Israel in deutschen Schulen

zuletzt aktualisiert: 21.11.2015

 

Israel ist häufig Thema im Schulunterricht, sei es im Religions-, Geschichts-, Erdkunde-, Politik- oder Sozialkundeunterricht.
Zwar wird laut Beschluss des Bundestages von 2008 deutlich gefordert, „dass Lehrpläne in Schulen um Themen zum jüdischen Leben, zur jüdischen Geschichte und zum heutigen Israel erweitert werden und daneben weitere Kenntnisse für ein Demokratieverständnis vermittelt werden, das Kinder und Jugendliche selbstbewusst und frei von judenfeindlichen Einstellungen handeln lässt,“ doch allzu oft wird nicht das heutige Israel in seiner facettenreichen Vielfalt behandelt, sondern es steht konsequent der israelisch-palästinensische Konflikt bzw. „Israel und Palästina“  im alleinigen Fokus.
Um die vor diesem Hintergrund stehenden problematischen Darstellungen Israels in den deutschen Schulbüchern geht es in dieser Kollektion allerdings nicht ausschließlich. Die Rolle der Unterrichtsmaterialien von den Bildungsservern wird ebenso beleuchtet wie pädagogische Manipulation, einschließlich einiger Hinweise zur Handhabung des Dauerthemas Nahostkonflikt in deutschen Schulen sowie die zweifelhafte Rolle der GEW.

 

Am 23. Juni 2015 wurden die Ergebnisse der offiziellen Deutsch-Israelischen Schulbuchkommission präsentiert, darüber berichteten die Jüdische Allgemeine Zeitung, die taz, die Jerusalem Post und der Tagesspiegel und fassen zusammen: deutsche Schulbücher sind einseitig, verzerrend, teils falsch und in keiner Weise Israel in seinen zahlreichen Facetten sondern nur als Aggressor darstellend.
Die Deutsch-Israelische Schulbuchkommission untersuchte zwischen 2011 und 2014 über 400 deutsche und israelische Schulbücher der Fächer Geschichte, Geographie und Sozialkunde im Hinblick auf die Darstellung des jeweils anderen Landes. Ein weiteres Augenmerk der Kommission lag auf der Darstellung des Holocaust in den Geschichtsschulbüchern beider Länder. Die im Rahmen einzelner Facharbeitsgruppen erstellten Schulbuchanalysen und ausführlichen Zwischenberichte bildeten die Grundlage für die hier vorgestellten Befunde und die aus ihnen abgeleiteten Empfehlungen zur Darstellung Israels in deutschen Schulbüchern und zum Deutschlandbild in israelischen Lehrwerken, so auf der Website des beteiligten GEI zu lesen.

 

Seit 2011 untersucht zudem eine Arbeitsgruppe der deutschen Sektion von “Scholars for Peace in the Middle East” deutsche Schulbücher im Hinblick auf diese Darstellung und entwickelt Strategien, wie das Israelbild in deutschen Schulen ausgewogen und im historischen Kontext verständlich dargestellt werden kann. Die Ergebnisse offenbaren ebenfalls: In den deutschen Medien und Schulbüchern hat sich ein israelfeindliches Bild entwickelt, das die Ursache des Nahostkonflikts in einem angeblich aggressiven Verhalten Israels gegenüber den Palästinensern sucht:
„… Über den Nahostkonflikt wird in deutschen Schulbüchern zunehmend geschichtslos, d.h. ohne Benennung historischer Hintergründe berichtet. Einseitige Schuldzuweisungen gegenüber Israel sind stark verbreitet, von  einer fairen Berichterstattung über den jüdischen Staat kann keine Rede sein. Die Schulbuchverlage tragen eine bis heute viel zu wenig beachtete Verantwortung dafür, dass das Bild Israels in der deutschen Öffentlichkeit ein negatives, vorurteilsbehaftetes und von Ressentiment  bestimmtes ist. Es ist dringend erforderlich, dass eine von den Schulbuchverlagen unabhängige Kommission zur Überarbeitung aller Israel betreffenden Lehrmaterialien in deutschen Schulen eingesetzt wird. …“

 

Verzerren Schulbücher Israelis zu Tätern?

„Allein in 415 deutschen Schulbüchern kommt Israel fast ausschließlich im Kontext des Nahostkonflikts vor.
Die Geschichte Israels wird auch lediglich auf den israelisch-palästinensischen Konflikt heruntergebrochen. „Israel als pluralistische Demokratie, als Einwanderungsgesellschaft: Das alles fehlt“, urteilte Dirk Sadowski, Leiter der deutschen Sektion der Deutsch-israelischen Schulbuchkommission. Deutlich wird dies in der Ikonografie: Fast alle Bilder zeigen Gewalt. „David-gegen-Goliath-Narrativ“ nennt Sadowski die emotionalisierende antagonistische Darstellung von israelischem Militär und palästinensischen Steinewerfern.“
Die Deutsch-Israelische Schulbuchkommission fordert daher: Stereotype überwinden

Neues Bild (4)

Kirsten Tenhafen, Mitglied der Schulbuchgruppe der Organisation Scholars for Peace in the Middle East e. V. (SPME), die das Israelbild in deutschen Schulbüchern untersucht, hat eine eingehende Untersuchung verschiedener Schulbücher und ihren Einfluss auf israelbezogenen Antisemitismus vorgenommen.

Bei der Podiumsdiskussion »Israel im Unterricht – Perspektiven für einen Wandel« mit Kirsten Tenhafen, Jörg Rensmann und Dr. Nikoline Hansen, zu der im Juni 2014 die Scholars for Peace in the Middle East, die Deutsch-Israelische Gesellschaft und die Jüdische Volkshochschule eingeladen hatten, war die verzerrende Darstellung des Nah-Ost-Konflikts in Schulbüchern Thema.

