Brüssel:
Antisemitische Hetze und Anfeindungen gegen Juden, Angriffe auf Menschen jüdischen Glaubens und Synagogen haben in unseren Gesellschaften keinen Platz.
Wir verurteilen die hässlichen antisemitischen Äußerungen, Demonstrationen und Übergriffe der letzten Tage in aller Schärfe.
Wir respektieren die Demonstrationsfreiheit und das Recht auf freie Meinungsäußerung, werden aber mit allen Mitteln des Rechtsstaats gegen Taten und Äußerungen vorgehen, die die Grenze zu Antisemitismus, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit überschreiten.
Nichts, einschließlich der dramatischen militärischen Konfrontation in Gaza, rechtfertigt ein solches Handeln bei uns in Europa.
Wir werden gemeinsam und in unseren Ländern alles dafür tun, dass alle unsere Mitbürger weiter unbehelligt von antisemitischen Anfeindungen in Ruhe und Sicherheit leben können.

Merkel, Gauck und EKD verurteilen dem Zentralrat der Juden gegenüber die antisemitische Hetze (23.7.)

(…) Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat die antisemitischen Parolen bei Kundgebungen in deutschen Städten gegen Israels Gaza-Offensive verurteilt. Solche Äußerungen seien ein „Angriff auf Freiheit und Toleranz und der Versuch, unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung zu erschüttern“, zitierte Vizeregierungssprecher Georg Streiter die Kanzlerin. „Dies können und wollen wir nicht hinnehmen.“ (…)

(…) Gauck habe der jüdischen Gemeinschaft „mit sehr klaren Worten versichert, dass er in diesen Zeiten sehr nahe bei ihr ist und ihre Sorgen sehr ernst nimmt“, sagte Graumann. „Für dieses Engagement haben wir von Herzen zu danken.“ Vom Präsidialamt gab es dazu zunächst keine Stellungnahme. (…)

(…) Auch die Evangelische Kirche in Deutschland bekundete ihre Solidarität mit den in der Bundesrepublik lebenden Juden. „Es beschämt mich, dass Menschen jüdischen Glaubens in unserem Land auf offener Straße angegriffen werden und um ihre Gesundheit und auch um ihr Leben fürchten müssen“, schrieb der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Nikolaus Schneider, in einem am Mittwoch veröffentlichten Brief an den Zentralrat der Juden in Deutschland. (…)Bild 1181

 

Es gibt zudem eine Online-Petition An die Mitglieder des Deutschen Bundestages: Stoppt Antisemitismus und Terrorismus! Solidaritärität mit Israel!

 

… und dann noch die Titelseite und Twitteraktion #Stimmeerheben am 25.7.

 

Dennoch, Juden in Deutschland fühlen sich nicht mehr sicher:

Was denken Juden über die Hass-Demos in Berlin?

Charlotte Knobloch im Interview über den Judenhass in Deutschland

Auch deutsche Juden überlegen auszuwandern

 

 

 

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 Fotos von Honestly Concerned

 

Veröffentlicht am August 1, 2014, in Antisemitismus, Delegitimierung Israels, Israelkritik, Medienverzerrung. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Hinterlasse einen Kommentar.

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