Schon die Beschreibungen des Biblischen Israels in deutschen Schulbüchern folgen immer wiederkehrenden Klischees. Juden werden als Eindringlinge und unrechtmäßige Okkupanten dargestellt. Selten wird auf die jüdische Geschichte Israels Bezug genommen und wenn, dann mit der Absicht die historische Verbindung von Juden zu Israel zu marginalisieren oder um jüdische Geschichte als eine Geschichte der Aggression darzustellen. So steht im Geschichtsbuch Horizonte 12 (Westermann-Verlag) für die gymnasiale Oberstufe: »Als die Juden (…) sich in der Gegend zwischen dem Fluss Jordan und dem Mittelmeer niederließen, kamen sie als Eroberer in ein schon seit der Steinzeit besiedeltes Land. (…) die Entstehung eines jüdischen Staates aus einem losen Stammesverband war ein langwieriger, schwieriger Prozess, der gegen den Widerstand der bereits dort lebenden Bevölkerung stattfand. (…)«
Auch die Darstellung des Zionismus folgt dem Klischee, dass dieser europäischem Imperialismus gleichzusetzen sei. Hingegen wird das Bündnis zwischen Hitler und Amin El Husseini, dem damaligen Mufti von Jerusalem, wenn überhaupt, relativierend erwähnt, über dessen unmittelbare Verantwortung an der Schoa (er verhinderte die Freilassung von 5000 jüdischen Kindern) wird geschwiegen.
In diesem Tenor wird auch die Staatsgründung behandelt. Dass es einen UN-Teilungsplan gegeben hat, dass die arabische Bevölkerung die Gelegenheit hatte, ihren eigenen Staat zu gründen und dies abgelehnt hatte, wird nicht berichtet. Hingegen werden die Ereignisse so dargestellt, als ob die Entstehung des Staates Israel ein aggressiver Akt gewesen sei, in dessen Folge es zum Krieg und zur Flucht eines Teils der arabischen Bevölkerung gekommen ist. Die Vertreibung der Juden aus arabischen Staaten findet keine Erwähnung.
Die untersuchten Schulbücher vermittelten Verständnis für terroristische Anschläge, da sie die Taten legitimieren, während es anscheinend keine Opfer gibt. So heißt es in einer Lehrer-Handreichung (Forum Geschichte 4): Festzuhalten ist, dass der Begriff »Selbstmordattentat« westlich geprägt ist: Aus der Sicht des Islam, der den Selbstmord verbietet, sterben die Attentäter den Märtyrertod, der Ruhm in dieser und das Paradies in der jenseitigen Welt verheißt. Ihren Hinterbliebenen wird zu diesem Ereignis gratuliert«.
Israelis kommen in den Schulbüchern ausschließlich als Soldaten, Orthodoxe oder Siedler vor. Die Perspektive und die Lebenssituation israelischer Kinder und Jugendlicher wird verschwiegen und mit ihr die gesamte israelische Zivilgesellschaft (wie etwa die Innovationen auf medizinischem und technologischem Gebiet, die pulsierende Musik-, Party- oder Gay-Szene). Israel als einzige Demokratie im Nahen Osten wird so aus den Schulbüchern komplett ausgeblendet.
In der Darstellung des arabisch-israelischen Konflikts wird fast ausschließlich Israel Verantwortung zugewiesen. Eine Verantwortung der Palästinenser für die Verpflichtungen, die sich aus den geschlossenen Verträgen ergeben, wird kaum erwähnt, Terroranschläge werden verharmlost und es fehlen wichtige Fakten, die zum Verständnis der Geschichte des Konflikts notwendig sind.
In den Schulbüchern werden Israelis zu Tätern erklärt, Antisemitismus kommt in den Schulbuchtexten im Zusammenhang mit dem Arabisch-Israelischen Konflikt generell nicht vor. Diese Darstellung bereitet im weiteren Verlauf schließlich im Zusammenhang mit der Übernahme palästinensischer Propaganda und antisemitischer Stereotype den Boden für die israelfeindliche Rezeption der Geschichte der Staatsgründung Israels und des arabisch-israelischen Konflikts durch Schülerinnen und Schüler.

Zu den untersuchten Schulbüchern reiht sich im November 2014 der Domino-Verlag ein, der – ganz uneinsichtig – ein falsches Bild des Nahen Ostens zeichnet.

»Verzerrt und fehlerhaft« lautet auch die Analyse auf der ersten Lehrkräftetagung in Berlin im Oktober 2013, die  sich der Darstellung Israels in deutschen Schulbüchern widmete.

 

Auch die Zeitschrift „Zukunft“ hat vier Unterrichtsbücher unter die Lupe genommen, die sich mit Israel und dem Nahostkonflikt befassen. Es handelt sich um Veröffentlichungen seriöser, wichtiger Verlage, von denen man gründliche Recherche, präzise Darstellung und pädagogisches Wissen erwartet. Dennoch lässt sich nicht behaupten, dass alle vier Publikationen diesen Anforderungen im gleichen Maße genügen. Siehe Artikel „Zerrbild: Was deutsche Schulbücher über den jüdischen Staat und den Nahostkonflikt sagen“ vom September 2013.

Beim Thema Nahost-Konflikt machen demnach deutsche Schulbuchverlage tatsächlich die israelische Seite zu Tätern, Palästinenser zu Opfern, doch die Schulbuchverlage Cornelsen, Westermann und Klett sehen keinen Grund für Änderungen, so Gideon Böss in Pauschale Sichtweise: „… Zum Teil werden Texte verwendet, die Anfang der Neunzigerjahre geschrieben wurden und darum hoffnungslos veraltet sind, andere Beiträge stecken voller historischer Fehler und Verdrehungen. … In keinem Schulbuch wird Antisemitismus als ein Antrieb für den irrationalen Hass auf die Juden erwähnt, dabei ist der Nahost-Konflikt für die Hamas kein territorialer Konflikt, sondern ein religiöser Kampf gegen das Judentum und für die Errichtung eines Gottesstaates. Israel die Hauptschuld am Konflikt zu geben und die palästinensische Seite pathologisch aus der Verantwortung zu nehmen, nähert die Schüler zwar erfolgreich an die deutsche Mainstream-Meinung in Bezug auf den Nahost-Konflikt an, aber eben auf Kosten der Realität. …“

Zahlreiche weitere Erkenntnisse über die Verzerrung der Geschichte und Realität in Nahost sowie über die konsequente Dämonisierung Israels und von Israelis zeigt die Zusammenfassung einer umfangreiche Analyse des Bildes Israels in deutschen Schulbüchern, die Gideon Böss 2011 vornahm.

 

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Antiisraelischer Konsens allerorten?

Leider sind häufig Lehrer zu finden, die der Überzeugung sind, ihre Lehre aus dem Holocaust sei, vorrangig und vehement das vermeintliche Unrecht Israels an den Palästinensern anzumahnen. Nur wenige Eltern und Kollegen, die die notwendige Zeit und Skepzis aufbringen, den vermittelten Stoff auf Richtigkeit und Ausgewogenheit zu überprüfen, nehmen den Kampf gegen die Manipulation durch die Schule auch auf. Die Erfahrung zeigt, dass jene Eltern und Kollegen, denen die einseitige Vermittlung des Themas auffällt, nur selten aus ihrer Anonymität heraustreten, da die Opposition zum antiisraelischen Schulkonsens mit Repressalien nicht zuletzt gegen die zwischen den Fronten stehenden zur Schule gehenden Söhne oder Töchter beantwortet werden könnte. Es ist Tendenz, dass entgegen des Bundestagsbeschlusses nicht nur nicht das heutige Israel als solches in der Schule behandelt wird, sondern die unter Israel leidenden Palästinenser im eigentlichen Fokus zu stehen haben. Beispiele von Schularbeiten zu Israel belegen, dass die Note unter Angabe der Begründung schlechter ausfiel, weil das Elend der Palästinenser nicht ausreichend Erwähnung fand.

Bei den Hausaufgaben stolpern die Schüler meist vom Regen in die Traufe. Alles rund um „Israel und Palästina“ mit dem Zusatz „Schulreferat“ wird nicht sorgfältig recherchiert, sondern „gegoogelt“ oder in Foren wie „gutefrage.net“ eingestellt, und es bedarf lediglich einer kleinen Eigenrecherche, um zu sehen, wie schnell die Schüler hierbei durch weitere haarsträubende Verzerrungen, Behauptungen und Lügen fehlgeleitet werden. Nur ein Beispiel ist die Verwendung des Begriffs „Palästina“, der innerhalb der palästinensischen Narrativpropaganda die eigentlich dahinter stehende Agenda transportiert, Israel als selbstbestimmten Staat der Juden im Nahen Osten niemals anzuerkennen. Wenn aber Lehrplan, Lehrer, Lernmaterialien und Internet nicht zur Diffenzierung beitragen, wird allein dieses Mißverständnis nie ausgeräumt werden können, zu Lasten Israels.

Kein Wunder, dass sich in den Schülern antiisraelische Stereotype und der damit verknüpfte Antisemitismus Bahn brechen, wenn sie zudem auch noch einseitiger Medienberichterstattung oder einem ressentimentbehafteten Elternhaus ausgesetzt sind.

Hinzu kommt der Umstand, dass ein kleiner Teil der Schüler aus ganz anderen Gründen einen massiven Israelhass verinnerlicht hat, was zu einer enormen Beeinflussung auch der anderen Schüler, und zur Hilflosigkeit bei den Lehrern führt – oder gar Blauäugigkeit, wie im Falle des Hamburger Senats:

„Dass in arabischstämmigen, türkischstämmigen, ja generell in muslimischen Gemeinschaften in Deutschland endemischer Judenhass existiert, wird kaum gesehen. Das Wort „Jude“ ist unter Jugendlichen aus diesen Gruppen zu einem der üblichsten Schimpfworte geworden. Vorurteile, Stereotypen, Verschwörungstheorien grassieren in diesen Communities… Unwissen und Fehlinformation unter den Jugendlichen haben enorme Ausmaße, und sie sind die Norm. Im Elternhaus beginnt die Entwicklung dieses Weltbildes, dort und bei Freunden hört und sieht man via Satellitenschüsseln arabische und türkische Sender. Manche verbreiten direkt Hetze gegen Israel und Juden, andere arbeiten geschickt mit Verschwörungsbildern und Unterstellungen. In so manche Moschee geschieht Ähnliches. …

Wie kann es zum Beispiel sein, dass der Hamburger Senat mit den dort ansässigen muslimischen Verbänden feierlich einen Kooperationsvertrag schließt, der sie auf Demokratie und Grundgesetz verpflichtet, und nur eine Woche danach eine dieser Organisationen zur Teilnahme an der alljährlichen antisemitischen und antiisraelischen „Al-Quds-Demonstration“ aufruft? Busladungen muslimischer Jugendlicher fahren von Hamburg nach Berlin zu dieser Demonstration, wo „Tod Israel!“ gebrüllt und die Hisbollah bejubelt wird. …“ so der palästinensische Berliner Ahmad Mansour, Diplompsychologe und Berater der European Foundation for Democracy in seinem lesenswerten Beitrag Antisemitismus in muslimischen Communities: So tief sitzt der Hass

 

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Die Krux mit den Unterrichtsmaterialien für Lehrer

Dem verzerrten und negativen Israelbild in Schulbüchern mag aufgrund der derzeitigen Untersuchungen der Deutsch-Israelischen Schulbuchkommission ein wenig auch mediale Aufmerksamkeit gewidmet worden sein. Ob diese Folgen nach sich ziehen wird, sei dahingestellt.

Aber es läuft selbst der gewillteste Lehrer, der Ausgewogenheit zum Konflikt und aktuelle Informationen zum heutigen Israel finden möchte, Gefahr, auch über die Schulbücher hinaus kein adäquates Material an die Hand zu bekommen.

Es gibt Plattformen wie der Planet Schule, die sich selbst den Anspruch abnehmen,  Sachkompetenz, Methoden- und Urteilskompetenz sowie Handlungskompetenz zu vermitteln. Dabei allerdings konzipieren sie eine Filmauswahl zur Verwendung im Unterricht, die einseitiger, falscher und Israel-dämonisierender kaum sein könnten. Ein Eignungscheck für Filme zum Thema Nahostkonflikt ist daher dringend angeraten.

Der Deutsche Bildungsserver ist das vom Bund und den sechzehn Ländern in der Bundesrepublik Deutschland getragene Informationsportal zum deutschen föderalen Bildungswesen. Er bietet umfassende Informationen zum Thema Bildung im Internet. Als Meta-Server verweist der Deutsche Bildungsserver primär auf Informationen, die von Bund und Ländern, der Europäischen Union, von Hochschulen, Schulen, Landesinstituten, wissenschaftlichen Fachgesellschaften, Medienanbietern und Bibliotheken etc. bereitgestellt werden. Nutzer können jedoch auch selbst Eintragungen in den Deutschen Bildungsserver vornehmen. … Diese externen Einträge werden von einer Fachredaktion vor der endgültigen Aufnahme in den Deutschen Bildungsserver geprüft. (Wikipedia)

Zum Thema Israel bietet der Deutsche Bildungsserver demnach ebenfalls Informationen, doch muss bemerkt werden, dass vor allem die meisten Landesbildungsserver, trotz der Prüfung durch Fachredaktionen, vornehmlich einseitige und/oder veraltete Materialien bereitstellen, die der tatsächlichen Lage in Nahost in keiner Weise gerecht werden und das Grundproblem, dem sich dieser Beitrag widmet, befeuern.

Nur wenige der Landesbildungsserver sind mit wenigen ausgewogenen Materialien und mit besonderen Programmen bestückt, doch aktuelle Informationen, die Israel nicht in erster Linie als Terrorstaat und die Israelis nicht als gewaltbereite Fanatiker wie Siedler, Ultraorthodoxe oder Soldaten und andererseits Palästinenser nicht grundsätzlich als Opfer darstellen, sind selten.
Daher nur zur Verdeutlichung sehr wenige problematische Beispiele einiger Bildungsserver:
„Der Wasserkonflikt“ auf dem LBS Baden-Württemberg
Weiterleitung zu fragwürdigen Textsammlungen auf dem Hamburger BS
Zeitungsdokumentation auf dem DBS

Fazit: Dass neben den Schulbüchern auch die Landesbildungsserver unter die Lupe genommen werden sollten, ist allein anhand dieser wenigen Beispiele dringend geboten.
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Die GEW

Die hessische Abteilung der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) bietet für ihre Pädagogen eine Studienreise nach „Palästina/Israel“ an. Nach einer Anreise über Kiew stehen auf dem Programm Gespräche und Treffen mit palästinensischen Organisationen wie „Al-Haq“, das Bethlehemer Forschungszentrum Research – Center Arij von Raed E Abed Rabbo und ein Gespräch mit Ali Jiddah vom „Alternativen Informationszentrum“ in Jerusalem. In Nablus sind Gespräche mit „Aktivisten“ geplant. Der Hydrologe Clemens Messerschmidt wird die Gruppe zu einem „Wassertag“ durch das Jordantal führen. Messerschmidt bezichtigt Israel, den Palästinensern Wasser zu stehlen und behauptete, dass Israel (nicht existierende) Staudämme gebaut habe, um den Gazastreifen zu überschwemmen. Mit Mazin Qumsiyeh der Uni Betlehem wird einer der führenden Aktivisten des „gewaltlosen Widerstands“ in Palästina vorgestellt, dessen Aktionen zu gewalttätigen Zusammenstößen mit israelischen Sicherheitskräften führen.

Obgleich die Studienreise laut Ankündigung auch nach Israel führt, stehen nur eine Busfahrt durch „die jüdische Siedlung“ Ma’ale Adumim“ und ein Besuch im palästinensisch-israelischen Dorf Neve Shalom / Wahat al-Salam im Programm. Danach geht es zu den Ruinen des „ehemaligen palästinensischen“ Dorfes Sar´a. Das biblische Dorf geriet 1948 zwischen die Fronten. Seine Bewohner flohen nach Kalandia, einem Flüchtlingslager in Jerusalem, aus dem auch der Reiseleiter Fuad Hamdan stammt. Seit 1993 ist er Geschäftsführer des „Eine-Welt-Haus“ in München.

Hamdan vertritt die „Einstaatenlösung“ und die „Rückkehr der palästinensischen Flüchtlinge“. Dieser Revisionismus stößt auf keine Kritik. Vertreter der Sudetendeutschen, Ostpreußen oder Schlesier werden selten von deutschen Gewerkschaften eingeladen. In der Süddeutschen Zeitung schrieb Hamdan, Israel sei „mit Abstand die stärkste und zugleich aggressivste Militärmacht in der Region. Der kleine David hat sich längst zu einem atomaren Monster entwickelt.“ Es fragt sich, was die Gewerkschaft deutscher Erzieher und Lehrer mit dieser Propagandafahrt für seine Mitglieder bezweckt. Kein Wunder, wenn derart indoktrinierte Lehrer daheim dem Hass auf Juden wenig entgegensetzen.

Die GEW schreibt: „Es ist eine besondere Verpflichtung der Pädagogen und Wissenschaftler in Deutschland ein Klima der Toleranz gegenüber Minderheiten zu schaffen. Das Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Herkunft und unterschiedlicher Kulturen zu ermöglichen, ist in unserer Zeit eine Hauptaufgabe aller gesellschaftlichen Einrichtungen und Gruppen.“ Für Juden oder Israelis scheint das bei den hessischen Vertretern der GEW nicht zu gelten.

Das Bündnis gegen Antisemitismus Kassel hat dazu auch einen Offenen Brief formuliert:

“ … Das Fortbildungsprogramm richtet sich an Multiplikatoren, deren Auftrag es ist, junge Menschen zu unterrichten und zu erziehen. Dieser Umstand trägt dazu bei, dass die Sichtweise des Leiters der Bildungsveranstaltung Eingang in das Weltbild junger Menschen finden wird. Sie tragen als Bildungsträger mit der Finanzierung solcher Fortbildungsprogramme dazu bei, dass sich das negative Meinungsbild über Israel fortsetzt und stabilisiert, dass der israelbezogene Antisemitismus in Deutschland befördert wird. Im Sommer 2014 hat dieses in Deutschland (und anderen Ländern) vorherrschende Meinungsbild mit dazu geführt, dass offene antisemitische Agitation bei Massenaufmärschen auf deutschen Strassen möglich war und dass es erneut zu einem besorgniserregenden Anstieg antisemitischer Übergriffe gekommen ist und dass diese Ereignisse mit Gleichgültigkeit quittiert worden sind.

Wir fordern Sie daher auf, das Angebot aus dem Bildungsprogramm herauszunehmen und jede Zusammenarbeit mit Fuad Hamdan zu beenden.“

 

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Die Gefahr der Komplexitätsreduktion

Die Reduktion der beiden singulär betrachtet schon höchst komplexen Themenfelder „Israel“ und „Palästina“ auf den „Israel-Palästina-Konflikt“ ist eine fast nicht zu meisternde Herausforderung.
Der Verantwortung müssen sich Lehrer wie Schulbuchverlage und Bildungsserver gleichermaßen stellen, dass die Schüler von heute nicht die Antisemiten von morgen werden, die sich lediglich auf ihr vermeintliches Recht berufen werden, ihre ganz eigene „Israelkritik“ äußern zu dürfen, indem sie als Multiplikatoren die in der Schule erlernten antiisraelischen Phrasen zu angeblichen Tatsachen biegen.

Sollte Schule nicht eher den Anspruch haben, vor allem ausreichende Fakten zu den beiden Themenfeldern zu vermitteln – ohne diese auf die falsche Täter-Opfer-Definition zu reduzieren, was schwerlich wieder korrigiert werden kann?

Da dies im Rahmen eines normalen Lehrplans eine eigentlich unmögliche Herausforderung ist, wäre es sinnvoller, der Empfehlung des Bundestags (s.o.) zu folgen, das heutige Israel zu behandeln.
Hintergrund Heutiges Israel: Israel pur
(Israel eignet sich übrigens besonders im Kontext der im gleichen Bundestagsbeschluss geforderten Demokratieerziehung als hervorragendes Studienobjekt, siehe Die Knesset-Wahlen 2013)

Selbstredend, dass sich anschließend – oder zuvor – dem Thema „Palästina“ ebenso intensiv, kritisch und ohne Doppelstandards, und nicht zuletzt dem Mythos der palästinensischen Unschuld gewidmet werden sollte.

Der Nahostkonflikt als Bestseller im Schulunterricht darf nicht darauf beschränkt sein, Israel als Alleinverursacher sämtlicher Missstände auszumachen und dabei die Jahrzehnte lange Mitverantwortung der Palästinenser und die Rolle der arabischen Staaten und inzwischen auch Irans zu ignorieren.

 

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Anleitungen gegen Verirrungen – auch der muslimischen Schüler

Der Oberhausener Erzieher Tim Pickartz richtet sich mit einem offenen Brief an NRW-Schulministerin Sylvia Löhrmann. Darin fordert er, den Nahost-Konflikt im Schulunterricht zu behandeln. Er fordert, auch mit Blick auf muslimische Schüler, eine “realitätsnahe Bildung”, da der Konflikt gerade für diese prägend sei. „Wenn man sich mit Menschen aus der muslimischen Community beschäftigt und offen das Thema “Weltpolitik und Geschichte” anspricht, wird man sofort bemerken, dass in weiten Teilen der Community der Nahost Konflikt ein mehr als präsentes Thema ist. Ich würde soweit gehen, dass der Nahost Konflikt eine ewig offene und klaffende Wunde in der gesamten islamischen Welt darstellt und sich nicht nur in Deutschland, die Muslime verbunden fühlen mit dem Schicksal der Menschen im Nahen Osten. Dass sich diese Verbundenheit nicht ausschließlich aus historischen und relativ neutralen Fakten speist, ist genauso eine Realität, wie die Tatsache, dass in manchen Teilen der muslimischen Community sehr wohl das Problem des Antisemitismus als Folge dessen entstehen kann.

 

Zurecht stellt Professor Heinsohn fest, dass es von undifferenzierter Israelkritik nur ein kurzer Weg zu antisemitischen Verirrungen ist. Er erläutert, wie man deutschen Schülern bspw. aktuelle Debatten erklärt:

„… Die Auschwitzleugnung bleibt in Deutschland eine Randerscheinung, die man getrost Polizei und Justiz überlassen kann. Doch die Nachwachsenden sind ebenfalls abzuholen, wo sie geistig stehen. Auch ihr Forscherdrang muss dabei ins Spiel kommen dürfen. Aber die ihm angemessene Frage lautet nicht mehr, ob es den Holocaust gegeben hat oder man ihn bestreiten kann. Heute steht ein Lehrer vor gewieften Jugendlichen, die aus unzähligen Medien womöglich noch ganz andere Details der Verbrechen kennen als er. Die Aufmerksamkeit der Klasse aber gewinnt er, wenn er beginnt: Warum sind wir rastlos auf der Suche nach schuldigen Juden? Das verstehen sie sofort. Denn wenn – laut EU-Umfrage – 65 Prozent der Deutschen schon 2003 die größte Bedrohung für den Weltfrieden in Israel verorten, obwohl kein Land öfter mit Ausrottung bedroht wird als diese kleine Republik, dann soll man die Schüler nicht für dumm verkaufen. …“
Eine Anleitung von Prof. Dr. Dr. Gunnar Heinsohn: Der schmale Grat

 

Auch ist es im Schulunterricht Praxis, wie bei Planet Schule gesehen werden kann, mit idealerweise einem einzigen Film – oder nur sehr wenigen exemplarischen Filmen – nicht nur das Thema Israel, sondern gleich die gesamte Komplexität des Nahost-Konfliktes abzudecken, die verschiedenen Perspektiven zu erklären, die Opfer-Täter-Rollen zu verteilen und am besten Lösungsvorschläge für den Konflikt anzubieten. Es lauern viele Fallen auf Lehrer und Schüler gleichermaßen, die diesen Ansatz wählen, daher an dieser Stelle der Verweis auf  Filme aus und über Israel mitsamt Eignungs-Check und Inspirationen zur Herangehensweise.

 

Unter dem Titel Zerrbild oder Realität? diskutierten Experten in Berlin über das Israelbild in deutschen Schulbüchern und Jugendzeitschriften. Fazit: „Die meisten Schulbücher sind nicht geeignet, ein differenziertes Bild von Israel zu zeichnen. Das Problem geht allerdings noch weiter, wenn das Thema gar nicht erst in den Unterricht kommt. Wichtiger als Schulbücher wäre vermutlich eine fundierte Weiterbildung der Lehrer zum Thema, damit diese in der Lage sind, auf die Fragen der Schüler souverän einzugehen und die Komplexität der Lage wenigstens ansatzweise zu vermitteln. Israel und der Nahostkonflikt werden beherrscht von Vorurteilen.“
Weiterbildungen und Studienreisen werden bspw. von der Bundeszentrale für politische Bildung, den Landeszentralen, dem AJC, den Landesinstituten für Lehrerfortbildung u.v.a.m. angeboten, nur abgerufen werden müssen sie. Es ist zu wünschen, dass immer mehr Lehrer dies tun.

 

Wie es an deutschen Schulen hinsichtlich des Israelbildes aussieht, schildert bspw. Rainer Werner in Israel und die Vorurteile deutscher Schüler. Er ist Pädagoge und Autor, sein jüngstes Buch “Auf den Lehrer kommt es an” ist 2012 erschienen. Sein Ratschlag: „… Als Pädagoge darf man die Flinte nicht vorschnell ins Korn werfen. Wenn sachliche Aufklärung und rationale Argumentation an ihre Grenzen stoßen, helfen nur emotionale Reize – durch persönliche Begegnungen mit dem ungeliebten Staat und seinen Bewohnern. Schulen sollten mit Kibbuzim in Israel oder mit israelischen Schulen kooperieren und die Schüler sich gegenseitig besuchen. Empathie kann nur entstehen, wenn man sich auf die Lebenswirklichkeit der Anderen einlässt.“

 

Pädagogisches Essay von Ahmad Mansour: Was tun gegen den muslimischen Antisemitismus?:“ … Hier müssen die Lehrkräfte sich dringend mit der Geschichte des Nahostkonflikts beschäftigen und dies im Geschichtsunterricht etablieren. Da viele Jugendliche kaum Wissen über das Geschehen im Nahen Osten besitzen und nur ein Schwarz-Weiß-Bild vom arabisch-israelischen Konflikt haben, in dem häufig Juden die Täter und Unterdrücker sind und Muslime nur als Opfer vorkommen, brauchen wir eine differenzierte Auseinandersetzung mit dem Konflikt, damit solche Bilder in Frage gestellt werden können. Fakten wie beispielsweise die Tatsache, dass Israel im Jahr 1948 der Zwei-Staaten-Lösung zugestimmt hat, in Israel mehr als eine Million Araber leben und die israelische Staatsangehörigkeit besitzen, dass in Jerusalem schon weit vor 1948 Juden die größte religiöse Gruppe stellten oder dass Hunderttausende von Juden gezwungen wurden, nach der Gründung Israels aus ihren arabischen Heimatländern zu fliehen, dass die Westbank und der Gazastreifen jahrelang unter der Herrschaft von Ägypten und Jordanien standen, sind den meisten Jugendlichen unbekannt. Ihre Informationen und ihr Wissen über den Konflikt beziehen sie meist von Sendern, die antisemitische Bilder täglich propagieren und die Israelis als »blutgeile Juden« darstellen. Auch die Beschäftigung mit der innerisraelischen Politik ist von Bedeutung. Die Tatsache, dass mehr als eine Million Araber in Israel friedlich leben oder dass fast wöchentlich jüdische Bürger in Israel gegen die Besatzung demonstrieren und manche Soldaten den Dienst in den palästinischen Gebieten verweigern, sind den meisten Schülern unbekannt. Jedoch können solche Tatsachen beim Abbau einer Schwarz-Weiß-Betrachtung des Geschehens sehr hilfreich sein. …“

 

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Alternativen

Der „Studienplan für Lehrer“ der israelischen Botschaft besteht aus drei Einheiten und bietet einen Einblick in  Geschichte, Politik, Gesellschaft, Geographie und das Leben in Israel heute. Download in drei pdf-Dateien:
Teil_1_Geographie.pdf . Teil_2_Schoa.pdf . Teil_3_Visionen_und_Realität.pdf

Weitere Publikationen zu Israel von der israelischen Botschaft

Dem Vorbehalt mancher Lehrer gegenüber den Materialien von der israelischen Botschaft Rechnung tragend, ist das Material der Bundeszentrale für politische Bildung empfohlen:

Israel-Projektwoche der Bundeszentrale für Politische Bildung (bpb)

Weitere Publikationen zu Israel von der bpb

bpb/hagalil- Textsammlung zu Israel: Geschichte, Land, Politik, Gesellschaft, Kultur

nibis: Quellensammlung auch für Lehrer mit Materialien, Dossiers, Argumentationen u.a. gegen Antisemitismus

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Deutsch-israelische Handreichung für Lehrkräfte: Ein Moment der Reflexion

Die Kultusministerkonferenz und die Botschaft des Staates Israel in Deutschland stellen die Unterrichtsbroschüre „Deutschland und Israel – Stationen eines einzigartigen Verhältnisses“ im Rahmen der Fachtagung „Bilder und Zerrbilder vom Anderen“ vor. Die Fachtagung des Zentralrats der Juden in Deutschland findet am 4. und 5. November 2015 in den Räumen der Kultusministerkonferenz statt.

„Die deutsch-israelische Freundschaft ist nicht nur das Ergebnis jahrzehntelanger diplomatischer Beziehungen, sondern auch das Resultat unserer gemeinsamen Bildungspolitik. Die vorgestellte Handreichung soll das besondere Band der Freundschaft zwischen Deutschland und Israel auch nachwachsenden Generationen vermitteln. Uns ist  wichtig, dass Schülerinnen und Schüler ein umfassendes Verständnis jüdischen Lebens und jüdischer Kultur in Deutschland entwickeln. Die Handreichung für Lehrkräfte zu den Schlaglichtern der deutsch-israelischen Beziehungen ist auf diesem Weg hilfreich. Diese Einzigartigkeit des deutsch-israelischen Verhältnisses soll jungen Menschen weiterhin vermittelt werden“, so die Präsidentin der Kultusministerkonferenz und sächsische Staatsministerin Brunhild Kurth.

„In diesem Jubiläumsjahr betonen wir immer wieder, dass unser Fokus auf der jungen Generation liegt. Die Schülerinnen und Schüler von heute werden schon bald die Beziehungen zwischen unseren Ländern gestalten. Die Schule ist daher eine entscheidende Schnittstelle für die Festigung und den Ausbau unserer Beziehungen. Auch im Rahmen der Bildung muss vermittelt werden, warum die israelisch-deutschen Beziehungen einzigartig sind und es auch bleiben werden. Hinzu kommt, dass die jungen Menschen oft im Schulunterricht zum ersten Mal ausführlich mit Israel in Berührung kommen. Wenn also die Empfehlungen der Deutsch-Israelischen Schulbuchkommission dazu beitragen, dass die Bilder vom jeweils Anderen vielfältiger und ausgeglichener gestaltet werden, wäre das ein gutes Ergebnis. Und wenn die heute vorgestellte Handreichung den einen oder anderen Lehrer bei der Gestaltung des Unterrichts inspiriert, ist das eine gute Investition in die Zukunft unserer Beziehungen“, so Botschafter Yakov Hadas-Handelsman.
Die Handreichung „Deutschland und Israel – Stationen eines einzigartigen Verhältnisses“ ist eine kommentierte Quellensammlung für den Geschichts- und Politikunterricht. Herausgeber sind die Kultusministerkonferenz und die Botschaft des Staates Israel in Deutschland. Zentrale Themen sind unter anderem Schlaglichter des deutsch-israelischen Verhältnisses, Wiedergutmachung, Erinnerung, Verantwortung und Brücken zur Normalität zwischen Deutschland und Israel. Anlass für die Veröffentlichung der Handreichung für Lehrer ist das fünfzigjährige Bestehen diplomatischer Beziehungen zwischen Deutschland und Israel. Bereits seit langem unterhält die deutsche Bildungspolitik angeführt durch die Kultusministerkonferenz enge Beziehungen mit dem Staat Israel.

Die Handreichung finden Sie hier: „Deutschland und Israel – Stationen eines einzigartigen Verhältnisses“

 

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Sollten sich unter den Lesern dieses Beitrags Pädagogen befinden, die weitere Empfehlungen aller Art für u.a. auch ausgewogene Unterrichtsmaterialien zu den Themen Israel, heutiges Israel, Nahostkonflikt, Israel-Palästina etc. geben können, steht der Kommentarbereich als Hilfestellung für Jene, die sich über Schulbücher und Bildungsserver hinaus zum Thema rüsten wollen, gerne offen.

 

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In Kürze: Typische Vorurteile, Lügen, Verzerrungen in Schulbüchern und dem Weltbild mancher Lehrer

Es sind die typischen Vorurteile, wie sie weit verbreitet über Israel zu vernehmen sind und wie sie auch die an die Schüler weitergegeben werden – sei es durch die Unterrichtsmaterialien, die persönliche Meinung des Lehrkörpers oder durch fragwürdige Quellen. Einige davon lauten:

Israel begeht Landraub – Um diese Aussage zu veranschaulichen, wird in der Schule eine häufig verwendete Kartensammlung herangezogen, in der das als palästinensisch markierte Gebiet von Karte zu Karte, von Zeitperiode zu Zeitperiode schrumpft. Überaus einprägsam ist diese „alles erklärende“ Serie von vier Karten, die mit ihrer einfachen Botschaft und extremen Suggestivwirkung seit vielen Jahren im Umlauf ist und regelmäßig herangezogen wird, wenn es darum geht, die vermeintlichen expansionistischen Gelüste des jüdischen Staates aufzuzeigen und anzuprangern.
Der Historiker Yaacov Lozowick hat sie sich vorgenommen; hier ist ein Großteil seiner Analyse, ins Deutsche übersetzt: Schlechte Karten sind Trumpf
Unberücksichtigt bleiben hierbei allerdings die weitaus differenzierter zu verwendenden Begriffe und Definitionen zum Verständnis der Karten, die wechselnden Besitz- und Besatzungsverhältnisse, der Verlauf von Grenzen und Waffenstillstandslinien infolge von Kriegen und Friedensabkommen, die zahlreichen Akteure, die –neben Israel und Palästinensern– in diesem ganzen Geschehen eine Rolle spielen.
Zweckmäßig: Israels story in maps

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Israel stiehlt den Palästinensern Wasser – Diese Aussage wird dem palästinensischen Narrativ entnommen. Sie berücksichtigt weder die zahlreichen Kooperationsabkommen zwischen Israel und der Palästinensischen Autonomiebehörde, noch die geopolitischen und geographischen Probleme. Darüber hinaus lässt sie Israels Mitwirkung bei Erschließung und Schutz von Wasserressourcen in der gesamten Region und Israels Forschung und Entwicklung, die zur nachhaltigen Versorgung von wasserarmen Ländern weltweit beiträgt, außer Acht.
Aufschlussreich: Der Wasserkonflikt zwischen Israel und den Palästinensern

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Gaza ist das weltgrößte Freiluftgefängnis – Dies ist ein Mantra, das nichts anderem Vorschub leistet, als dem in Deutschland epidemisch umso mehr um sich greifenden Entschuldungskomplex, je weniger Überlebende der Shoah es gibt. Es bedeutet nämlich nicht, dass hier von einem möglichen neuen Menschheitsverbrechen gesprochen wird, sondern es will den Schülern zu verstehen geben, die Juden von heute seien wie die Deutschen von damals, und die Juden von heute würden die Palästinenser behandeln wie die Deutschen von damals die Juden behandelten. Damit seien die Juden von heute unter Umständen sogar schlechter als die Deutschen von damals, weil die Juden aus ihrer eigenen Leidensgeschichte keine Lehren gezogen hätten. (Diese krude Logik ist ausgesprochen verbreitet.)
Aber zurück zum „Freiluftgefängnis Gaza“, das auch gern als „Lager“ oder „KZ“ bezeichnet wird, in dem Israel angeblich scheußliche Verbrechen an der palästinensischen Bevölkerung begeht: Gaza hat eine offene Grenze zu Ägypten, insbesondere seit in Ägypten die Moslembrüder an die Macht gekommen sind. Darüber hinaus werden über die israelischen Checkpoints täglich tonnenweise Hilfsgüter in den Gazastreifen geliefert. Es besteht dort weder eine medizinische noch sonst eine angeblich von Israel verursachte Notsituation. Die Hamas beschlagnahmt, bezollt oder verweigert die Lieferungen aus Israel, um sich an ihnen ebenso wie am blühenden Schmugglertunnel-Geschäft zu bereichern. Die Hamas unterdrückt und verfolgt ihre eigene Bevölkerung –ganz zu schweigen von Minderheiten, Oppositionellen und angeblichen Kollaborateuren– und missbraucht Zivilisten in Schulen, Moscheen und Krankenhäusern als menschliche Schutzschilde.
Ein Blick hinter die Kulissen:  Realitäten hinter den Headlines zur humanitären Katastrophe in Gaza und ein paar Hintergründe zur letzten Militäroperation, die mitnichten ein Akt gegen die Bevölkerung Gazas gewesen ist.

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Israel hält sich an keine UN-Resolutionen – Dies ist ein Vorwurf, der zum einen die Tatsache vernachlässigt, dass es einen Unterschied zwischen UN-Resolutionen des Sicherheitsrates und UN-Resolutionen der Vollversammlung gibt. Die UN-Sicherheitsratsresolutionen sind bindend , die UN-Vollversammlungsresolutionen haben in der Regel nur Empfehlungscharakter und müssen deshalb nicht eingehalten werden (- bis auf wenige Ausnahmen -). Ein Großteil der Resolutionen zu Israel sind Resolutionen der UN-Vollversammlung. Zum anderen wird bei dieser Aussage versäumt, hinter die Kulissen der UN zu blicken und zu ergründen, wie es überhaupt zu diesen zahlreichen hauptsächlich Israel verurteilenden Resolutionen kommt: die 21 Staaten der Arabischen Liga gemeinsam mit den anderen Mitgliedsstaaten der Organisation der Islamischen Konferenz (insgesamt 56 Staaten) und die große Bewegung der blockfreien Staaten (117 Mitglieder), die Israel in der Regel nicht wohlgesinnt sind, verfügen über eine beinahe automatische Mehrheit innerhalb der 192 UN-Mitgliedstaaten. Politikunterricht könnte sich eigentlich demnach sogar auch mal dem Thema der Einseitigkeit der UN widmen, wenn es um Israel geht. Darüber hinaus sollte nicht vergessen werden, dass es längst einen Staat Palästina geben würde, hätte sich 1947 nicht nur die jüdische Seite an die UN-Vollversammlungsresolution 181 gehalten, sondern auch die arabische.
Weiterführend: Israel und die UN

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Israel verhindert einen Staat Palästina – Die Bezeichnung „Palästina“ soll in diesem Zusammenhang vordergründig eine –vermeintliche– Äquidistanz zu beiden Parteien demonstrieren. Die hintergründige Intention ist jedoch eine Solidarisierung mit den Palästinensern. Dabei wird –trotz Bildungsauftrag– versäumt zu erklären, dass Palästinenser unter Palästina ein Gebiet verstehen, das auch das heutige Israel mit einschließt. Gemeint ist ein Palästina, das „vom Jordan bis zum Mittelmeer“ reicht. So ist es in jedem Logo zu sehen und in zahlreichen Reden zu hören, sowohl auf Seiten der Hamas als auch der Fatah. Ein Staat Palästina für alle Palästinenser (einschließlich der palästinensischen Flüchtlinge, die von Libanon, Syrien, Jordanien bis heute nicht absorbiert sind), der im Rahmen der Zwei-Staaten-Lösung anvisiert und in bilateralen Verhandlungen zu definieren ist, wird von den Palästinensern nicht angestrebt. Dass Bushido sich mit diesem Israel-auslöschenden Palästina solidarisiert, wird  reflexhaft als Überschreitung der legitimen „Israelkritik“ zurückgewiesen – doch deutsche Schüler werden nicht zu differenziertem Umgang mit diesem Palästina-Begriff befähigt.
Es muss betont werden, dass es nicht Israel ist, das die Zweistaatenlösung verhindert, sondern die Nichtbereitschaft der Palästinenser, einen Staat aufzubauen, der auf Terror und Hetze verzichtet und Israels Existenz anerkennt.

Wie Stephan Grigat in Das Dilemma der Besatzung formuliert: „Jeder Befürworter einer Etablierung einer palästinensischen Staatlichkeit muss die Frage beantworten, was geschehen soll, wenn solch ein Schritt nicht die Beendigung des Konflikts bedeutet. Was tun, wenn ein palästinensischer Staat nur als Basis verwendet würde, um den Krieg zur „Befreiung ganz Palästinas“ unter besseren Bedingungen fortzuführen – und die bisherigen Erfahrungen mit dem Rückzug aus dem Gazastreifen 2005 lassen genau das am wahrscheinlichsten erscheinen.
Aufschlussreich zum Thema: Überlegungen zum Wesen eines zukünftigen palästinensischen Staates

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„Die Siedlungen sind das größte Friedenshindernis“ – Es ist unbestritten, dass auch in Israel heftige Debatten über die Siedlungen geführt werden, doch ist es korrekt, sie als illegal und größtes Friedenshindernis zu bezeichnen?
Politisch gesehen betrachtet man das Westjordanland und den Gazastreifen am besten als Gebiet, für das es zueinander in Widerspruch stehende Ansprüche gibt, die in Friedensverhandlungen geklärt werden sollten.
Das Westjordanland war von 1949 – 1967 von Jordanien annektiert und der Gazastreifen im selben Zeitraum von Ägypten besetzt. 1967 kam es zum Sechstagekrieg, in dessen Verlauf Israel diese Gebiete eroberte. Israel hatte kein Interesse daran, diese eroberten Gebiete zu behalten und wollte mit der arabischen Seite in Verhandlungen treten, um im Tausch gegen diese Gebiete Frieden und die Anerkennung Israels zu erhalten. Ergebnis des Treffens der arabischen Liga in Khartum im August 1967 nach dem Sechstagekrieg waren die „3 Neins“: Kein Frieden mit Israel,  Keine Anerkennung Israels, Keine Verhandlungen mit Israel.
Die Folge: Israels regierende sozial-demokratische Arbeiterpartei begann mit dem Siedlungsbau aus militärischstrategischen Gründen. Nachfolgende israelische Regierungen führten diese Politik weiter.

Doch Siedlungen sind nachweislich kein Hindernis auf dem Weg zum Frieden!
(siehe auch den DIG-Flyer zum Thema)
1948-1967: Keine „israelische Besatzung“, kein israelischer Siedlungsbau im Westjordanland und im Gazastreifen – dennoch: kein Frieden
1979: Friedensvertrag zwischen Israel und Ägypten → Israel zieht sich vollständig aus dem Sinai zurück und räumt alle Siedlungen
1994: Trotz Siedlungen: Friedensvertrag zwischen Israel und Jordanien
1994: Gründung der Palästinensischen Autonomiebehörde (PA) auf Grundlage der Osloer Verträge → Israel zieht sich aus Teilen des Gazastreifens und des Westjordanlandes zurück
2000: Bislang umfassendstes Friedensangebot seitens Israel an die Palästinenser: Israel war bereit, Siedlungen zu räumen bzw. einen Gebietsaustausch vorzunehmen → PA unter Arafat lehnte ab
2005: Israel zieht sich vollständig aus dem Gazastreifen zurück, räumt dort alle Siedlungen und vier weitere im Westjordanland. Der Gazastreifen wird zur Terrorhochburg unter der Herrschaft der Hamas

Tatsächlich basiert eine Analyse, die zu dem Schluss führt, die Siedlungen würden das Völkerrecht verletzen, auf der Akzeptanz des palästinensischen Narrativs, dass die Westbank „arabisches“ Land sei. Folgt man dieser Argumentation logisch zu Ende – wie es einige getan haben – dann macht dieses Narrativ auch die Legitimität Israels zunichte.

Das israelische Außenministerium hat am 31. Januar 2013 eine Stellungnahme zum jüngsten Bericht des UN-Menschenrechtsrates zu israelischen Siedlungen herausgegeben. Darin heißt es: „Der einzige Weg, noch ausstehende Lösungen für die Themen zwischen Israel und den Palästinensern zu finden, einschließlich des Themas Siedlungen, führt über direkte Verhandlungen ohne Vorbedingungen. Kontraproduktive Maßnahmen, wie der vorliegende Bericht, werden die Bemühungen, eine dauerhafte Lösung für den israelisch-palästinensischen Konflikt zu finden, lediglich erschweren.
Der Menschenrechtsrat zeichnet sich leider durch seinen systematisch einseitigen und voreingenommenen Ansatz zu Israel aus. Dieser jüngste Bericht bestätigt dies nur einmal mehr.“

Weitere Informationen: Der Mythos illegaler Siedlungen

 

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Veröffentlicht am Januar 27, 2013, in Antisemitismus, Israel. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 2 Kommentare.

  1. Grob gesagt, die Schulen, die Medien sind israelfeindlich (wobei es in beiden Bereichen Ausnahmen gibt), diese Israelfeindlichkeit vermischt sich viel zu oft mit Judenfeindlichkeit.
    Beide firmieren – zumindest in den Medien – unter „Israelkritik“ und das schon seit Jahrzehnten.
    Warum wundert man sich dann, wenn verschiedene Untersuchungen zeigen, wie stark der
    Antisemitismus – offen und noch mehr unterschwellig – in der Bevölkerung verbreitet ist? Die Leute werden doch ständig damit gefüttert. Da helfen erhobene Zeigefinger auch nicht.
    lg
    caruso

  2. Die Schulen sind im Gegensatz zu den linksliberalen Medien noch harmlos. In diesen Medien – von ARD bis SZ, von FAZ bis jW – wird vorzugsweise unter der Flagge der „Palästinenser-Solidarität“ und des Antizionismus‘ die Sau rausgelassen.
    Allerdings ist ein einer Beziehung die Schule doch ein neuralgischer Punkt: Dort müsste den jungen Menschen nahegebracht werden, wie es um Israels Vergangenheit steht; dass das Land nämlich permanent von aggressiven Staaten und Bewegungen bedroht und angegriffen wurde. Man sollte in der Lage sein, sich in die Situation des israelischen Volkes hineinzuversetzen – erst dann darf man kritisieren. (Aber DANN dürfte man besser den Mund halten, als den oberlehrerhaften, im Warmen und Bequemen sich fläzenden Gutmenschen zu markieren.)

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